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Berufswunsch: Hartz IV

Spätestens 2020 erwartet Bernd Siggelkow einen sozialpolitischen Gau – wenn die Politik nichts dagegen unternimmt. Im Interview mit Eva Herman sprach der Gründer von "Die Arche e. V." über eine Politik der Vernachlässigung, finanzielle und emotionale Armut in Familien und die verheerenden Folgen für die Kinder. 
Von PRO

Foto: www.familyfair.de

Bernd Siggelkow ahnt Böses: Spätestens im Jahr 2020 erwartet uns ein sozialpolitischer Gau. Das schließt er aus seinen Erfahrungen im sozialen Kinder- und Jugendprojekt "Die Arche" in Berlin-Hellersdorf. Gegenüber Eva Herman sagte der Theologe in der Online-Talk-Show "Das Eva Prinzip", die der Internet-Sender "famliyfair.tv" zeigt, Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern hätten grundsätzlich schlechtere Startchancen. Zwar würde die Politik inzwischen einiges für bessere Bildung tun, dennoch sei es für viele Kinder, die jetzt etwa zwischen acht und neun Jahre alt sind, bereits zu spät. Auf die Frage, was sie denn mal werden wollten, hätte die Mehrheit aller Kinder in der "Arche Berlin" geantwortet: Hartz IV-Empfänger, gefolgt von "Arche"-Mitarbeiter oder Superstar. Wenn diese Kinder erwachsen werden und die soziale Ungerechtigkeit realisieren, befürchtet Siggelkow, dass sie rebellieren, Sozialneid entwickeln und möglicherweise kriminell werden. Kinder seien nicht von Grund auf schlecht, sondern vielfach perspektivlos und gelangweilt. In manchen Bundesländern würden bereits jetzt viele junge Erwachsene zur Wahl von Parteien tendieren, "die sehr extrem sind und mit Gewalt agieren".

Bildung als Luxusware?

"Dass Bildung teuer ist, merken besonders die, die wenig Geld zu Verfügung haben", so Siggelkow. Er kritisiert, dass Hartz IV nicht genügend Geld für Arbeitsmaterialien, Klassenfahrten oder Nahverkehrstickets bereitstelle. Auch kostenlose kulturelle Angebote für Kinder fordert der Theologe. Bildung sei abhängig vom Gehalt der Eltern. Die Folge daraus für Siggelkow: Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Auf Hermans Frage, was die Politik denn nun dagegen tun könnte, antwortet Siggelkow: "Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen. Nicht mehr Geld in Familien, sondern in Bildung investieren." Ein Problem sei, dass Kinder als Nicht-Wähler lange Zeit keine Lobby und damit keine Priorität hatten. "Wir leben in einem Land, das seine Kinder vergisst", so Siggelkow. Anders sei dies etwa bei den Rentnern, die einen wachsenden Teil der Wählerschaft ausmachen würden. Als Vorbild für eine Umstrukturierung im Bildungssektor könne Skandinavien dienen, da dort inzwischen Schulbildung und Schulessen komplett kostenlos seien.

Gefährliche Demografie

Kinder sind zudem ein "kleiner werdendes Problem", sagt Siggelkow und spricht damit den demografischen Wandel an. Besonders in sozial benachteiligten Familien würden aber weiterhin viele Kinder geboren werden. "Über 55 Prozent aller Kinder werden heute in der sozialen Unterschicht geboren", sagt der Vater von sechs Kindern. Der Grund sei, dass dort viele Eltern bereits jegliche Hoffnung verloren hätten und ein Kind ihnen scheinbar eine neue Perspektive gebe. "Kinder bereichern unser Leben und sind die Konsumenten und Arbeitnehmer von morgen. Was aber, wenn sie keine Arbeitnehmer werden und die Kaufhäuser leer klauen, weil wir uns nicht richtig um sie gekümmert haben?"

Einen weiteren gefährlichen Wandel bemerkt Siggelkow in der Cliquenstruktur: Wenn sich früher Gleichaltrige gruppierten, bestehe heute eine Clique aus 12- bis 22-Jährigen. Der Einstieg in exzessiven Alkoholkonsum und sexuelle Experimente, wie "Gang Bangs oder Sex-Orgien" geschähe so leichter. Das kommt, laut Siggelkow, aber auch in Teilen der Wohlstandsgesellschaft vor und kann ebenso Folge emotionaler Armut sein, nicht nur finanzieller. "Kinder wünschen sich nicht die nächste Playstation, sondern Zeit mit ihren Eltern", sagt der Autor von Büchern wie "Deutschlands vergessene Kinder" oder "Deutschlands große Chance".

Eva Herman interviewte Siggelkow in ihrer Talk-Show "Das Eva Prinzip", die das Online-Portal "familyfair" mit seinem Internet-Sender "familyfair.tv" ausstrahlt. "familyfair" ist eine Initiative von Familie Direkt, einem gemeinnützigen Verein, der nach eigenen Angaben eine neue Wertschätzung der Familie in Kultur, Politik und Gesellschaft fördern will.

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