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Auch Jesus hatte viele Fragen

Auch Jesus Christus war einmal ein Kind. Vielleicht kein ganz gewöhnliches, aber doch eins, das viele Fragen an seine Umgebung hat. Das zeigt der sehr sehenswerte Film „Der junge Messias“, der am Donnerstag im Kino angelaufen ist. Eine Filmkritik von Jörn Schumacher
Von Jörn Schumacher
Der Kinofilm „Der junge Messias“ zeigt Jesus als Kind

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Der Kinofilm „Der junge Messias“ zeigt Jesus als Kind
Die Buchautorin Anne Rice hat früher gruselige Vampir-Bücher geschrieben und war damit sehr erfolgreich. Bekannt wurde vor allem ihre Vorlage für den Film „Interview mit einem Vampir“ mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Von der katholischen Kirche wendete sie sich ab, doch kehrte sie 2005 zurück, um wiederum 2010 bekanntzugeben, dass sie zwar weiterhin gläubige Christin sei, mit der Kirche aber nichts mehr zu tun haben wolle. Ihr Buch „Christ the Lord: Out of Egypt“ (2005) diente nun für den Regisseur Cyrus Nowrasteh als Vorlage für den Spielfilm „Der junge Messias“. Am Donnerstag startete der Streifen in einigen deutschen Kinos. Wir sehen Jesus in einer Straßenszene. Ein anderer Junge, der etwas böse dreinblickt, möchte den kleinen Jesus provozieren. Als Jesus nicht darauf reagiert, wendet sich der Junge ab. Doch niemand anderes als der Teufel selbst beobachtet das Geschehen und macht, dass der kleine Provokateur zu Boden fällt, und zwar so ungünstig, dass er stirbt. Alle schauen auf Jesus, denn es sah so aus, als habe dieser den Jungen geschubst und damit in den Tod gestoßen. Ein Aufruhr entsteht, Jesu Eltern Josef und Maria müssen ihren Sohn in Sicherheit bringen. Der Teufel wusste nur zu gut, dass er mit seinem unsichtbaren Eingreifen den jungen Messias in große Bedrängnis führen würde. Er wollte offenbar einfach nur wissen, wie dieser ungewöhnliche und friedfertige Junge Jesus reagiert, wenn er unschuldig für eine Straftat verantwortlich gemacht wird. Wir wissen, dass es später im Leben Jesu zu einer ähnlichen Situation kommen wird, die folgenschwer ist für die ganze Welt.

Auch biblische Figuren waren ganz normale Menschen

Diese und andere Begebenheiten aus dem Leben Jesu sind natürlich frei erfunden. Die Experten wissen nicht viel über die Kindheits- und Jugendzeit des Heilandes. Der Film schafft es aber immer wieder, dem Zuschauer sehr glaubwürdig vor Augen zu halten, wie Jesus als Kind gewesen sein könnte. Er ist dabei erfreulich unprätentiös und kommt fast ohne Kitsch aus. Erstaunlich einfühlsam porträtiert der Film die biblischen Figuren. Die Familienangehörigen Jesu, die im Laufe der Jahrhunderte immer mehr aus unserer Lebenswelt entrückt wurden, so dass sie einige Zentimeter über dem Boden zu schweben scheinen, holt Rice auf den Boden zurück, und zwar auf den Boden des damals von der römischen Militärdiktatur besetzten Palästina. Maria ist keine hell strahlende Heilige, sondern schlicht eine Mutter, die über das Auserwähltsein ihres Sohnes weiß, ihn deswegen aber nicht anders liebt als irgendeine andere Mutter ihren Sohn. Josef scheint schwer an der sich schon früh abzeichnenden großen Aufgabe seines Sohnes zu tragen, manchmal ist auch er eher nur noch, ganz menschlich, ratlos angesichts der Pläne, die Gott mit diesem Kind offenbar hat.

Wozu um Himmels Willen lebe ich?

Das Besondere am Teufel ist in „Der junge Messias“, dass er eine ebenfalls rätselnde Nebenfigur ist, die ihrerseits versucht herauszufinden, wer dieser Jesus ist. Und ob der ihm eventuell gefährlich werden könnte. Denn der Teufel kann – ganz biblisch – nicht in die Zukunft sehen. Er kann Menschen nur manipulieren, ihnen Lügen zuflüstern und hoffen, dass man auf seine Lügen hört. Der britische Schauspieler Rory Keenan kommt als schöner Mann mit blondierten Haaren und Kajal unter den Augen daher. Wirklich angsteinflößend ist er nicht. Doch biblisch nachvollziehbar ist seine Rolle, auf die er zur Zeit der Kindheit Jesu beschränkt ist: beobachten und herausfinden, wer Jesus ist. Der britische Schauspieler Sean Bean, den man als Boromir in Peter Jacksons Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ kennt, steht als römische Zenturio im Mittelpunkt, und er macht seine Sache sehr gut. Dem 110 Minuten langen „jungen Messias“ gelingt es, den Zuschauer auf fesselnde Art und Weise in die Zeit von Jesu Kindheit zu entführen, die keinesfalls nur rosig war, aber eben auch viele Freuden des normalen Lebens bereithält. Die lang ersehnte Antwort auf Jesu Frage ist dann die große Botschaft am Schluss des Films. Seine Eltern löchert er die ganze Zeit mit Fragen, ebenso seinen Onkel und dessen Sohn, schließlich macht er sich allein auf den Weg in den Jerusalemer Tempel, um einen weisen Rabbi zu fragen. Auch wenn sich Jesus ein wenig von anderen Menschenkindern unterscheidet, etwa weil er tote Lebewesen wieder zum Leben erwecken kann, so ist die große Frage, die ihn so sehr beschäftigt, im Kern dieselbe, die sich jeder Mensch stellt: Wozu lebe ich? Und die Antwort erstrahlt am Ende des Films in einer friedvollen, geradezu erlösenden Pracht ins Kino, und schon allein deswegen ist „Der junge Messias“ ein sehenswerter Film mit Botschaft. (pro)

„Der junge Messias“, 110 Minuten, Regie: Cyrus Nowrasteh, seit 12. Mai 2016 im Kino

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