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Baden-Württemberg: Homophobie im Bildungsplan verankern

Die baden-württembergische SPD-Landtagsfraktion möchte das Thema Homophobie im Bildungsplan der Sekundarstufen verankern. Dies soll einen normalen Umgang mit homosexuellen Schülern und Lehrkräften ermöglichen. Die Partei setzt damit das um, was sie im Koalitionsvertrag angekündigt hat.
Von PRO

Foto: Foto: San San Diego Shooter (CC-BY-NC-ND)

Dies geht aus einem Positionspapier der SPD-Landtagsfraktion hervor, welches auch der pro-Redaktion vorliegt. Darin wird die Schule als ein Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung beschrieben. Sie müsse angstfreies Lernen und Arbeiten ermöglichen. Schulleiter hätten die Pflicht, gegen Diskriminierung und Mobbing aktiv vorzugehen. Weil gerade in der Schule homophobes Verhalten verstärkt zu finden sei, führe dies dazu, dass sich viele Jugendliche und Lehrer nicht outeten.

Aufklären und sensibilisieren

Das Positionspapier verweist auf wissenschaftliche Studien, nach denen homo-, bi- oder transsexuelle Jugendliche und Erwachsene bis zu 30 Prozent häufiger Opfer von Mobbing seien als andere Jugendliche und Erwachsene. Nicht selten habe dies psychische Erkrankungen und Suizidversuchen zur Folge. Daraus leitet die SPD-Fraktion einen dringenden Handlungsbedarf ab.

Mit der Aufnahme des Themenfeldes Homophobie in den Bildungsplan soll „eine Basis geschaffen werden für einen normalen Umgang mit homosexuellen Mitschülerinnen und Mitschülern sowie mit den Lehrkräften“. Aufklären und sensibilisieren sind weitere Ziele der SPD, um zu „gegenseitiger Wertschätzung und Achtung verschiedener Lebensentwürfe“ zu gelangen.

Konkrete Unterrichtsvorschläge

Das Papier enthält auch Vorschläge, wie dies praktisch im Unterricht umgesetzt werden kann. Bei der Sexualerziehung im Biologieunterricht dürften keine Unterschiede mehr zwischen Hetero-, Homo- und Bisexuellen gemacht werden. Der Gemeinschaftskundeunterricht könne sich mit Minderheiten in der Gesellschaft beschäftigen und die Matheaufgaben sollten die gesellschaftliche Realität widerspiegeln, in dem neben Mutter-Vater-Kind-Familien auch andere Lebensformen in den Textaufgaben auftauchten.

Der Deutschunterricht könnte insbesondere durch Texte in Lese- und Sprachbüchern „zu einer Sozialisation der Kinder und Jugendlichen beitragen, die hinsichtlich der freien Entfaltung ihrer Identität förderlich ist“. Die SPD wirbt dafür, sich vermehrt mit lesbischen und schwulen Autoren oder Prominenten zu befassen. Der Geschichtsunterricht könne Verfolgung und Deportation Homosexueller im Dritten Reich zum Thema machen, in den Sprachen sollten ebenso nicht nur Mutter-Vater-Kind-Familien, sondern auch andere Lebensformen thematisiert werden.

Klima der Akzeptanz

Um präventiv tätig zu sein, brauche es eine Kultur der Toleranz und der Akzeptanz sowie ein Umdenken der Lehrkräfte. Der SPD-Politiker Stefan Fulst-Blei, zugleich parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, sieht darin, „eine pädagogische Leitidee“. Martin Mendler, Pressesprecher und stellvertretender Fraktionsgeschäftsführer, betont jedoch gegenüber pro, dass das Papier in der Landtagsfraktion weder beraten noch beschlossen wurde.

„Wir haben die feste Zusage, dass das Thema an mehreren Stellen verankert wird“, verweist Fulst-Blei auf den aktuellen Sachstand. Geht es nach ihm, soll das Thema auch in der Lehrerbildung eingebracht werden. Nur bei entsprechender Weiterbildung des pädagogischen Personals könne eine Umsetzung im Sinne von „Vielfalt als wertvoller Bereicherung“ gelingen. (pro)

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