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Bibel-Klamauk: RTL II “zaubert” Wunder nach

Am vergangenen Montag machte sich der Sender RTL II daran, die Wunder der Bibel aufzudecken – und zwar mit Hilfe eines professionellen Zauberkünstlers. Höhepunkt der Sendung war seine "Auferstehung" aus einem Glassarg. Der christliche Zauberkünstler Mr. Joy hat sich die Sendung für pro angesehen und findet: Das größte Wunder der Bibel bleibt bei diesem TV-Klamauk auf der Strecke.

Von PRO

Foto: Kai Schulz / RTL II / Endemol

Wunder haben Menschen schon immer fasziniert. Trotz einer fortschreitenden wissenschaftlichen Rationalisierung hat das Allensbacher Institut über Umfragen eine seit dem Jahr 2000 wieder stark ansteigende Wundergläubigkeit festgestellt. 2006 glaubten 56 Prozent der Deutschen an Wunder. Die mediale Verwendung des Ausdrucks – zumeist um die Spektakularität einer Schlagzeile zu steigern – scheint teilweise schon inflationär. Neben vielen Mystery-Sendungen, die die augenscheinliche Sehnsucht und das Interesse am Transzendenten bedienen, tauchte nun auch die Sendung "Wunder der Bibel" bei RTL II auf.

Bibel soll Quote machen


Es sollten allerdings nicht die biblischen Berichte beleuchtet und vorgestellt werden. Ein Zauberer namens Florian Zimmer und der Privatsender wollten diesen Titel nutzen, um Zaubertricks zu präsentieren und Quote zu machen. Wer hätte schon eingeschaltet beim Titel "Tricks des Florian Zimmer" oder etwas gesteigert "Wunder des F. Z."? Der Protagonist galt in seinen Anfangsjahren durch eine gelungene kurze Zaubersequenz als Nachwuchstalent der Zauberer-Szene. Durch öffentlichen Trickverrat bei der "Bild"-Zeitung hat er sich später einige Anerkennung wieder verspielt. Sein persönliches Drängen in die Medien setzte sich nun mit dieser Sendung fort. Die resultierenden Diskussionen in den Fachforen zeigen: Die Szene ist komplett enttäuscht von der Qualität der Umsetzung. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen dem "Vorführen von Tricks" und Zauberkunst.

Aus theologischer Sicht mangelte es der Sendung ebenfalls an gründlicher und ernsthafter Recherche. Sie wirkte platt und schnell produziert – eben Trash-TV. Zum Teil wurden Bibelverse inkorrekt zitiert oder komplett aus dem Kontext gerissen, um sie irgendwie künstlich einem Trick anzupassen. So dient ein beliebiger Trick mit Tattoo-Karten zur Illustration des Schöpfungsverses "Das Wasser soll von Leben wimmeln und in der Luft sollen Vögel fliegen" (1. Mose 1,20). Der Bezug blieb unklar. Bestand die Verbindung zum Text vielleicht darin, dass auf zwei der Karten das Symbol eines Schmetterlings und eines Salamanders aufgedruckt war? Ein für die Sendung engagierter Pfarrer bestätigte unterstützend zwischendurch das Vorhandensein der Bibelstelle. Für einige Tricks wurde gar kein anpassbares biblisches Zitat gefunden. Als quasi-Höhepunkt der Sendung sollte der Protagonist drei Tage in einer Glasvitrine eingesperrt werden, um zum Schluss aus dieser zu entfliehen – die Auferstehung à la RTL II.

Keine neue Idee, nur schlechter umgesetzt


Die Grundidee der Sendung, Zauberkunst und biblische Wunder in einen Kontext zu stellen, ist übrigens nicht neu. Sie stammt aus der ausländischen Fernsehlandschaft und wurde beispielsweise im Discovery Channel sehr viel gründlicher angegangen. Das Zielspektrum der verschiedenen ausländischen Ausgaben reichte von reiner Unterhaltung bis hin zum Ziel, aufzuzeigen, dass Jesu Wunder mit Tricks erklärbar seien. Die Skepsis trieb etwa einen jungen, sehr kreativen Zauberkünstler namens Andre Kole bei der Untersuchung der Bibelstellen an. Er versuchte, einige Wunder mit modernen Mitteln nachzustellen und somit erklärbar zu machen. Er lief dann auch für eine damalige Sendung auf dem Wasser – tricktechnisch hochwertig und gut durchdacht. Die Recherchen ließen ihn nicht mehr los. Er kam nach vielfältigen Lösungsansätzen zu dem Schluss, dass das Original damals nicht über die heutige Technik verfügt hat, die er selbst brauchte, um lediglich Teilnachstellungen zu generieren. Nebenbei erwähnte er schmunzelnd, dass Jesus wohl auch kaum mit drei LKWs an Material für seine Wunder unterwegs war. Andre Kole wurde aufgrund dieser Variante der Beschäftigung mit der Bibel gläubig. Er begann für "Campus Crusade for Christ International" (in Deutschland: Campus für Christus) mit Hilfe seiner Illusionskunst Menschen von Gott zu erzählen.

In der Menschheitsgeschichte war Unerklärliches immer wieder auch Ansporn zur wissenschaftlichen Untersuchung. Dadurch wurde so manches "entzaubert". Die Wissenschaft bleibt aber immer auch begrenzt. Wunder als objektive Überschreitungen der Naturgesetzte entziehen sich automatisch der Determinierbarkeit. Die gesellschaftliche Hoffnung auf Wunder ist ungebrochen. Bereits im zweiten Kapitel des Buchs Markus wird von einem Gelähmten berichtet, der auf spektakuläre Art und Weise durch ein Dach hoffnungsvoll zu Jesus gebracht wird. Die Hauptsache für Jesus ist in der Folge allerdings die intakte Beziehung zu Gott. Jesus vergibt ihm seine Sünden. Zur Verifikation dieser Haupthandlung gegenüber den Kritikern heilt er ihn quasi "nebenbei". Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Das größte Wunder im Leben eines Menschen ist aus biblischer Perspektive eine lebendige Beziehung zum Schöpfer. Solche und weitere Aspekte wird man in der RTL2-Produktion allerdings vergeblich suchen. (pro)

Mr. Joy alias Karsten Strohhäcker ist gläubiger Christ und arbeitet seit über 15 Jahren als Zauberkünstler.

http://www.mrjoy.de/
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