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Benedikts Streit um Co-Autorenschaft: Buch erscheint unverändert

Im Vatikan brodelt es. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. streitet eine Co-Autorenschaft bei einem Buch über den Zölibat ab. Er möchte seinen Namen aus dem Buch entfernen lassen. Ganz anders sieht dies der Hauptautor, Kardinal Robert Sarah. Dies meldet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters.
Von PRO
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Hat er wirklich nichts von der Veröffentlichung gewusst? Die Debatte um den emeritierten Papst Benedikt XVI. geht weiter.

Foto: Fabio Pozzebom/ABr - Agência Brasil, Wikipedia

Hat er wirklich nichts von der Veröffentlichung gewusst? Die Debatte um den emeritierten Papst Benedikt XVI. geht weiter.

Der ehemalige Papst Benedikt XVI. sorgt für Schlagzeilen. Am Mittwoch soll das Buch „Aus der Tiefe unserer Herzen“ erscheinen. Geschrieben hat es Kardinal Robert Sarah aus Guinea. Als Co-Autor steht dort auch Joseph Ratzinger. Der französische Figaro veröffentlichte erste Auszüge aus dem Werk. Darin stellt er sich gegen Franziskus’ Reformbemühungen zum Zölibat.

Am Dienstag meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass Ratzinger seinen Namen als Mitautor des Buches über die Frage des priesterlichen Zölibats entfernt haben will. Erzbischof Georg Gänswein habe Sarah im Auftrag Ratzingers gebeten, sich mit dem Verlag in Verbindung zu setzen, um die notwendigen Änderungen vorzunehmen.

„Nicht beeindrucken lassen von üblen Plädoyers und Theateraufführungen“

Gänswein stellt es öffentlich dar, dass Ratzinger nicht darüber aufgeklärt worden sei, dass sein Name auf dem Cover zu sehen sein werde. In den vorab veröffentlichten Zitaten äußert sich Ratzinger, er könne nicht dazu schweigen, dass sein Nachfolger plane, verheiratete Männer als Priester zuzulassen. Dort heißt es: „Es ist dringend notwendig, dass alle, Bischöfe, Priester und Laien, sich nicht beeindrucken lassen von üblen Plädoyers, Theateraufführungen, teuflischen Lügen und modischen Verirrungen, die den priesterlichen Zölibat entwerten wollen.“

Nur so könne laut Ratzinger und Sarah „dem Geist der Teilung, der Gleichgültigkeit und des Relativismus Einhalt geboten werden“, schreibt Spiegel Online. Papst Franziskus hatte auf der Amazonassynode im Oktober 2019 den Weg frei gemacht für eine Ausnahmeregelung. Sie soll es verheirateten, erprobten Männern in der Katholischen Kirche erlauben, Priesteraufgaben wahrzunehmen. In Kürze möchte der aktuelle Papst in einem postsynodalen Schreiben seine Sicht der Dinge darlegen.

Die Medien diskutieren gerade darüber, ob Benedikt tatsächlich nichts von der Publikation gewusst hatte. Der Herausgeber schreibt in dem Buch, dass Ratzinger und und Sarah als „enge Freunde“ zusammenarbeiten wollten und zwei Texte gemeinsam verfasst hätten. Sein formaler Rückzieher verschlimmere „das PR-Desaster“ eher.

Kardinal Sarah wies die Vorwürfe der Medien zurück, er habe den Namen Benedikt unbefugt benutzt. Über das soziale Netzwerk Twitter schrieb er: „Ich bestätige feierlich, dass Benedikt XVI. wusste, dass unser Projekt die Form eines Buches annehmen würde. Ich kann sagen, dass wir mehrere Texte ausgetauscht haben, um die Korrekturen festzulegen.“

Sarah: Schriftliches Einverständnis lag vor

Er legte auch detailliert Korrespondenz und Informationen zu Treffen mit Ratzinger dar. Am 12. Oktober habe dieser ihm ein langes Stück zum Zölibat zukommen lassen. Sarah habe vorgeschlagen, es in einem Buch zu veröffentlichen. Am 19. November habe er dem emeritierten Papst ein komplettes Manuskript des Buches zukommen lassen, einschließlich des Ratzinger-Textes sowie eigener Beiträge. Am 25. November habe dieser schriftlich sein Einverständnis zur Veröffentlichung seines Beitrags gegeben, „in der Form, die Sie angekündigt haben“, zitiert Sarah.

Anschuldigungen, er würde Benedikt manipulieren, seien „verachtenswert“, die Loyalität zu Franziskus „total“. Sarah veröffentlichte laut Reuters auch einen unterschriebenen Brief von Benedikt, in dem der ehemalige Papst in italienischer Sprache schrieb: „Meinerseits kann der Text in der von Ihnen vorgesehenen Form veröffentlicht werden.“

Buch erscheint mit Papstbild auf Cover

Viele Experten fürchten, dass es durch die Debatte zu einer Polarisierung zwischen Konservativen und Progressiven in der 1,3 Milliarden Mitglieder zählenden Kirche kommt. Ratzinger hat sich nach seinem Rücktritt 2013 immer wieder öffentlich geäußert. Damals hatte er betont, „verborgen vor der Welt“ zu leben. 2019 führte er in einem Aufsatz den Skandal um den sexuellen Missbrauch der Kirche auf die Auswirkungen der sexuellen Revolution in den 1960er Jahren zurück. Dafür erntete er heftige Kritik. Er versuche, die Schuld von der Kirche abzuwälzen.

Am Mittwoch ist das Buch in Frankreich ohne angeforderte Änderungen und mit dem Papstbild auf dem Cover erschienen. Italienische Medien berichteten, dass der französische Verlag Fayard erst bei der nächsten Ausgabe die Änderungen vornehmen werde. Auch der englische Verlag Ignatius Press will vorerst an dem Cover festhalten. Auf Englisch soll das Buch am 20. Februar erscheinen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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