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Bei Kaffee und Kuchen über den Tod reden

In Deutschland sind sie ein kleiner Trend: Cafés, in denen sich Menschen treffen, um über den Tod zu sprechen. Ein ehemaliger Pastor war beim ersten „Death Café“ in Hamburg dabei. Er hält es für eine sinnvolle Ergänzung zum Kirchenangebot.
Von PRO
Beim „Death Café“ unterhalten sich Menschen, die sich nicht persönlich kennen, über den Tod (Symbolbild)

Foto: Gemeinfrei

Beim „Death Café“ unterhalten sich Menschen, die sich nicht persönlich kennen, über den Tod (Symbolbild)

Die Menschen setzen sich zusammen, reichen einander Kaffee und Kuchen und unterhalten sich dann über den Tod. Das erste „Death Café“ organisierte der Schweizer Soziologe Bernard Crettaz im Jahr 2004. Seitdem gibt es weltweit über 1.000 dieser Angebote, die an keinen festen Platz gebunden sind und die Menschen dazu bringen wollen, sich mit ihrer Endlichkeit auf Erden auseinanderzusetzen. Ein Reiz dieses Formats ist, dass sich dabei fremde Menschen, die sich nicht persönlich kennen, über ein so intimes Thema wie den Tod unterhalten.

Auch in Hamburg gibt es jetzt ein erstes „Death Café“. Am 23. Februar fand die Gesprächsrunde dazu in der Modern Life School, einer Art Philosophie-Café, statt. Der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ungefähr 40 Menschen lauschten bei einem Getränk den geladenen Gästen. Die saßen nicht erhöht auf einem Podium, sondern einfach nur vorne bei den beiden Moderatorinnen Pia Schaf und Louise Brown. Der ehemalige Hauptpastor der St.-Petri-Kirche in Hamburg Christoph Störmer war einer der geladenen Experten neben einer Trauerbegleiterin und einem Verfasser von Nachrufen für die Zeitung Tagesspiegel.

„Tod in der Gesellschaft total verdrängt“

„Der Name Death Café ist vielleicht zuerst etwas befremdlich“, erzählt Störmer gegenüber pro. Er findet es aber gut, dass sich Menschen mit dem Tod auseinandersetzen. Auch, dass die Veranstaltung dialogisch angelegt ist und nicht auf Vorträge setzt, gefällt ihm. In seinen Augen ist das Thema Tod in der heutigen Gesellschaft „total verdrängt“. Da helfe es, wenn Menschen sich an einem Ort der Begegnung und der Kommunikation darüber austauschen.

Hamburg ist nicht der erste Ableger des „Death Café“ in Deutschland. Auch in Bonn oder Oldenburg gibt es solche Veranstaltungen. Im deutschsprachigen Raum nennen sie sich gelegentlich „Café Totentanz“ oder „Totentanz-Café“. Das Treffen im Hamburger Gängeviertel soll ungefähr alle acht bis zwölf Wochen abgehalten werden.

„Glauben kann trösten und Gewissheit geben“

„Ich glaube, dass es für Menschen sogar leichter ist, in solch ein Café zu gehen als in ein ähnliches Angebot einer Kirchengemeinde“, erklärt Störmer, der seit über einem Jahr im Ruhestand ist. Hier sei die Schwelle einfach niedriger. Den ehemaligen Pastor überraschte, aus welchen verschiedenen Gesellschaftsbereichen die Zuhörer und Diskutanten kamen. Es sei auch ein frommer Muslim da gewesen, christliche wie agnostische Menschen. Als er noch selbst ähnliche Veranstaltungen in seiner Gemeinde anbot, seien hauptsächlich Menschen mit einem ausgeprägten Glauben gekommen.

Störmer denkt, dass es Gläubigen nicht unbedingt einfacher falle, zu sterben: „Aber Glaube kann trösten und Gewissheit geben.“ Er persönlich glaubt, dass es sich leichter mit Gottvertrauen stirbt. Missverständlicher Glaube könne aber auch Schuldgefühle hervorrufen und Ängste befördern. Am Abend im „Death Café“ berichtete er vom plötzlichen Tod seines Bruders, der im Schnee verschüttet wurde. Bei den Trauergesprächen in seinem Beruf habe Störmer die Erinnerung an seinen Bruder letztlich als tröstlich empfunden. (pro)

Von: mm

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