Bischöfe bekräftigen Abgrenzung von AfD

Die katholischen Bischöfe haben auf ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda ihre Abgrenzung von der AfD bekräftigt. Die Kirche will aber mit Wählern extremer Parteien weiter im Gespräch bleiben.
Von Norbert Schäfer
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) sieht zentrale Positionen der AfD weiter im Widerspruch zum christlichen Menschenbild. Nach den jüngsten Wahlerfolgen der Partei haben die katholischen Bischöfe auf ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda ihre bereits 2024 formulierte Kritik am völkischen Nationalismus bekräftigt. Zugleich will die Kirche mit Wählern im Gespräch bleiben, „die die extremen Ränder wählen“.

Eine mögliche Regierungsbeteiligung bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, am Donnerstag als „Zäsur“ in der Geschichte der Bundesrepublik. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellt die AfD jeweils die stärkste Fraktion. „Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage“, erklärte Wilmer auf der Abschlusspressekonferenz der Herbst-Vollversammlung. Der DBK-Vorsitzende sprach im Hinblick auf die mögliche Regierungsbeteiligung der AfD von einem „Paradigmenwechsel“. Es sei erschreckend, wenn 30 Prozent der Katholiken im Osten die AfD wählten.

Wilmer: „In Gottes Namen den anderen mögen“

Ausdrücklich halte die Bischofskonferenz an ihrer Erklärung von 2024 fest, nach der völkischer Nationalismus und Christentum unvereinbar seien, erklärte Wilmer. Hinter diese Position werde man „nicht zurück“ gehen. Die Kirche wolle zur Stärkung der freiheitlich-demokratischen Ordnung beitragen und gesellschaftlicher Spaltung entgegentreten. Wilmer: „Unser Prinzip: In Gottes Namen den anderen zu mögen, zu lieben und sich solidarisch zu verhalten.“

In ihrem Pressebericht zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung am 1. Oktober werfen die Bischöfe der AfD vor, mit Teilen ihrer Programmatik und Rhetorik dem christlichen Verständnis von Gott und Mensch zu widersprechen. Auf der Pressekonferenz sprach Wilmer von „diametralen“ Gegensätzen. Besonders kritisierte der Bischof Positionen, bei denen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit unterschiedlich bewertet werden. Dem wollen die Bischöfe Menschenwürde, Nächstenliebe und demokratische Kultur entgegensetzen.

„Antisemitismus ist Sünde“

Vom Gespräch ausschließen wollen die Bischöfe AfD-Wähler ausdrücklich nicht. Die Kirche müsse mit Menschen reden, die Parteien an den politischen Rändern wählten. Zugleich bezeichnet die Bischofskonferenz die gleiche Würde aller Menschen unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung, Gesundheit, Alter oder Religion als nicht verhandelbare christliche Überzeugung.

Die Bischöfe zeigten sich zudem „erschüttert“ über die Zunahme von Antisemitismus in Deutschland – „von rechts und von links“. Der DBK-Vorsitzende fasste die Haltung der katholischen Kirche gegenüber Antisemitismus prägnant zusammen. „Antisemitismus ist Sünde“, erklärte Wilmer. Mit Blick auf den Wahlsieg der Linken in Berlin kritisieren die Bischöfe Positionen im linken politischen Spektrum, wenn eine ausreichende Distanzierung von Antisemitismus fehle. Die Partei müsse sich nach Auffassung der Bischöfe eindeutig von Organisationen distanzieren, die als terroristisch oder antisemitisch eingestuft seien.

Als Konsequenz aus der zunehmenden politischen Polarisierung fordert die Bischofskonferenz eine Stärkung der demokratischen Mitte. Demokratische Kräfte müssten zuhören, nach gerechten Lösungen suchen und kompromissbereit bleiben. Deutschland müsse dabei „rechtsstaatlich, freiheitlich, weltoffen und solidarisch“ sowie fest in Europa verankert bleiben.

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