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Auswirkungen der 68er im Fraktionsforum diskutiert

"Wir wollen neben dem politischen Alltagsgeschäft nicht vergessen, dass es Themen gibt, die über den Tag hinaus Bedeutung haben“, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag Dr. Christean Wagner. Im Rahmen des 15. FraktionsForums war die Resonanz mit 400 Teilnehmern im Landtagsfoyer in Wiesbaden groß.
Von PRO

Zum Disput über Pro und Contra der Bewegung kamen mit dem Ko-Vorsitzende der Fraktion Grüne/Freie Europäische Allianz im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit, dem Chefredakteur der Zeitung “Die Welt”, Thomas Schmid und dem Abtprimas der Benediktinischen Konföderation, Dr. Notker Wolf, außergewöhnliche Zeitzeugen zu Wort. Moderiert wurde das Forum vom stellvertretenden Chefredakteur der Wirtschaftswoche Dr. Michael J. Inacker.

In seiner Begrüßung konstatierte Wagner, “dass die 68er die Gesellschaft unstreitig beeinflusst” hätte. Für die einen waren die “repressionsfreie Erziehung und der herrschaftsfreie Dialog” die wichtigsten Errungenschaften, für andere stünden die 68er für die “Schwächung des Wertebewusstseins, die destruktive Ablehnung alles Bestehenden und den geistigen Ausgangspunkt der menschenverachtenden Gewalt der RAF”. Bei vielen bleibe Verständnislosigkeit darüber zurück, wie man gegen die westdeutsche Demokratie demonstrieren und diese als faschistisch diffamieren konnte, auf der anderen Seite aber Mao-Bibeln vor sich hertrug und die USA mit SA und SS gleichsetzte, so Wagner. Das Gesamtsaldo der Veränderungen durch die 68er falle nicht positiv aus, bilanzierte Wagner.

Es sei “anmaßend” gewesen, das Wertesystem verändern zu wollen

Cohn-Bendit nannte die Zweifel an der demokratischen Gesellschaft in den USA nach der Ermordung Kennedys sowie den Vietnamkrieg als auslösenden Moment seiner Politisierung. Er sagte, dass er sich “gegen autoritäre und damit auch kommunistische Systeme immer engagiert habe”. Die 68er haben aus seiner Sicht “auf diese Gesellschaft reagiert, weil sie so war, wie sie war”. Gleichzeitig räumte er eine gewisse “Selbstüberschätzung” der Bewegung, aus der auch unsinnige Theorien entstanden seien, ein. Schmid bezeichnete dagegen die “Teilnahme an den Ausschwitz-Prozessen” sowie das “Schweigen im Elternhaus” über die nationalsozialistische Zeit als prägend. Selbstkritisch stellte er die Frage: “Wie konnten wir als halbwegs intelligente Menschen auf die Idee kommen, dieses System komplett abzuschaffen zugunsten eines sozialistischen Systems?” Es sei “anmaßend” gewesen, das Wertesystem verändern zu wollen, statt “an das liberale Denken anzuknüpfen”.

Letztendlich stehe die Gesellschaft deswegen auf gutem Boden, weil die “freiheitliche Verantwortung des Einzelnen aus der christlichen Tradition heraus entstanden sei”. In der Rückschau komme ihm die Zeit wie “ein Rätsel” vor. Wolf benannte den Widerspruch, dass die 68er auf der einen Seite gegen den Vietnamkrieg gewesen sind, aber gleichzeitig Ho-Chi-Minh unterstützten, in dem Wissen “was da lief”. Aufgrund der Unterdrückung, die er in studentischen Versammlungen erlebte habe, sei er lieber “ins Kloster zurückgekehrt”, fügte der Abtprimas mit einem Augenzwinkern hinzu. Trotzdem habe man die Verantwortung in der Gesellschaft die jungen Menschen und deren Ideen zu unterstützen. Inacker würdigte das Fraktionsforum als “wertvollen “Beitrag zur politischen Diskussionskultur in Hessen” verbunden mit der Hoffnung auf eine “Fortsetzung dieser offenen Art der Auseinandersetzung”. (PRO)

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