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Bericht über Pastor: Süddeutsche Zeitung verschweigt entscheidende Fakten

Hat US-Pastor Joel Osteen „Harvey“-Flutopfer aus seiner Kirche ausgesperrt? Die Süddeutsche Zeitung behauptet dies, lässt aber einen Großteil der Fakten weg. Eine Analyse von Moritz Breckner
Von PRO
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Joel Osteen und seine Kirche waren dieser Tage heftiger Kritik ausgesetzt. Von den Vorwürfen blieb zum Schluss nicht viel übrig.
Joel Osteen und seine Kirche waren dieser Tage heftiger Kritik ausgesetzt. Von den Vorwürfen blieb zum Schluss nicht viel übrig.

Joel Osteen ist Pastor von Amerikas größter Kirche, der Lakewood Church in Houston mit mehr als 40.000 Besuchern pro Woche. Unter Christen ist Osteen umstritten – zu seicht, zu oberflächlich, zu sehr auf Wohlstand und Wohlfühlen fixiert, lauten die nicht unberechtigten Vorwürfe. Doch darum geht es bei dieser Geschichte nicht.

Der Sachverhalt im Überblick: Osteens Kirche öffnete ihre Türen für Überflutungsopfer von Hurrikan „Harvey“ erst nach einem Online-Shitstorm. Ob die Online-Kritik einen Einfluss auf die Entscheidung und Zeitplanung der Kirche hatte, ist nicht bekannt. Seit Dienstag erhalten Flutopfer vielseitige Hilfe in der Gemeinde, die Kirche und Osteen nahmen mehrfach zu vielen Vorwürfen Stellung. Am Donnerstag veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Bericht, in dem die Kirche als hartherzige Organisation dargestellt wird, die schließlich nur aus Imagegründen ihre Türen geöffnet habe.

Im Detail klingt die Geschichte ganz anders, als sie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Nach den ersten Auswirkungen von Hurrikan „Harvey“ öffneten in der überfluteten Stadt Houston zahlreiche Notunterkünfte, Turnhallen, öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kirchen und Moscheen. Osteens Lakewood Church teilte in den Sozialen Medien mit, die Kirche sei wegen der Überflutungen schlecht zu erreichen, weswegen die Gottesdienste am Sonntag entfielen. Der nach eigenen Angaben „genderqueere“ Aktivist Charles Clymer initiierte daraufhin am Montag auf Twitter einen Shitstorm gegen die Kirche, weil diese nicht als Notunterkunft offen stehe, und sammelte vermeintliche Beweise, dass das Gebäude nicht vollkommen unzugänglich sei. Tatsächlich stehen Teile der Umgebung und des Eingangsbereiches nicht unter Wasser.

Foto: Charles Clymer, Twitter

Noch am gleichen Tag startete Lakewood eine Hilfsaktion gemeinsam mit der zu Billy Grahams Missionswerk gehörenden Organisation „Samaritan‘s Purse“. Am Dienstag gab die Kirche bekannt, eine Sammelstelle für Windeln und Babynahrung anzubieten. Ebenfalls am Dienstag teilte die Gemeinde mit, Leute, die eine Unterkunft suchen, aufzunehmen. Dem zollte auch Clymer auf Twitter Respekt:

Foto: Charles Clymer, Twitter

Clymer, der zuvor zahlreiche spöttische Tweets über Osteen und die Kirche verbreitet hatte, retweetete zudem diese Fotoserie mit Hilfsaktionen in der Lakewood Church:

Mittlerweile waren auch mehrere US-Medien auf die Kontroverse um die Kirche aufmerksam geworden. Schon am Montag griff die Online-Zeitung The Christian Post die Kritik an Osteen auf und berichtet, dass mehrere Mitarbeiter der Lakewood-Church selbst aus ihren überfluteten Häusern gerettet werden mussten.

Am Dienstag veröffentlichte CBN News Fotos der Lakewood-Kirche, die die Kirche selbst zur Verfügung gestellt hatte. Darauf ist zu sehen, dass zumindest Teile der Kirchengebäude unter Wasser stehen. Ein Sprecher der Kirche erklärte außerdem, warum die Kirche zunächst nicht als Notunterkunft geöffnet wurde. So habe es im Umkreis der Kirche mehrere große Notunterkünfte gegeben, die besser geeignet seien, da Lakewood weder über eine Küche, noch über Duschen verfüge. Es sei aber von Beginn an geplant gewesen, die Kirche zur Notunterkunft zu machen, sobald die dafür bereits ausgerüsteten Gebäude überfüllt seien. Man habe die Koordination mit der Stadt abwarten wollen.

Süddeutsche Zeitung bedient Vorurteile

Kirchenmitarbeiter, die selbst gerettet werden müssen. Gebäudeteile, die unter Wasser stehen. Eine nachvollziehbare Erklärung, warum die Kirche nicht von Beginn an als Notunterunft offen war. Es gab zudem frühzeitige vielseitige Hilfsprogramme der Kirche. Nichts davon erfahren die Leser der Süddeutschen Zeitung. Stattdessen heißt es in dem Artikel, der nicht als Meinungsstück gekennzeichnet ist: „Mit der Nächstenliebe war es bei Pfarrer Joel Osteen offenbar nicht so weit her.“

Die Süddeutsche Zeitung hält ihren Lesern Fakten vor, die seit Tagen im Internet nachzulesen sind. Die Vermutung drängt sich auf: Der Zeitung ging es weniger um fundierte Recherche, als um das Bedienen von Klischees und Vorurteilen. „Der Prediger selbst wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Villenviertel von Houston“, heißt es wenig subtil im Text, um Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen.

Auch Christen haben in den vergangenen Tagen Kritik an Osteen und seiner Kirche geübt. „Manche Christen hassen Joel Osteen mehr, als sie die Wahrheit lieben“, schrieb das Magazin Christianity Today, verteidigt Osteen im Shitstorm, und distanziert sich gleichzeitig von dessen Theologie.

Auch die Süddeutsche Zeitung sollte die Wahrheit lieben – und das nächste Mal vollständig recherchieren und berichten. (pro)

Von: mb

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