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Bibel auf Niedersorbisch online

Sorbisch ist eine aussterbende Sprache in Deutschland. Doch in Schulen in Brandenburg und Sachsen wird sie noch unterrichtet. Ab jetzt kann man auch die Bibel online auf Niedersorbisch lesen.
Von Jörn Schumacher
Deutsch-Sorbisches Ortseingangsschild in Byhlen, Brandenburg

Foto: J.-H. Janßen

Deutsch-Sorbisches Ortseingangsschild in Byhlen, Brandenburg

Die Zweigstelle Cottbus des Sorbischen Instituts hat auf ihrem Internetportal dolnoserbski.de den Text einer niedersorbischen Bibel von 1868 veröffentlicht. Die bisher einzige Gesamtedition der Heiligen Schrift – des Alten und Neuen Testaments – in dieser Sprache ist somit anlässlich des 150. Jubiläums des Sprachdenkmals allgemein zugänglich, teilte das Institut mit.

In den Kreisen Bautzen und Görlitz gehören Ortsschilder auf Deutsch und Sorbisch zum Alltag. In Schulen und Geschäften oder auf der Straße im Städtedreieck Kamenz-Hoyerswerda-Bautzen hört man die Sprache nach wie vor ab und zu.

Wie das Cottbuser Institut mitteilte, liegt die digitale sorbische Edition der Bibel in originaler Orthografie sowie in heutiger Rechtschreibung vor. Auf der Webseite können die Nutzer bestimmte biblische Bücher, Kapitel und Bibelverse auswählen; auch eine Suchfunktion ist vorhanden. Das Sorbische Institut hatte im Jahr 2005 für sein digitales Textkorpus eine digitale Version der gedruckten Bibelausgabe angefertigt. Dabei halfen Freiwillige des Vereins zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche.

In Deutschland oft verboten

Die Sorbische Sprache gehört – mit Polnisch und Tschechisch – zur Gruppe der westslawischen Sprachen. Sie wird heute vor allem in der Lausitz gesprochen. Man unterscheidet die zwei Schriftsprachen Obersorbisch (vorwiegend in der Oberlausitz) und Niedersorbisch (Niederlausitz). Sorabistik, wie die Wissenschaft zur Erforschung der sorbischen Sprache genannt wird, ist als universitäre Disziplin nur an der Universität Leipzig beheimatet.

Sprecher des Sorbischen lassen sich bis auf das 6. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Sprache war im Laufe der Geschichte zu unterschiedlichen Zeiten in Deutschland verboten. Der Reformator Martin Luther soll sich beim Abendessen über die „Wenden“ – eine veraltete Bezeichnung für Slawen, besonders die Sorben – abfällig als „die schlechteste aller Nationen“ ausgelassen haben. Ironischerweise fiel Luthers Reformation gerade bei den Sorben auf fruchtbaren Boden, und auch seine Bibel war unter ihnen die am häufigsten verwendete Übersetzung.

Bei einer Volkszählung von 1900 gaben insgesamt 93.032 Einwohner des Deutschen Reiches „Wendisch“ als Muttersprache an. Heute leben noch rund 60.000 Sorben in Deutschland. An rund 25 Schulen wird Sorbisch unterrichtet, um einem möglichen Aussterben entgegenzuwirken.

Vor über 150 Jahren wanderten mehrere Hundert Sorben ins amerikanische Texas aus. Dort gründeten sie den Ort „Serbin“ nahe Austin. Die heutigen Nachfahren der sorbischen Auswanderer feiern einmal im Jahr ein „Wendish Fest“.

Das Sorbische Institut (Serbski institut) in Bautzen erforscht die Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben. Es geht auf die Gründung des Instituts für sorbische Volksforschung im Jahr 1951 zurück, das damals zur Deutschen Akademie der Wissenschaften der DDR gehörte.

Von: Jörn Schumacher

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