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Bedford-Strohm: „Man kann Menschen nicht einfach ertrinken lassen“

Inwieweit Seenotrettung eine „Christenpflicht“ ist, erklärt der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, im Interview mit der FAZ. Er spricht sich für eine großzügigere Aufnahme der im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge aus.
Von PRO
Die Festnahme der Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ nannte Heinrich Bedford-Strohm „eine Schande für Europa“

Foto: pro/Norbert Schäfer

Die Festnahme der Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ nannte Heinrich Bedford-Strohm „eine Schande für Europa“

Die Berichterstattung über die Rettung zahlreicher Migranten, die sich auf dem Seeweg Richtung Europa in Gefahr bringen, beherrscht derzeit die Medien. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, setzt sich für „eine zukunftsfähige Migrationspolitik“ und einen großzügigen und gemeinsamen Verteilmechanismus der EU-Staaten ein. Diese müssten als „Koalition der Willigen“ handeln. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) betont er, dass Menschen in Lebensgefahr gerettet werden müssen. Auf die Frage, wo eine „Christenpflicht bei der Seenotrettung im Mittelmeer“ beginne und ende, sagt Bedford-Strohm: „Man muss retten, wenn Menschen in Lebensgefahr sind. Man würde ja auch einen Autofahrer nicht verbluten lassen, der sich aus Leichtsinn nicht angeschnallt hat und an den Baum gefahren ist.“

Die Rettung entbinde aber nicht von der Pflicht, darüber nachzudenken, „wie man verhindern kann, dass Menschen auf die falschen Versprechungen der Schlepper hereinfallen. Deshalb müssen wir darüber aufklären und vor allem die Bedingungen in den Herkunftsländern verbessern“.

Nicht aus Furcht vor Populisten Menschenwürde über den Haufen werfen

Die geretteten Migranten sollten anschließend ein normales Asylverfahren durchlaufen. Es passiert jedoch mitunter, dass Personen ohne Anspruch auf Asyl und aus Ländern, die bei der Rückführung nicht kooperieren, in Europa bleiben. Danach gefragt, ob der Ratsvorsitzende ein politisches Problem erkennt, erwidert er, dass man über die „Steuerungswirkung nachdenken“ müsse. „Aber man kann nicht, bis ein Ergebnis gefunden ist, Menschen einfach ertrinken lassen.“

Für einen erneuten Anstieg der Asylbewerberzahlen gebe es keine politische Mehrheit, sagt FAZ-Redakteur Reinhard Bingener im Gespräch. Bedford-Strohm erwidert: „Aus Furcht vor den Rechtspopulisten können wir nicht die Grundlagen der EU wie die Menschenwürde über den Haufen werfen. Wir müssen da gegenhalten!“

Festnahme der Kapitänin Rackete: „Schande für Europa“

In einer Resolution forderte der Kirchentag, dass die EKD ein eigenes Rettungsschiff entsenden solle. Das hält Bedford-Strohm nicht für sinnvoll. „Die Kirche ist weder eine Reederei noch eine Rettungs-NGO“, sagt er im FAZ-Interview. Derzeit arbeite die Kirche ein Konzept aus, über das sie im September entscheiden wolle. „Die Kirchen sollten dabei vertreten sein, um Hürden für die Kriminalisierung zu erhöhen.“ Die EKD gebe jährlich 100.000 Euro für das Aufklärungsflugzeug „Moonbird“ der Organisation Sea-Watch. Dies sei historisch gewachsen.

Die Festnahme der deutschen Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“, Carola Rackete, nannte der Geistliche Ende Juni „eine Schande für Europa“. Ihn mache traurig und zornig, wenn eine junge Frau in einem europäischen Land verhaftet wird, „weil sie Menschenleben gerettet hat und die geretteten Menschen sicher an Land bringen will“.

Papst versus Salvini

Auch Papst Franziskus macht sich für fliehende Personen im Überlebenskampf stark. Er mahnte Unterstützung für Migranten und alle anderen ausgegrenzten Menschen an. Am Montag widmete er ihnen und ihren Helfern eine Messe im Petersdom. Migranten seien heutzutage „Symbol“ für alle, die von der globalisierten Gesellschaft ausgeschlossen würden. Franziskus sagte laut der Deutschen Presse-Agentur: „Die Letzten sind die, die den Wellen eines erbarmungslosen Meeres trotzen; die Letzten sind die, die zu lange in Auffanglagern gelassen werden.“

Unterdessen plant die Regierung in Rom, Flüchtlingsretter künftig drastisch zu bestrafen. Innenminister Matteo Salvini schnürt im Justiz- und Verfassungsausschuss derzeit ein Paragrafenpaket. Wie Spiegel Online berichtet, sollen für verbotswidriges Einfahren in italienische Gewässer Kapitän, Reeder und Besitzer des Schiffs Bußgelder von 10.000 bis 50.000 Euro bezahlen. Zudem soll es verdeckte Operationen gegen Flüchtlingsretter geben. Viele Italiener unterstützen diesen Kurs.

Von: Martina Blatt

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