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Bedford-Strohm: „Klare Kante“ gegen Rechtsaußen

In Magdeburg tagt derzeit die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. In seinem Bericht erteilte der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, völkischem Gedankengut eine Abfuhr.
Von PRO
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Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Archivbild) zeigte sich bei seiner Rede am Sonntag vor dem Kirchenparlament besorgt über das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen

Foto: pro/Norbert Schäfer

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Archivbild) zeigte sich bei seiner Rede am Sonntag vor dem Kirchenparlament besorgt über das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen

Vom 6. bis zum 9. November tagte in Magdeburg die 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In seinem Bericht vor dem evangelischen Kirchenparlament hat der EKD-Ratsvorsitzende, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Sonntag extremistischem Gedankengut eine Absage erteilt. Der EKD-Ratsvorsitzende äußerte sich in seiner Rede am Sonntag besorgt im Hinblick auf das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen in Europa und weltweit. Das politische Klima werde vergiftet, indem Gefühle der eigenen Größe gegen andere und allzu oft gerade gegen die Schwachen gerichtet würden. Für die Situation in Deutschland forderte der Ratsvorsitzende: „Wir müssen klare Kante zeigen gegenüber allen Versuchen, ‚völkisches‘ Gedankengut und rechtsextremistische Kampfrhetorik in unserem Land wieder salonfähig zu machen.“ Biblische Sensibilität gegenüber Schwachen und mit Blick auf das Aushalten von Differenzen und Vielfalt stehe in klarer Spannung zu heutigen Renationalisierungsphantasien, die an Homogenität orientiert seien.
Mit den rechtspopulistischen Phänomenen gehe ein Zusammenbruch des Wertesystems im Internet und speziell in den sozialen Netzwerken einher. „In den Hasswellen, wie wir sie gegenwärtig in den Kommentarspalten mancher Internetseiten erleben, findet eine Enthemmung ihren Ausdruck, die sicher auch damit zu tun hat, dass Menschen im Internet anonym bleiben und über ihre Worte keine Rechenschaft ablegen müssen“, erklärte Bedford-Strohm. Das Internet werde als Raum gesehen, in dem alles erlaubt sei. Nicht das Gespräch oder der Diskurs mit anderen werde gesucht, sondern eine militante Verstärkung der eigenen Vorurteile und des eigenen Hasses.
„Wer Hass gegen Menschen schürt, die ohnehin zu den Schwächsten gehören, der setzt sich in klaren Widerspruch zu den Grundorientierungen, für die unser Staat und unsere Gesellschaft stehen“, erklärte der Ratsvorsitzende. Wer Hass verbreite, könne sich nicht auf das Christentum berufen. „Denn wo Jesus Christus drauf steht, da muss auch Jesus Christus drin sein“, sagte er und verwies auf das Doppelgebot der Liebe, das die Liebe zu Gott untrennbar mit der Liebe zum Nächsten verbinde. „Gegen Hassparolen setzen wir Christinnen und Christen das, was Christus uns mit auf den Weg gegeben hat: ‚Selig sind die Sanftmütigen. Selig sind die Barmherzigen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit. Selig sind die Friedensstifter‘“, sagte Bedford-Strohm.

Eintreten für Religions- und Pressefreiheit

Der Ratsvorsitzende äußerte sich ebenfalls besorgt über den Wahlkampf in den USA. Der sei mit seinen frauenfeindlichen und diskriminierenden Tiefpunkten ein „Alptraum“ für die politische Kultur des Landes, dessen demokratische Tradition er eigentlich bewundere. Bedford-Strohm forderte in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament, leidenschaftlich einzutreten für das Recht eines jeden Menschen, gleichberechtigt seinen Glauben zu leben. Dies bedeute auch, „für eine diskursorientierte freie Presse einzutreten, anstatt all das als ‚Lügenpresse‘ zu diffamieren, was nicht die eigenen Positionen oder gar Vorurteile verbreitet.“
Kritik übte Bedford-Strohm an einer „Kultur der Gnadenlosigkeit“, die mit einer „Kultur der Selbstrechtfertigung“ korrespondiere. „Wir wagen es nicht mehr, von ‚Sünde‘ zu sprechen, weil so viel Ballast mit diesem Wort verbunden ist“, sagte er. In Wirklichkeit sei die Sünde eine Beziehungsstörung. Eine Störung der Beziehung zu Gott, zum Mitmenschen und zu einem selbst. Daraus befreie die Erfahrung der Rechtfertigung durch Christus allein aus Glauben. „Und diese Erfahrung der Befreiung – das ist das Entscheidende – lebt nicht aus der Selbstrechtfertigung, sie lebt nicht daraus, dass wir uns einreden, gute Menschen zu sein“, sagte Bedford-Strohm. „Das ist tatsächlich eine Riesenbefreiung und die stärkste und nachhaltigste Basis, die ein Leben haben kann. Heute ganz genauso wie zur Zeit der Reformation.“
Das Kirchenparlament will sich auf seiner Versammlung auch noch mit der umstrittenen Frage befassen, ob Juden zum christlichen Glauben missioniert werden sollen. Diesjähriges Schwerpunktthema der Synode ist Europa und wie ein Leben in Solidarität gelingen kann. (pro)EKD-Synode berät zur Juden-Mission (pro)

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