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Bibelcomics für den Unterricht

Eine katholische Comic-Reihe nimmt Größen der Kirchengeschichte in den Blick. Unter ihnen sind nicht nur Päpste und Heilige, sondern auch Jesus Christus. Die 16 gezeichneten Werke sind nun auf Deutsch erschienen und sollen künftig unter anderem als Unterrichtsmaterial dienen.

Von PRO

Foto: Canisi-Edition

Katholische Comics – für viele Verleger wirkte das wohl zunächst wie ein Widerspruch in sich, steht die institutionelle Kirche doch oft für verknöcherte Traditionen, das Comic-Genre hingegen für Innovation und Kreativität. Dem Priester René Sager fiel es zunächst schwer, seine Idee einer Comic-Serie über Größen der Kirche in Deutschland auf den Weg zu bringen. Einst hatte er in Lourdes in einem Bücherladen zahlreiche französische Comics über Heilige entdeckt. Er war begeistert von dieser modernen Form der Glaubensvermittlung und wollte die ursprünglich französisch-sprachigen Bände ins Deutsche übersetzen und herausgeben. Im Sommer 2012 erklärte sich schließlich der konfessionelle Schweizer Verlag "Canisi-Edition" bereit, die bunten Werke unterschiedlicher Künstler auch hierzulande auf den Markt zu bringen.

Die nun auf Deutsch erschienenen Comics über Jesus von Nazareth, Johannes Paul II. und Benedikt XVI., Don Bosco, Pater Pio, den Heiligen Benedikt, die Heilige Bernadette und weitere Persönlichkeiten sollen künftig nicht nur in Buchhandlungen und Klosterläden zu finden sein. Um auch Schulen zu erreichen, wurde die Comic-Reihe um kostenloses Unterrichtsmaterial für die Katechese ergänzt, teilt der Verlag mit. So dürfte bald im Religions- oder Kommunionsunterricht nicht nur die Bibel, sondern auch das eine oder andere bunt bebilderte Buch auf dem Tisch liegen, etwa jenes über Jesus Christus.

Das Kind mit dem "geheimnisvollen Blick"

In dem zweiteiligen Band zeigen die Künstler André Sève und Loӱes Pétillot das Leben des Gottessohnes. Im Vorwort betonen die Autoren die Treue zum Text der Bibel. Lange hätten sie über Details gegrübelt, etwa, wie sie Jesu Äußeres darstellen sollten. Letztendlich sieht er in ihrem Comic wenig anders aus als in klassischen Darstellungen der biblischen Geschichte. Jesus trägt meist ein weißes Gewand, hat einen hellen Teint, einen Bart und schwarze lange Haare. Schwierigkeiten hatten die Autoren offensichtlich mit der Nacherzählung des biblischen Stoffes der verschiedenen Evangelien. Anstatt eine Chronologie zu entwickeln, die auch Schulkinder gut nachvollziehen können, springen Sève und Pétillot in der Geschichte hin und her. Der Comic beginnt so mit Jesu Taufe durch Johannes. Anschließend erinnert sich Maria an seine Geburt und sein Aufwachsen, dann springt die Geschichte zurück in die Zeit nach Jesu Taufe.

Schon das macht den Comic an vielen Stellen schwer nachvollziehbar, hinzu kommt die konsequent benutzte biblische Sprache. Gerade junge Leser, an die sich die Bände ja ausdrücklich richten, werden schwer verstehen, dass der Engel Maria gegenüber eine unbefleckte Empfängnis ankündigt, wenn er sagt: "Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Macht des Allerhöchsten wird dich überschatten." Zudem haben sich die Künstler bemüht, die Lücke zwischen Jesu Kindheit und Erwachsenenalter zu füllen, auch wenn der biblische Stoff das nicht hergibt. Der aufwachsende Jesus wird als Kind mit "geheimnisvollem Blick" beschrieben, das gerne spielt und vor allem im Frühling gerne spaziert. Außerdem habe er "sehr geschickte Hände" und "schwatzt nicht viel".

"Machen Sie weiter so!"

Insgesamt sind die Zeichnungen der Comic-Reihe traditionell und klassisch, bunt zwar, aber im Stil doch wenig innovativ, wenn auch detailgetreu. Letzteres zeigt sich besonders in einem weiteren Comic der Reihe, der sich mit den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. beschäftigt. Dominique Bar und Guy Lehideux haben offenbar viel Zeit in die exakte Darstellung der Kirchenoberhäupter investiert. Der restliche Inhalt der Geschichte hat dafür leider zu viel von einem Werbekatalog für die Kirche. Beide Päpste werden als ausschließlich vorbildlich gezeigt, die ganze Welt scheint stillzustehen, als Johannes Paul am 2. April 2005 verstirbt. Die Medien feiern seinen Nachfolger frenetisch, kein Ton der Kritik ist hier zu erahnen, und das, obwohl Benedikt jenseits allen Jubels à la "Wir sind Papst!" auch in Deutschland ob seines Konservatismus gerade von Journalisten kritisch beäugt wurde und wird.

Doch wie auch immer der Leser die zwischen 15 und 20 Euro kostenden Comics beurteilt, einen Fan hat der Verlag "Canisi-Edition" mit seiner Reihe schon gewonnen: Den Papst selbst. "Machen Sie weiter so!", habe Benedikt XVI. die Serie gelobt, als der Verlag sie ihm jüngst vorstellte, teilt selbiger mit. Immerhin: Modernen Medien hat sich der katholische Verlag mit seinem Projekt zugewandt. Und das ist von jeher auch Anliegen dieses Papstes. (pro)

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