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Atheist und Christ im Kreisverkehr

Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm und der studierte Germanist und Philosoph Peter Henkel liefern sich im Buch "Streit über Gott – Ein Gespräch unter Gegnern" eine Argumenteschlacht per Briefverkehr über die Frage: Gibt es einen Gott?
Von PRO

Foto: Verlag Herder / pro

Der "Herder-Verlag" hat einen Briefwechsel von Norbert Blüm und Peter Henkel veröffentlicht. Der eine ein gläubiger Christ, der andere ein bekennender Atheist. Als Hauptziel wollen sie der Frage nachgehen, ob es einen Gott gibt oder nicht. Jeder stellt Behauptungen auf und überlässt es dem jeweils anderen, Gegenargumente zu finden. Bei diesem Duell ist der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (1982-1998), Kabarettist und Autor Norbert Blüm meist derjenige, der sich zur Wehr setzen muss und früh im Buch zugibt, dass, wenn Gott größer ist, er nicht vom Kleineren bewiesen werden kann. Damit räumt er ein, dass er selbst keinen Beweis für die Existenz Gottes liefern könne.

Peter Henkel, welcher nach eigener Aussage beinahe ein Theologie-Studium begonnen hatte und jetzt Journalist und Autor ist, fordert Blüm oft heraus und beruft sich dabei immer wieder auf den Hauptgrund seines persönlichen Nichtglaubens. "So etwas wie der Gott der Christen (auch der Juden) existiert deshalb nicht, weil die ihm zugeschriebene Vollkommenheit sich nicht verträgt mit der offenkundigen Unvollkommenheit seiner angeblichen Schöpfung." Um diese Aussage dreht sich der größte Teil der aggressiv-offensiven Argumentation von Henkel. Blüm weicht ihm in seinen Briefen oft aus. Zudem warnt er davor, der Naturwissenschaft beim Thema "Schöpfungsgeschichte" blind zu glauben, denn diese korrigiere ihre Erkenntnisse ständig. Zudem ist er der Meinung, dass Wissen kein Garant sei und man Gott allein mit der Vernunft und Glauben erklären könne.

Christliche Moralvorstellungen versus säkularer Humanismus

Ferner kommen beide Parteien auf das Thema zu sprechen: Wie kann Gott, wenn es ihn gibt, die menschlichen Grausamkeiten auf dieser Welt zulassen? Blüm argumentiert, dass der Mensch von Gott mit der Freiheit der eigenen Wahl ausgestattet wurde und selbst entscheiden müsse, wie er handelt. Weiterhin beharrt er darauf, dass jede Vorstellung von Gott menschlich sei und daher hinter dem zurückbliebe, was Gott sei. Blüm unterteilt die weltlichen Tragödien in moralisch schlechte Handlungen und natürliche Katastrophen. Beide Protagonisten legen bei den moralisch schlechten Handlungen ihren Schwerpunkt auf die Geschehnisse des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen.

Einigkeit über Uneinigkeit

Blüm und Henkel kommen, wie sie es selbst von vornerein geahnt haben, auf keinen gemeinsamen Nenner. Mehrfach kommen sie von ihrer eigentlichen Frage ab und verstricken sich in Nebenkriegsschauplätze. Beide Autoren wollten ihr Gegenüber nicht missionieren, sondern lediglich zum Nachdenken anregen. Das Ergebnis ist, dass beide auf kein Ergebnis kommen. Blüm drückt am besten aus, wo dieser Diskurs hingeführt hat: "Unser Briefverkehr endet in einem Kreisverkehr." (pro)

Norbert Blüm und Peter Henkel: "Streit über Gott – Ein Gespräch zwischen Gegenern", Herder-Verlag, 219 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-451-30590-0

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