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Augenkontakt für Jugendliche weniger wichtig

Das Internet verändert die Kommunikationskultur der Gesellschaft. Durch die technischen Möglichkeiten kommunizieren Menschen häufiger miteinander als je zuvor. Dabei finden 46 Prozent der Jugendlichen, dass Augenkontakt nicht so wichtig ist. Das ergab eine Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach.
Von PRO

Foto: Institut für Demoskopie, Allensbach

Macht das Internet Kontakte anonymer und oberflächlicher? Welchen Einfluss hat die technikgestützte Kommunikation auf unsere Beziehungen und unsere Art, uns mit anderen auszutauschen? Diese Fragen hat das Institut für Demoskopie in Allensbach in seiner repräsentativen Studie "Gesprächskultur in Deutschland" untersucht.
 
Dabei stellte sich heraus, dass die modernen Kommunikationstechnologien in den vergangenen Jahren zu einer Auseinanderentwicklung der Kommunikationswelten der verschiedenen Generationen geführt haben. Durch Handy und Internet kommunizieren Menschen häufiger und kürzer miteinander. Jüngere kommunizieren wesentlich intensiver über das Internet, für sie hat diese Kommunikation auch eine andere Bedeutung. 71 Prozent der Unter-30-Jährigen chatten im Internet, 59 Prozent knüpfen auf diesem Weg Kontakte. Auf die Frage "Gibt es gute Gespräche nur von Angesicht zu Angesicht" antworteten 78 Prozent der Befragten, dass Augenkontakt zu einem guten Gespräch dazu gehöre. Rund die Hälfte der Jugendlichen ist dagegen der Ansicht, dass man sich über das Internet genauso gut unterhalten könne. Jeder dritte Jugendliche ist sogar froh, dass man im Internet den andern nicht sehen kann.
 
Welche große Rolle das Gespräch dennoch hat, zeigt sich darin, dass die Mehrheit der Bevölkerung  sich täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich intensiv mit anderen von Angesicht zu Angesicht unterhält. 77 Prozent der Befragten teilen private Dinge lieber im persönlichen Gespräch mit. Rund 60 Prozent finden, dass sich im persönlichen Gespräch am ehesten Nähe und Verbundenheit einstellen und man seinen Gesprächspartner auf diese Art besonders gut kennen lernt.
 
Gesprächsthema sind vor allem "Nahthemen": 73 Prozent aller Befragten unterhalten sich häufiger über Neuigkeiten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, 66 Prozent über Ereignisse des Alltags, 62 Prozent über die Familie, 58 Prozent über Beruf, Urlaub und Reisen. Auch Jugendliche verbinden mit dem persönlichen Gespräch eher die Chance zu sehr persönlicher vertrauensvoller Kommunikation, und werten Internetkommunikation eher als oberflächlich. Sie nutzen Handy und Internet als Ergänzung.

Jugendliche schreiben häufiger

Knapp die Hälfte der Unter-20-Jährigen und 40 Prozent der 20- bis 29-jährigen Internetnutzer sind Mitglied einer Community. Die meisten pflegen in Communities die Kontakte zu ihrem bestehenden Freundes- und Bekanntenkreis. Das Internet dient für Jüngere also eher als zusätzlicher Kanal, um Kontakte zu pflegen oder neu zu knüpfen. Die Hälfte der Unter-30-Jährigen hat über das Netz neue Kontakte geknüpft.
 
Jenseits der  Dreißig spielen Internetcommunities eher eine untergeordnete Rolle.  Soziale Vereinsamung durch Internetnutzung ergab die Allensbacher Studie nicht. Kommunikationsdefizite zeigen sich eher bei älteren Menschen und nicht berufstätigen Singles.
 
Interessanter Nebeneffekt: Das Internet hat zu einer Wiederbelebung der schriftlichen Kommunikation geführt. Zwar schreiben nur 11 Prozent der Unter-20-Jährigen gerne Briefe, 47 Prozent jedoch gerne E-Mails. Dadurch schreiben sie weitaus mehr Nachrichten an andere als die mittlere oder ältere Generation. Von den 60-Jährigen und Älteren schreiben nur 3 Prozent gerne E-Mails, aber auch nur 20 Prozent gerne Briefe.
 
Mediennutzung variiert nach Alter

Parallel zur Kommunikationskultur entwickeln sich offensichtlich auch die medialen Erfahrungswelten auseinander. Laut der Allensbacher Befragung verengt sich das Interessenspektrum der Unter-30-Jährigen. Politische und wirtschaftliche Themen, sowie solche, die mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun haben, auch Kunst, Kultur und Wissenschaft interessieren heute die jüngere Generation weniger als noch vor zehn Jahren. Dies prägt auch das Fernsehverhalten: junge Zuschauer meiden demnach Programme mit politischen und wirtschaftlichen Informationen.
 
Familien wichtiger Ort für Austausch von Informationen
 
Die Studie ergab auch, dass Kommunikation hauptsächlich innerhalb der eigenen Altersgruppe stattfindet, Gespräche, die in die Tiefe gehen, führen 85 Prozent der Unter-20-Jährigen in der eigenen Generation, nur 28 Prozent mit der Eltern-Generation. Umgekehrt führt die mittlere Generation zu 68 Prozent solche Gespräche  überwiegend mit Menschen der eigenen Altersgruppe.
 
Das Gespräch zwischen Jüngeren und Älteren findet vor allem in Familien statt. Dadurch leistet die Familie laut den Allensbacher Experten einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen den Generationen gesichert wird. (pro)

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