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Badische Kirche will gemeinsame Gottesdienste mit Muslimen

Die Evangelische Kirche in Baden (EKiBa) hat ein Papier zum christlich-muslimischen Dialog herausgegeben. Darin spürt sie Gemeinsamkeiten und Unterschieden nach. Auch die Möglichkeit gemeinsamer Feiern wird ausgelotet. Als „Vermischung der Religionen“ sei das aber nicht zu verstehen.
Von PRO
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Die EKiBa strebt in Gottesdiensten die Begegnung mit Muslimen an – eine „Vermischung der Religionen" solle das allerdings nicht werden (Symbolbild)
Die EKiBa strebt in Gottesdiensten die Begegnung mit Muslimen an – eine „Vermischung der Religionen” solle das allerdings nicht werden (Symbolbild)

Die Evangelische Kirche in Baden (EKiBa) will den Dialog zwischen Christen und Muslimen fördern – und hat dazu nun eine Handreichung herausgegeben. Auf über 60 Seiten beschäftigt sich das Papier „Christen und Muslime“ unter anderem mit der Möglichkeit gemeinsamer Feiern. „Das Gesprächspapier orientiert sich am Gedanken einer christlich-muslimischen Weggemeinschaft und will Chancen und Grenzen des Dialogs aufzeigen“, heißt es in einer Stellungnahme der badischen Kirche.

Verschiedene Modelle für gemeinsame Feiern

Ein Schwerpunkt liegt auf gemeinsamen Gottesdiensten und religiösen Feiern. Da der evangelische Gottesdienst prinzipiell öffentlich sei, sei auch die Teilnahme von Muslimen zu erwarten und zu begrüßen. Konkret kennt die Handreichung dafür vier Modelle. Bei keinem davon solle es aber um eine „Vermischung der Religionen” gehen, sondern um ein „Sich-Begegnen in Achtung und Respekt voreinander“ sagte der Leiter des Zentrums für Kommunikation der badischen Kirche, Daniel Meier, gegenüber pro.

Bei der „liturgischen Gastfreundschaft“ lädt eine Gemeinde Muslime in ihren Gottesdienst ein, begrüßt sie und lässt sie zum Beispiel einen religiösen Text vorlesen. Das gleiche Modell gebe es auch umgekehrt, wenn Christen in eine Moschee eingeladen würden. Eine „multireligiöse Liturgie“ finde oft an „neutralen“ öffentlichen Orten statt, etwa bei einem Schulgottesdienst. Dabei werde die Liturgie von Geistlichen beider Religionen gemeinsam gestaltet, während „Elemente religiöser Kommunikation“, also etwa das Gebet, jede Religion für sich ausführe. Die jeweils andere Gruppe bleibe dann in „respektvoller Beobachtung“.

Das vierte Modell ähnele einer „säkularen Feier mit religiösen Elementen“. Dabei werde ein säkularer Anlass, etwa eine Staatstrauer, mit religiösen Elementen ausgestaltet, weil diese auf Grundfragen des Lebens Bezug nähmen. Direkte religiöse Kommunikation wie ein Segen sei jedoch ausgeschlossen.

„Interreligiöse Feier“ könnte zu Verwirrung führen

Kritisch werde in der theologischen Diskussion vor allem das dritte Modell, die „interreligiöse Feier“, gesehen. Dabei „vollziehen Angehörige unterschiedlicher Religionen die religiöse Kommunikation mit den gleichen Worten gemeinsam; Differenzen werden bewusst ausgeklammert.“ So könne der Eindruck einer „gemeinsamen Religion“ entstehen. Das wäre aber ein Missverständnis, betonte Meier. „Es ist überhaupt nicht daran gedacht, einen für alle gültigen Einheitsgottesdienst zu konstruieren; vielmehr geht es darum, einander Räume zu eröffnen, sein Eigenes auch in einem gottesdienstlichen Rahmen auszusprechen.“

Für die badische Landeskirche ist eine Veranstaltung nach jedem dieser Modelle „grundsätzlich denkbar“. Allerdings müssten einige Fragen im Vorfeld geklärt werden, zum Beispiel, wer für die Gestaltung zuständig sei oder wie damit umzugehen sei, dass sich verschiedene religiöse Praktiken, zum Beispiel das Gebet zum Dreieinigen Gott, für die jeweils andere Religion ausschließen.

Das Abendmahl werde bei den gemeinsamen Feiern übrigens nicht stattfinden. Denn hier liege eine Spannung vor. Als Sakrament sei es nach kirchlicher Lehre eigentlich getauften Christen vorbehalten; jedoch gelte der Ausschluss von einem gemeinsamen Essen in muslimischen Kulturen als Verletzung der Gastfreundschaft.

Mission wird nicht aufgegeben

Das Papier macht allerdings klar, die Bemühung um gemeinsame Feiern bedeute kein Aufgeben der Mission. Die Kirche Jesu Christi sei eine missionarische Kirche. „Wir haben durch Jesus Christus den Auftrag, unseren Glauben so zu bezeugen, dass auch andere in dieses Vertrauen auf Gott hinein finden können. Dies schließt auch ein aktives Einladen zum Glauben ein“, heißt es in der Handreichung.

Man werde also den christlichen Glauben weitergeben, dabei aber „nicht versuchen, Menschen zu überwältigen oder zu manipulieren“. Man verstehe Mission und Dialog nicht mehr als Gegensätze, „denn Christus selbst ist es, der seine Kirche in eine echte Begegnung mit Menschen anderer Religionen und Glaubensweisen führt“.

Überhaupt, betonte Meier, sei in dem gesamten Papier „vorausgesetzt, dass wir von den Grundlagen unseres christlichen Glaubens her offen und bereit für Dialog sind und sein dürfen“. Christlicher Glaube führe nicht „in die Selbstgenügsamkeit, sondern hinein in die Bereitschaft, von und mit Anderen bereichert, gestärkt und auch korrigiert zu werden“.

Im Übrigen schmälere der christlich-islamische Dialog nicht die besondere Beziehung des Christentums zum Judentum. Das Papier betone „sehr klar die unvergleichliche Besonderheit des Verhältnisses der Kirche zum Judentum”, sehe aber dennoch die „geradezu familiäre Bindung der drei Religionen zueinander”, so Meier.

Papier verschweigt theologische Unterschiede nicht

Das Papier stellt Gemeinsamkeiten zwischen christlicher und muslimischer Theologie heraus, doch verschweigt es auch die Unterschiede nicht. Es sieht sie etwa beim Offenbarungsbegriff beider Religionen. Im Islam werde der Koran selbst als Offenbarung Gottes verstanden, während im Christentum Jesus das Wort Gottes sei und die Bibel auf ihn verweise.

Bei der Person Jesus Christus sieht das Papier „auch deutliche Grenzen und Barrieren im Gesprächsfeld zwischen Christen und Muslimen“. Er werde im Koran zwar hoch geachtet, aber eben nicht als der Gekreuzigte, als der Auferstandene und als Sohn Gottes verstanden. Die Handreichung prognostiziert, hier werde „das Gespräch auf dem Wege in eine seiner spannendsten Phasen eintreten“.

Darin liegt für die badische Kirche aber kein Hinderungsgrund, die Wirksamkeit Gottes auch „über die Grenzen unserer heiligen Schriften hinaus“ zu sehen. Die Schrift lade dazu ein, „auch dem Anderen in seiner Andersheit Wahrheit zuzutrauen, ja zu gönnen”, sagte Meier.

Von: Martin Jockel

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