Kommentar

(Auch) Christen bewegen was beim Thema Prostitutionsverbot

Eine ZDF-Satiresendung ergreift deutliche Position für ein Sexkaufverbot. Und auch in der Politik wird darüber diskutiert. Es bewegt sich was, auch dank Christen, die sich einbringen.
Von Anna Lutz
Prostitution ist in Deutschland: wie die Kirche damit umgehen soll, darüber hat sie jetzt ein Positionspapier erstellt

So deutlich wurde in einer deutschen TV-Sendung selten für ein Prostitutionsverbot geworben! Und dann auch noch in einer Satiresendung…

In der aktuellen Folge der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ arbeiten sich die Comedians Maike Kühl, Max Uthoff, Ana Lucia, Teresa Reichl und Matthias Renger am Thema Prostitution ab. 

Soweit nichts Neues, denn nicht nur die Öffentlich-rechtlichen beschäftigt das Rotlichtmilieu immer wieder. Klar: Sex sells, auch als Thema von Reportagen und Hintergrundstücken. Die meisten Sendungen zum Thema gehen nach dem bewährten journalistischen Prinzip vor: Alle Seiten hören. Da kommt dann in der Regel sowohl die ehemalige Armutsprostituierte zu Wort, die perverse Männerfantasien beklagt. Ein Experte zu Zwangsprostitution, vielleicht von der Diakonie. Und natürlich auch eine Vertreterin der Pro-Prostitutionslobby, etwa vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen oder dem „Prostituiertenprojekt Hydra“. Dann heißt es nicht mehr Prostitution, sondern Sexarbeit, und die im Metier Arbeitenden erklären die Vorzüge der Tätigkeit und wie selbstbestimmt sie sei. Das häufige Fazit: Es gibt finstere Ecken, aber wer das freiwillig macht, der sollte das doch auch dürfen.

Sex für zehn Euro: Ein Skandal

An Ausgewogenheit ist nun nichts Falsches, jede Stimme soll zu Wort kommen. Nur blendet das letzte Narrativ allzuoft eine wichtige Wahrheit aus: Experten gehen von 250.000 bis 400.000 Prostituierten in Deutschland aus. Freiwillig arbeitet aber wohl nur ein Prozentsatz unter zehn. Auf einige tausend glückliche Prostituierte kommen also wohl hunderttausende Zwangs- oder Drogenprostituierte, die ihren Körper teilweise für zehn Euro anbieten und sich Männern in versifften extra dafür aufgestellten „Verrichtungsboxen“ hingeben, wie es sie etwa auf einem bekannten Berliner Straßenstrich gibt. Zugleich dienen die Hüttchen auch als Toilette – widerlich. Und über die regelmäßige ausufernde Gewalt an Frauen haben wir an diesem Punkt noch gar nicht gesprochen. 

Dieser Text soll keine Abhandlung über die Zustände auf Deutschlands Straßenstrichen und in seinen Bordellen werden, aber klar machen: Eigentlich ist das alles unhaltbar und daran hat auch das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz von 2017 nichts geändert.

Das haben auch die Redakteure und Darsteller der am 28. April unter dem Titel „Die Prostitutionsanstalt“ online gegangenen Sendung gemerkt, die bis heute in der ZDF-Mediathek abrufbar ist. Die Folge ist ein selten in den Medien so deutlich gehörtes Plädoyer gegen legale Prostitution und für das sogenannte Nordische Modell, also ein Prostitutionsverbot, bei dem ausschließlich die Freier bestraft und den Prostituierten Ausstiegshilfen zur Verfügung gestellt werden. Es wird daher auch Sexkaufverbot genannt. 

„Ich will kein CDU-Kabarettist sein!“

In der Sendung tritt zwar ebenfalls eine (gespielte) Lobbyistin für legale Sexarbeit auf, deren Argumente werden aber brutal widerlegt. So deutlich, dass am Ende der knapp 20-minütigen Sendung Max Uthoff verzweifelt auf dem Sofa eines Psychiaters sitzt und klagt: „Ich will kein CDU-Kabarettist sein!“ Dennoch sei die Forderung der Union nach dem Nordischen Modell richtig, zumindest „verglichen mit dem, was wir haben“.

Dass Uthoff und Co. hier so deutlich werden, liegt nicht nur an der eindeutigen Faktenlage. Sie waren im Vorfeld der Sendung auch im Gespräch mit Christen. Genauer: Mit Teilnehmern eines Kongresses zum Thema, der ab dem 26. April im christlichen Gästezentrum „Schönblick“ stattfand (PRO berichtete). Sicher nicht die einzige Quelle, aus denen sich die Informationen der Comedians speisten. Aber offenbar eine überzeugende.

Nach und nach tut sich also etwas in Sachen Haltung zur Prostitution in Deutschland. Nicht nur „Die Anstalt“, auch die Union plädiert mittlerweile für ein Prostitutionsverbot, ebenso wie  namhafte Stimmen aus der SPD und Politiker anderer Fraktionen. Sogar einen überfraktionellen Parlamentsarbeitskreis gab es bereits für das Thema. Vielleicht ist die Zeit reif, konkreter zu werden. Vielleicht ist die Zeit reif, für ein neues Gesetz und das Ende der rot-grünen Sünde, dem  Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2002. Dieses Gesetz wollte Sexarbeit zum normalen gesellschaftlich akzeptierten und geregelten Beruf machen  und ist daran krachend gescheitert. Wegen dieses Gesetzes ist Deutschland heute das „Bordell Europas“ zugunsten derjenigen, die billig Frauenkörper kaufen wollen und zum Leid der Hunderttausenden, die ihren Kunden und ihren Zuhältern ausgeliefert sind. Ja, es ist Zeit, dass sich etwas ändert. Schon längst. Wie schön, dass Christen dazu beitragen. 

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