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Bibel für die Massen: “Die Zehn Gebote” feiert Premiere

Rund 17.000 Besucher am ersten Wochenende, über 2.500 Sängerinnen und Sänger, 90 teilnehmende Chöre – schon die puren Zahlen deuten die Superlative an, mit der Dieter Falk und Michael Kunze das Pop-Oratorium "Die Zehn Gebote" in der Dortmunder Westfalenhalle inszeniert haben. Am Wochenende feierten Zuschauer und Macher die Premiere des Stücks – und zeigten, dass die Bibel noch immer Massen begeistern kann.

Von PRO

Foto: pro

An diesem Wochenende wurden in Dortmund Pastorenträume wahr. Bei der Vorpremiere des Pop-Oratoriums "Die Zehn Gebote" am Samstagabend erlebten Tausende die gesungene Geschichte von Moses. Auch die eigentliche Uraufführung am Sonntag ist seit Monaten ausverkauft. Knapp 17.000 Menschen zog das Musical-Spektakel von Dieter Falk und Michael Kunze am 16. und 17. Januar in die Westfallenhalle. Selbst zu Weihnachten dürfte es den meisten Kirchen schwer fallen, eine solche Menge Menschen zur Bibellese in den Gottesdienst locken zu können. Popmusik, prominente Darsteller und noch prominentere Komponisten machten es möglich: Das Chor-Projekt "Die Zehn Gebote" ist schon jetzt ein Riesenerfolg und wurde am Wochenende mit Standing Ovations vom Publikum gefeiert.

Einer spielte sie alle an die Wand

Dabei war der Hauptdarsteller des Abends nicht etwa Michael Eisenburger in der Rolle des Mose. Bahar Kizil alias Ziporah und bekannt durch die RTLII-Serie "Popstars" war wohl das berühmteste Gesicht auf der Musical-Bühne. Dennoch: Auch sie war nicht Mittelpunkt des Spektakels. Selbst Schauspieler Otto Sander, die Stimme Gottes im Stück, wurde von einem Darsteller gnadenlos an die Wand gespielt – dem über 2.500 Stimmen starken Chor. Nie zuvor hatte sich Produzent und ehemaliges "Popstars"-Jurymitglied Dieter Falk an ein solches Großprojekt gewagt. Schon im Vorfeld hatte er gegenüber pro erklärt, der Chor werde der eigentliche Hauptdarsteller der "Zehn Gebote" sein – und so kam es.

Ganz in weiß gekleidet dienten die Sängerinnen und Sänger dem Stück nicht nur als Chor, sondern auch als Kulisse. Im Halbrund bildeten sie den Bühnenhintergrund und machten sich zugleich als Anheizer nützlich – wenn 2.500 Menschen klatschen, ist die restliche Halle schnell angesteckt. Neben einer atemberaubenden Geräuschkulisse sorgte der Chor dafür, dass Szenen wie Moses Teilung des Schilfmeers oder das prunkvolle Ägypten lebendig wurden. Während der böse Pharao, grandios gespielt von Stefan Poslovski, auf der Bühne davon sang, wie schwer es ist, ein Gott zu sein, hielten die Sänger im Hintergrund goldene Folie in die Luft – und tauchten die Halle damit in den prunkvollen Glanz des reichen Ägyptens. Für die Teilung des Meeres wurde der Chor mit blauem, waberndem Licht angestrahlt.

Pharao in Schlaghose und Motto-Shirt

Auch wegen dieser Effekte fiel das restliche Bühnenbild eher karg aus. Sänger und Musiker bildeten die Kulisse, die Darsteller agierten im Vordergrund. Dabei bewegt sich das Stück zwischen moderner und klassischer Inszenierung. Der Pharao etwa trug Leopardenschlaghose und ein T-Shirt mit der Aufschrift "It’s hard to be a God" (Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein), entsprechend eines Liedtitels des Stücks. Moses Bruder Aaron kam im grauen Anzug daher und erscheint so als geschäftiger Vermittler, etwa bei den Streitigkeiten zwischen Mose und dem Pharao. Ziporah und Mose hingegen trugen klassische Kostüme. Diese Mischung wirkte etwas unausgegoren, zumal sich der Zuschauer durch die teilweise modernen Kostüme an manchen Stellen auch eine modernere Inszenierung wünschen mag, etwa beim Tanz um das goldene Kalb. Hier hätten sich die Macher mehr einfallen lassen können, als tatsächlich ein golden gefärbtes Tier auf die Bühne zu stellen, schließlich ist eine postmoderne Welt voll moderner Versuchungen.

Ansonsten gelang die Übertragung ins Heute besonders beim Abschlusslied "Die Zehn Gebote", das zugleich ein Verweis auf das Neue Testament ist. Während Mose je ein Gebot im ursprünglichen Wortlaut sang ("Du sollst die Ehe nicht brechen"), stimmte Aaron eine moderne Übertragung an ("Fremdgehen ist nicht erlaubt") und Ziporah ergänzte jedes Gebot durch die Weisung Jesu "Du sollst lieben!". Überhaupt zeichnet das komplette Stück das Bild eines liebenden Gottes, der seinem Volk immer wieder vergibt. Dabei hätte gerade die Geschichte der zehn Plagen auch leicht ein anderes Bild vermitteln können. Doch die Macher bedienten sich eines kleinen Tricks, um die brutalen Szenen des Alten Testaments sanfter wirken zu lassen. Michael Kunze verriet gegenüber pro, dass er und Falk bewusst Kinder als Erzähler der Geschichte ausgewählt hatten: "Kinder gehen mit solchen Storys lockerer um, das bringt auch mehr Heiterkeit beim Zuschauer rüber."  Yosefine Buohler und Dieter Falks Sohn Paul führten mit starken Singstimmen durch die Geschichte.

"Du sollst lieben!"

"Liebe ist das Gebot", ist nicht nur ein Liedtitel des Pop-Oratoriums, sondern auch die zentrale Botschaft Falks und Kunzes. Das kommt rüber, auch wenn gerade Bahar Kizils zwar schöne, aber doch etwas dünne Stimme, oft nicht gegen Chor und Orchester ankam, und deshalb viele Textpassagen schlecht zu verstehen waren. Auch die Akustik des Veranstaltungsortes machte es den Sängern nicht leicht. Die Westfalenhalle ist keine Konzerthalle – die Chorgesänge wurden allzu häufig vom Hall verschluckt und waren deshalb im Wortlaut kaum hörbar. Das machte es besonders jenen Zuschauern schwer, die die biblische Geschichte nicht kennen.

Trotz dieser Wermutstropfen ist das Pop-Oratorium ein Phänomen. Wenige hätten wohl im Vorfeld angenommen, dass eine alttestamentarische Geschichte die Massen so begeistern kann. Bereits während der Castings hatten sich so viele Sänger und Chöre zum Mitwirken beworben, dass Falk und Kunze das Stück zu einem Mega-Projekt werden ließen. Lange vor der Premiere waren die Karten für die Uraufführung vergriffen. Viele Christen und die EKD nutzten den Run auf die Zehn Gebote, um für den Glauben und Hilfsprojekte zu werben – bei der Vorpremiere etwa wartete das Bibelmobil der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vor der Westfalenhalle auf jene, die noch Fragen oder Interesse am Wort Gottes hatten.     

"Die Zehn Gebote": Kein Ende in Sicht

Schon jetzt steht fest: Es soll weiter gehen mit den "Zehn Geboten". Auf der Homepage des Pop-Oratoriums können sich Chöre und Sänger für Nachfolge-Aufführungen bewerben. Die Geschichte der Zehn Gebote endet also nicht, wie eigentlich geplant, im Januar. Sie wird weitergehen und Menschen erreichen, wie sie es seit Niederschrift des Alten Testaments tut. Vielleicht ist nicht zuletzt das ein Zeichen dafür, wie modern selbst uralte biblische Geschichten sein können. Oder wie Frank Logemann, Darsteller des Aaron, das Geheimnis der "Zehn Gebote" gegenüber pro erklärte: "Themen wie Moral, Neid, Liebe – die sind immer aktuell." (pro)

http://www.die10gebote.de/
https://www.pro-medienmagazin.de/332.html
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