Das christliche Medienmagazin

Bild-Zeitung zeigt Fotos von Genua-Opfern

Laut Pressekodex dürfen Medien die Identitäten von Opfern normalerweise nicht veröffentlichen. Die Bild-Zeitung zeigte trotzdem Fotos mit vollem Namen von Menschen, die beim Brückenunglück in Genua gestorben waren.
Von PRO
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email
Der Deutsche Presserat achtet darauf, dass publizistische Grundsätze eingehalten werden

Foto: Deutscher Presserat

Der Deutsche Presserat achtet darauf, dass publizistische Grundsätze eingehalten werden

„Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen.“ So heißt es im Pressekodex unter Ziffer 8.2. Er hat zum Ziel, ethische Standards im Journalismus zu wahren. Wenn Medien über Unglücke berichten, sollen nicht Voyeurismus und Sensationsgier die Maßstäbe sein, sondern die Interessen der Opfer und deren Angehöriger. Dazu gehört, dass Namen und Fotos der Opfer in der Regel nicht in die Zeitung oder die Internetseite gehören. Schließlich trage das nicht zum besseren Verständnis des Unglücks bei.

Offenbar hat sich die Bild-Zeitung in der Berichterstattung über das Brückenunglück von Genua nicht daran gehalten. Unter der Überschrift „Sie fuhren in die Ferien und stürzten in den Tod“ veröffentlichte das Medium Fotos und Namen mehrerer Opfer, darunter ein Kind.

In Ausnahmefällen ist die Veröffentlichung von Opferidentitäten laut Pressekodex erlaubt. Allerdings muss dazu das Einverständnis der – überlebenden – Opfer oder von deren Angehörigen vorliegen. Auf eine entsprechende Anfrage von pro äußerte sich die Bild-Zeitung bisher nicht. Der Christliche Medienverbund KEP, der auch das Christliche Medienmagazin pro herausgibt, hat daher Beschwerde beim Presserat eingelegt. Sollte der Presserat der Beschwerde statt geben, kann er entweder einen Hinweis, eine Missbilligung oder eine Rüge aussprechen.

Dass Bilder von Opfern ohne deren Einverständnis gezeigt werden, kommt immer wieder vor. Ein prominenter Fall war ein Cover des Nachrichtenmagazins Der Spiegel von 2014. Das Blatt zeigte Opfer des Absturzes von Flug MH17 in der Ukraine. Auch Bild Online, Bunte Online und der Stern hatten solche Fotos gezeigt. Dagegen sprach der Presserat eine Missbilligung aus.

Von: Nicolai Franz

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell