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Berlin: Mehr judenfeindliche Übergriffe erfasst

In Berlin wurden 2018 mehr antisemistische Übergriffe erfasst als im Vorjahr. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht hervor. Experten warnen: Die Hemmschwelle für judenfeindliche Taten und Beleidigungen sinkt.
Von Anna Lutz
Juden in Berlin sind zunehmend mit antisemitischen Angriffen und Beleidigungen konfrontiert
Juden in Berlin sind zunehmend mit antisemitischen Angriffen und Beleidigungen konfrontiert

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) hat für das vergangene Jahr 1.083 antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt erfasst. Das sind 132 mehr als im Vorjahr. Stark erhöht hat sich die Zahl der Angriffe laut einem aktuellen Bericht der Stelle von 18 auf 46 und die Zahl der Bedrohungen von 23 von auf ebenfalls 46. RIAS verzeichnete außerdem 43 gezielte Sachbeschädigungen und 831 Fälle verletzenden Verhaltens. Insgesamt waren 368 Personen unmittelbar Opfer antisemitischer Vorfälle, 187 von ihnen wurden als Jüdinnen oder Juden adressiert.

Rund jede fünfte Tat geht auf einen rechtsextremen Hintergrund zurück, gefolgt von israelfeindlichem Aktivismus in jedem zehnten Fall. Dem islamistischen Spektrum ordnet RIAS 19 Vorfälle zu, das macht zwei Prozent aus. Insgesamt ist allerdings nur in der Hälfte aller Fälle überhaupt ein politischer Hintergrund identifizierbar gewesen. In mehr als der Hälfte der registrierten Taten wurden Stereotype aus der Nazi-Zeit zur Verunglimpfung verwendet. Laut RIAS ist dies immer noch die am weitesten verbreitete Form antisemitischer Äußerungen. In jedem zweiten Vorfall kamen Motive des israelbezogenen Antisemitismus vor.

„Verpiss Dich, Du Judenschlampe!“

RIAS warnt aufgrund seiner Erhebung vor einer „Zunahme verrohter Ausdrucksformen des Antisemitismus in Berlin“. Erkennbar sei außerdem, dass die Hemmschwelle für antisemitische Übergriffe sinke. So dokumentiert der Bericht 2018 etwa, wie im Januar zwei Männer in einer U-Bahn im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg „Israel muss brennen“ riefen und gegen Wände und Fensterscheiben schlugen, Glasflaschen zerbrachen und so Mitfahrende mit Splittern trafen. In Neukölln wurde eine Jüdin aufgrund ihres Davidstern-Schlüsselanhängers aus einem Geschäft geworfen. Als der Verkäufer den Anhänger sah, rief er: „Verpiss Dich, Du Judenschlampe!“ und bewarf die Frau mit Kronkorken und Müll.

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus arbeitet seit Januar 2015 innerhalb des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin. RIAS gibt es auch in Bayern. Die Stelle hat ein eigenes Meldesystem für antisemitische Vorfälle und ordnet sie anhand bestimmter Kriterien politischer Richtungen zu. Als islamistisch werden etwa politische Auffassungen und Handlungen eingestuft, die auf die Errichtung einer allein islamisch legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung abzielen. Als rechtsextrem gelten Einstellungen und Verhaltensweisen, die auf der Ungleichwertigkeit von Menschen und zum Beispiel völkischem Gedankengut basieren. Zur Verifizierung halten die Mitarbeiter nach eigenen Angaben Rücksprache mit den Betroffenen.

Von: Anna Lutz

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