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Atheisten halten Gläubige für moralischer

Die meisten Menschen trauen Atheisten eher kriminelles Verhalten zu als Gläubigen. Das geht aus einer Studie der amerikanischen John Templeton Foundation hervor. Sogar Atheisten selbst erwarten von gläubigen Menschen eher moralisches Verhalten als von Atheisten.
Von Jörn Schumacher
Der bekannte Biologe Richard Dawkins (re.) macht Werbung für den Atheismus. Eine Studie zeigte nun, dass auch Atheisten finden, dass gläubige Menschen eher moralisch handeln als Nicht-Gläubige
Der bekannte Biologe Richard Dawkins (re.) macht Werbung für den Atheismus. Eine Studie zeigte nun, dass auch Atheisten finden, dass gläubige Menschen eher moralisch handeln als Nicht-Gläubige

In den meisten Ländern verbinden die Menschen mit Atheismus eher eine moralisch verwerfliche Haltung. Sogar Atheisten selbst äußerten diese Vorurteile gegenüber Atheisten. Es gebe offenbar ein fest verankertes Misstrauen gegenüber Atheisten, wenn es um moralisches Verhalten geht, und ebenso ein Vertrauensvorschuss gegenüber Gläubigen, teilten die Autoren der Studie von der amerikanischen John Templeton Foundation mit.

Die Forscher befragten über eine Internetseite mehr als 3.000 Personen aus 13 Ländern auf fünf Kontinenten. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus Finnland, Neuseeland, Großbritannien, Holland, Tschechien, Australien, Amerika, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien. Deutsche waren nicht darunter.

Die Studienteilnehmer lasen einen Text über einen Mann, der als Kind Tiere quälte und als Erwachsener fünf Obdachlose tötete. Sie sollten angeben, für wie hoch sie die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass dieser Mann „ein Lehrer“ oder „ein Lehrer, der an Gott oder Götter glaubt“ ist. Die Studienteilnehmer trauten einem atheistischen Lehrer die Straftat doppelt so häufig zu wie dem religiösen Lehrer. Dabei trauten auch die selbst nicht-religiösen Teilnehmer dem Atheisten die Tat eher zu als dem Gläubigen.

Zeche prellen eher typisch atheistisch

Eine Mehrheit nahm zudem an, dass ein Priester, der ein Jahrzehnt lang Kinder missbrauchte, eher ein ungläubiger Priester sein müsse als ein gläubiger. Den Wissenschaftlern zufolge zeigt die Studie, wie stark Menschen moralisches Verhalten mit Religion verknüpfen, unabhängig davon, wie religiös oder wie atheistisch die Gesellschaft in ihrem Land ist.

Bei einer anderen erfundenen Geschichte, bei der eine 42-jährige Urlauberin ein Restaurant verlässt, ohne die Rechnung zu bezahlen, gab eine signifikante Mehrheit der Befragten an, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass diese Frau keiner Religion angehört, als dass sie ein gläubiger Mensch wäre.

Wie die Tageszeitung Die Welt berichtet, gibt der Wissenschaftler Adam B. Cohen zu bedenken, dass sich aus der Studie nicht eindeutig ablesen lasse, wie stark Vorurteile gegenüber Atheisten im realen Leben tatsächlich sind. Während sich der Eindruck über eine Person im echten Leben aus vielen verschiedenen Aspekten zusammensetzt, hättem die Wissenschaftler den Teilnehmern nur zwei bis drei Informationen über einen fiktiven Fall gegeben, darunter die Information, ob jemand Atheist ist oder nicht. Ob die Teilnehmer auch bei echten Personen davon ausgehen würden, dass ein Atheist eher eine Straftat begeht als ein religiöser Mensch, sei deshalb unklar.

Die John Templeton Foundation ist eine amerikanische Organisation, die unter anderem viele Forschungen zu religiösen und philosophischen Themenbereichen durchführt und unterstützt. Sie wurde 1987 von dem Investoren und Philantropen Sir John Templeton gegründet. (pro)

Von: js

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