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“Bewusstsein fehlt, dass Kinder Glück ins Haus bringen”

Angesichts neuer alarmierender Daten zur Geburtenflaute in Deutschland hat der Kinderschutzbund scharf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kritisiert. Einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsschutz zufolge gilt Kinderkriegen in Deutschland noch immer als unattraktiv.
Von PRO

Foto: Zé Pinho (CC BY-NC-SA 2.0)

"Wir haben große Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und es fehlt leider auch das Bewusstsein und die feste Überzeugung, dass Kinder wirkliches Glück ins Haus bringen", sagte der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). "Junge, intelligente Frauen entscheiden sich nicht wegen des Elterngeldes oder 150 Euro Betreuungsgeld für Kinder." Eltern wollten keine "Massen-Kindertagesstätten, sondern qualitativ hochwertige Angebote", dies gelte gerade für die Höherqualifizierten.

Einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge ist Kinderkriegen in Deutschland noch immer unattraktiv. Den Hauptgrund sieht die Studie im Konflikt von Beruf und Familie. Hinzu komme die fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter, gepaart mit gestiegenen Anforderungen und Erwartungen.

"Vorbilder machen Mut"

Die CSU-Familienexpertin Dorothee Bär sagte, in Deutschland seien Kinder häufig ein lange geplantes Megaprojekt, während sie zum Beispiel in Frankreich ganz selbstverständlich zum Leben dazugehörten. "Sie werden nicht minuziös zu einer bestimmten Lebensphase geplant, sondern sind zu jeder Zeit willkommen", sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dass Paare sich gegen Kinder entscheiden, weil sie den Erwartungsdruck der Gesellschaft fürchten, nannte Bär "eine ungute Entwicklung". "Was jungen Paaren und Eltern Mut macht, sind Vorbilder aus allen Bereichen, die ihnen die Lust aufs Kind vorleben", sagte sie.

Vorbilder könnte tatsächlich die Familienpolitik anderer Länder sein. Der "Karriere Spiegel" zitiert aus dem aktuellen Buch "Zwischen Karriere und Krabbelgruppe" von Peggy Wandel. Es enthält 20 Berichte, wie Mütter in ganz Europa Beruf und Familie vereinbaren und wie der Staat dabei hilft. In Finnland etwa erhalten die Eltern auf Wunsch eine umfangreiche Baby-Erstausstattung und Geld für einen garantierten Betreuungsplatz. Väter bekommen Sonderurlaub, Mütter erhalten neun Monate einen Großteil ihres Gehaltes.

In Deutschland jedoch gebe es Nachholbedarf, meint Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt gegenüber den Dortmunder "Ruhr Nachrichten", und nimmt die Politik in die Pflicht. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei "eines der zentralen Anliegen der deutschen Arbeitgeber". "Um Erziehenden dabei zu helfen, Familie und Beruf erfolgreich miteinander zu vereinbaren, muss der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur höchste Priorität erhalten." Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, könne allerdings nur gelingen, wenn alle gesellschaftlichen Akteure zusammenwirkten.

Viele Kinder rechnen mit eigener Familie

Einen optimistischen Ausblick bietet das LBS-Kinderbarometer. Demnach  wünschen sich 65 Prozent der befragten Kinder später eine eigene Familie mit Kindern. Noch unentschlossen zeigten sich 32 Prozent, gegen eigene Kinder sprachen sich 3 Prozent aus. Den Kindern schwebt außerdem eine gleiche Aufgabenteilung im Haushalt (83 Prozent) und eine gleichmäßig aufgeteilte Zeit mit den Kindern vor (90 Prozent).

Die Studie, die das Wohlbefinden von 10.000 Kindern zwischen 9 und 14 Jahren in ganz Deutschland untersucht, fragte auch nach Zukunftssorgen. Demnach ängstigt sich jedes dritte Kind vor Arbeitslosigkeit, Armut oder Obdachlosigkeit. Sorge um die eigene Familiengründung machen sich 12 Prozent: Sie haben etwa Bedenken, sich nicht genug zu kümmern, betrogen zu werden oder die Familie zu verlieren. (dpa/pro)

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