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Bahr: „Manchmal bleibt nichts als beten“

Rebellen haben in Syrien die historisch bedeutende christliche Kleinstadt Maalula eingenommen. Zugleich werden Forderungen immer lauter, auf muslimische Machthaber einzuwirken.

Von PRO

Foto: EKD

Die Freie Syrische Armee (FSA) meldete, dass die Kämpfer den Ort Maalula später wieder verlassen hätten, um Vergeltungsangriffe der Regierungstruppen zu verhindern. Der Ort ist für seine Kirchen und Klöster berühmt und dafür, dass einige Bewohner einen Dialekt des Aramäischen sprechen, der sonst nirgends mehr zu finden ist, schreibt die Nachrichtenagentur dpa.

Bischöfe warnen vor Intervention

In der derzeitigen Situation in Syrien spielten vor allem Christen und die Kirche eine wichtige Rolle. Dies betont die Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr. Sie fordert in einem Beitrag der Zeit-Beilage Christ und Welt nicht nur, dass sich Christen in die Diskussion einbringen, sondern auch „dass sie mit einer Stimme sprechen sollen – über nationale Grenzen hinweg“.

Die Zeit, in der lutherische Geistliche Waffen segneten oder mit patriotischen Liedern in den Krieg zogen, seien vorbei und der Militarismus entschiedenem Protestantismus gewichen. Bereits kurz nach den Giftgasangriffen in Syrien hätten evangelische Bischöfe vor einer militärischen Intervention gewarnt. Solche Einsätze bedürften einer Legitimation, einem verantwortbaren und klaren Ziel, der Aussicht auf Erfolg und der Wahrung der Verhältnismäßigkeit. Keiner wisse, ob nach einem gestürzten Schurken ein noch schlimmerer Schurke an die Macht komme. Zurzeit, meint Bahr, könne jede noch so gut gemeinte und präzise geplante Aktion einen Flächenbrand entzünden.

Christen dürften sich dabei nicht hinter den Vetomächten verstecken. Auch die syrischen Christen hätten dringend gebeten, auf „eine militärische Aktion zu verzichten“, weil sie dann zwischen die konfessionellen Fronten gerieten. Positiv bewertet Bahr die „Parlamentarisierung der Entscheidung“ über einen möglichen Militärschlag: „Es öffnet sich ein Raum des Nachdenkens und Zögerns, in dem die Kirchen mehr tun könnten, als mit sicherheitspolitischen Experten nach Auswegen zu suchen.“

Es bleibt nichts als beten

Die Kirchen müssten den Raum nutzen, um „geistliche Kontaktgruppen aufzubauen“. Bahr schlägt eine überkonfessionelle Reise katholischer, protestantischer und orthodoxer Würdenträger nach Russland vor, um dort mäßigend auf die Machthaber einzuwirken. Kirche sei unglaubwürdig, wenn sie sich in „tausenderlei Rücksichtnahme verkapselt, um die Politik genau dafür zu verdammen“. Ein europäisches Bündnis der Religionsgemeinschaften könne dafür sorgen, dass die „religiöse Aufladung des Konflikts dem Geist aller Religion widerspricht.

Mit der Aufnahme von Flüchtlingen könnten die Kirchen beweisen, dass sie bereit für Integrationsanstrengungen seien und ihre Räume für Fremde öffnen wollen. In der Kirche könne und dürfe Platz sein für Ratlosigkeit, in der Theologie könne ausgesprochen werden, „dass Unterlassen Menschen unwiederbringlich in Schuld verstrickt“. Die Kirchen seien der Ort, „an dem Menschen aushalten können, dass manchmal nichts bleibt als beten.“ (pro)

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