Besser mit Jesus

Zwei Menschen mit dem gleichen Namen können gerne verwechselt werden. Etwa, wenn ein Fahrradhändler auf seine vermeintlichen PRO-Texte angesprochen wird, und der Journalist auf eine mögliche Grufti-Vergangenheit. Ein Treffen zweier Namensvetter.
Von Jonathan Steinert
Jonathan Steinert, JC Bikes

Sie haben ja eine interessante Biografie mit Ihrer Grufti-Vergangenheit“, sagte einmal jemand zu mir. Ich wäre irritiert gewesen, wenn ich nicht aus Eitelkeit schon einmal meinen Namen gegoogelt hätte – gespannt darauf, was das Internet von mir zu berichten wüsste. Und in der Tat gab es da eine spannende Geschichte. Jonathan Steinert erzählte in einem Video davon, wie er in der Grufti-Szene aktiv war, sich dann zu Jesus bekehrte und nun anderen von seinem Glauben erzählte.

Auch wenn man mit etwas gutem Willen eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit zwischen dem Typen in dem Video und mir sehen konnte – mit solchen Lebensveränderungen kann meine Biografie nicht aufwarten. Also musste es noch einen anderen Menschen geben, der den gleichen Namen hat wie ich. Und offenbar sind auch andere, die meinen Namen googelten, auf diesen Lebensbericht gestoßen und hielten es für meinen.

Jonathan Steinert erhielt einmal einen Anruf, ein Bekannter wollte mit ihm über seinen Text in der PRO sprechen. Er, der von keinem Text noch Magazin wusste, ahnte ebenfalls, dass sein Name mehrmals im Umlauf war. Beim „Kongress christlicher Führungskräfte“ kommt er zum PRO-Messestand und fragt mich: „Bist du Jonathan Steinert? Ich bin auch einer.“ Klar ist: Wir wollen mehr voneinander wissen. Also besuche ich ihn in seinem Fahrradladen „JC Bikes“ in Welzheim.

Das Unternehmen ist seine Kirche

Montags ist hier geschlossen, da ist Zeit für ein längeres Gespräch. Als ich die Tür zu seinem Zweirad-Laden öffne, fällt mein Blick zuerst auf einen Audi R8, einen Sportwagen mit hunderten Pferdestärken. Nicht das, was ich hier erwartet hätte. Aber wie fast alles, was außer E-Bikes, Gravelbikes, Kettcars, Kinderfahrrädern und anderen Gefährten und Zubehör in Jonathans Geschäft steht, hat auch dieses Auto eine Geschichte. Eine, die mit Wagnis und Gottvertrauen zu tun hat. In dem Fall ist der Kauf dieses Autos zu einer Wertanlage geworden, für die sich Jonathan von Gott bestätigt fühlte. Und außerdem sei es eine Gnade, in so einem Auto fahren zu dürfen, schwärmt er. Für Fahrzeuge aller Art begeistert er sich schon, seit er Kind ist.

Jonathan Steinert Foto: PRO/Jonathan Steinert
Zwei mit demselben Namen, einer Fahrradhändler, der andere Journalist


Jonathan kann viele solcher Geschichten erzählen, wie er vor anstehenden Entscheidungen betete, oft kaum Möglichkeiten sah, neue Schritte zu gehen – und wie Gott auf wunderbare Weise Wege öffnete, sie bestätigte und ihn versorgte. Dass er überhaupt in diesen Räumen sein Geschäft haben kann, ist genau so eine Geschichte. Diese Immobilie, die zuvor ein Küchenstudio beherbergte, stand zum Verkauf. Ein anderer Interessent hatte den Kauf bereits zugesagt.

Innerhalb eines Tages muss Jonathan entscheiden, ob er sie haben möchte, obwohl er eigentlich nicht das nötige Geld dafür hatte. Doch dann spürt er den Heiligen Geist zu sich sprechen: „Siehst du es nicht, es ist alles vorbereitet.“ Er muss weinen, denn es ist die Antwort auf seine Gebet. Und er wagt den Kauf. Vier Jahre ist das jetzt her. Sein Unternehmen ist für ihn eine Kirche, es ist „Gottes Land“, wie er sagt. Hier kommt er auch mit Kunden und Kollegen ins Gespräch über seinen Glauben, über die Hoffnung, die im Leben trägt. Weil er es selbst erlebt.

Nicht zuletzt der Firmenname „JC Bikes“ bringt das zum Ausdruck – und dass der Laden so heißt, ist nicht zu übersehen. Jonathan trägt einen knallorangen Kapuzenpulli mit dem Logo breit auf der Brust, es gibt Werbe-Artikel wie Schlüsselanhänger oder Bierdeckel, diverse Flyer und Banner. Als ihn ein Kunde nach einer Jobrad-Beratung fragt, wofür „JC“ stehe, erklärt Jonathan: Das ist der, dem ich vertraue – Jesus Christus. Wobei es auch für „Jonathan und Christiane“, ihn und seine Frau, stehen könnte, aber das ist noch eine andere Geschichte. Bevor Jonathan hier als Zweiradmechanikermeister seinen Fahrradladen mit Reparaturwerkstatt eröffnete, hatte er sein Geschäft „Cars’n’Bikes“ an seinem Wohnort, wenige Minuten entfernt, das er immer noch betreibt.

Neues Leben, neuer Name

Am neuen Standort war er zunächst Lizenznehmer einer Franchise-Marke, was ihn wirtschaftlich aber sehr belastete. Er wusste, wenn die Insolvenz käme, wäre im schlimmsten Fall sein Besitz weg. Er bemühte sich intensiv darum, den Vertrag einvernehmlich zu beenden. Er betet: „Gott, in deinen Wegen ist Leben.“ Und tatsächlich gelingt es ihm, aus dem Franchise herauszukommen und sein Geschäft mit eigener Marke und Jesus im Namen fortführen. Wenige Wochen, nachdem er aus dem Lizenzvertrag ausgestiegen ist, sagt ihm seine Frau, dass sie mit dem dritten Kind schwanger ist. Dass Gott neues Leben schenkt, als Jonathan beruflich um die Existenz kämpft, ist für ihn ein Zeichen dafür, dass Gott auch zu seinem Unternehmen steht.

Auch Jonathans Name ist ein Zeugnis dafür, was Gott in seinem Leben getan hat. Nicht nur, dass „Jonathan“ aus dem Hebräischen kommt und soviel bedeutet wie „Geschenk Gottes“. Steinert heißt Jonathan noch nicht immer. Es ist der Geburtsname seiner Frau, den er zur Hochzeit angenommen hat. Als ein äußeres Zeichen dafür, dass er ein neuer, ein anderer Mensch ist, als er zuvor war. Aufgewachsen ist Jonathan in einer christlichen Familie, geprägt von einer Pfingstgemeinde. Als Jugendlicher merkt er, dass der Glaube nicht sein Ding ist. Er will nicht in den Gottesdienst gehen, wenn er weder Lust noch Interesse daran hat, will kein heuchlerisches Leben führen.

Eine Szene, die mich emotional runtergezogen hat

Er rebelliert, sucht sich selbst und Antworten auf seine Fragen. Über die Metal-Musik kommt er mit der Grufti-Szene in Kontakt und wird selbst zu einer „dunklen Person“. Im Kleiderschrank hat er bald nur noch schwarze Sachen, sein Haar lässt er lang wachsen, er schminkt sich das Gesicht hell, die Augen dunkel. An den Wochenenden ist er in Szene-Clubs unterwegs, besucht Festivals wie das Wave Gothic Treffen in Leipzig. „Ich habe mich als anderer Mensch fühlen und annehmen können“, sagt er über diese Zeit. Zugleich bewegt er sich in einer Kultur, die sehr düster ist und auch ihn emotional runterzieht, wie er sagt.

Die Szene ist geprägt von verschiedenen Weltanschauungen, auch Atheismus und Okkultismus. Er selbst führt keine okkulten Praktiken durch, aber er erlebt, wie seine damalige Frau Tarotkarten legt und Tische schweben lässt. „Ich habe eine negative Energie gespürt, das will ich nie wieder erleben“, erzählt er. Wie genau sich das anfühlte, kann er nicht in Worte fassen. Er fragt sich mit Mitte 20, wozu es sich zu leben lohnt, überlegt, dass er sich auch ein Ende setzen könnte.

„Jesus scheint sich für mich zu interessieren. Hier bin ich mit leeren Taschen.“

Seine Ehe geht in die Brüche, er merkt, dass er die düstere Welt hinter sich lassen muss. Den Ausschlag dafür gibt ein Jugendgottesdienst, zu dem ihn ein Freund mitnimmt. Dort kommen drei Personen unabhängig voneinander auf ihn zu, weil sie einen geistlichen Eindruck für ihn hatten, erzählt Jonathan. Er schlussfolgert: „Jesus scheint sich für mich zu interessieren. Hier bin ich mit leeren Taschen.“ Später erfährt er, dass seine Mutter immer für ihn betete, dass er heil wieder nach Hause kommt, wenn er unterwegs ist. Sieben Jahre lang. Der Abschied aus der Szene ist ein Prozess. An die Stelle der dunklen Metal-Musik tritt der eher positiv gestimmte Trance und Techno. Die Kleidung wird wieder farbiger. Sein langes Haar ist eines der letzten Überbleibsel aus der Grufti-Zeit.

Bei einem freiwilligen Jahr beim sozialmissionarischen Verein „Stoffwechsel“ in Dresden schneidet er sie ab. Ein Büschel davon hat er bis heute noch als Erinnerung daheim. Wenig später lernt er bei einem Willow-Creek-Kongress seine heutige Frau kennen, die aus Sachsen kommt. Hätte er da noch seine Langhaar-Frisur gehabt, wäre wahrscheinlich nichts aus ihnen geworden. Doch es wurde was und sie sagte „natürlich“, als er sie bei einem weiteren Kongress auf der Bühne fragte, ob sie seine Frau werden wolle. Eigentlich hat er vor, in Dresden oder Berlin eine Gemeinde zu gründen. Doch sie landen gemeinsam in Jonathans Heimat. Für ihn ist klar: Wenn es schon räumlich ins alte Leben zurück geht, dann mit einem neuen Namen: Steinert. Und Joni, wie früher, will er auch nicht mehr genannt werden.

Neue Perspektiven

Mittlerweile war Jonathan an mehreren Gemeindegründungen beteiligt, hat bei der Freikirche ICF eine Pastorenausbildung gemacht. Auf der Rückseite seines Pullis steht „Du kannst“. „Das hat mir Jesus zugesprochen, das will ich weitergeben“, sagt er und sinniert: Wer hätte gedacht, dass er als Hauptschüler ein Unternehmen führen würde; dass er, der vor Angst fast starb, wenn er vor anderen reden musste, Menschen prägen und anleiten könnte? Vor Kurzen hat er angefangen, seine Erfahrungen mit Gott in Liedern zu verarbeiten. Künstliche Intelligenz hilft ihm dabei, die passende Musik zu seinen Texten zu kreieren. Er will andere ermutigen, dass sie etwas erreichen können – und dass es noch besser ist, wenn jemand dabei ist: Jesus Christus.

Modellflugzeug Foto: PRO/Jonathan Steinert
Ein Modellflugzeug in Jonathan Steinerts Fahrradladen erinnert ihn an seinen Traum


Am Ende des Gesprächs fällt mein Blick auf ein weiteres Verkehrsmittel, was in einem Fahrradladen fehl am Platz zu sein scheint: ein Flugzeug. Kein richtiges, nur das Modell einer Doppeldecker-Propeller-Maschine. Jonathan erzählt, wie er vom nahegelegenen Flugplatz aus eine Runde in einem Sportflugzeug mitfliegen durfte und wie er dabei Gottes Gegenwart spürte. Jetzt ist er dabei, selbst eine Privatpilotenlizenz zu erwerben. Eine Geschäftsidee hat er damit auch schon, aber die verrät er nicht.

Das Modellflugzeug erinnert ihn an seinen Traum. Und es ist auch auf dem Logo des Podcasts „Realize the dream“, den er starten will und für den er mich gleich auch noch interviewt. „Jesus will mir eine neue Perspektive für das Leben geben“, sagt er über die Erkenntnis, die ihm beim Fliegen bewusst wurde, und muss vor Ergriffenheit kurz blinzeln. Das hat er erlebt. Schweigen kann er davon nicht.

Der Artikel ist erstmals in der Ausgabe 1/2026 des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen. Das Heft können Sie hier kostenlos bestellen.

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