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Asia Bibi: Freispruch wird angefochten

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat das Todeurteil gegen die Katholikin Asia Bibi am Mittwoch aufgehoben. Seit neun Jahren saß die heute 51-Jährige wegen einer Klage wegen Blasphemie im Gefängnis. Doch Islamisten fordern nun den Tod der Richter und Bibis Freispruch wird angefochten.
Von PRO
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Die 51-jährige pakistanische Katholikin Asia Bibi musste wegen Blasphemie die Todesstrafe fürchten. Nun wurde sie freigesprochen.

Foto: Open Doors

Die 51-jährige pakistanische Katholikin Asia Bibi musste wegen Blasphemie die Todesstrafe fürchten. Nun wurde sie freigesprochen.

Wie die englischsprachige pakistanische Zeitung Express Tribune berichtet, verlas der Oberste Richter Saqib Nisar am Mittwoch in Islamabad das 56 Seiten umfassende Urteil. Anschließend ordnete er an, Asia Bibi aus dem Gefängnis zu entlassen. Bibis Anwalt Saiful Malook zeigte sich erfreut, dass seine Mandantin am Ende doch Recht erfahren habe.

Doch neuesten Entwicklungen zufolge darf Bibi Pakistan bis auf Weiteres nicht verlassen. Der ursprüngliche Ankläger, Qari Muhammad Salaam, habe eine Revision des Urteils beantragt, meldet die Menschenrechtsorganisation Open Doors. Zwischenzeitlich habe die Regierung im Blick auf den Aufenthaltsort der fünffachen Mutter eine Nachrichtensperre verhängt. Noch am Tag des Urteilsspruchs habe sich Premierminister Imran Khan in einer TV-Ansprache an sein Volk gewandt und zum Frieden gemahnt.

Die Entscheidung des Obersten Gerichts über die Freilassung von Bibi hatte in dem überwiegend muslimischen Land Zorn bei den radikalen Gruppen ausgelöst. Tausende hatten in der Hauptstadt Islamabad Straßenblockiert und Regierungsgebäude geplündert, berichtete die Deutsche Presseagentur (dpa). In Lahore hätten Anhänger einer radikalen Gruppe versucht, das regionale Parlament zu stürmen. Die Regierung habe Soldaten in größere Städte entsandt. Anführer der radikalen Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) hätten den Tod der Richter gefordert.

Open Doors: Schritt in Richtung Religionsfreiheit

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hatte nach dem Freispruch den Mut der Richter begrüßt und die Entscheidung als „Meilenstein“ bezeichnet. Die Freilassung zeige, dass der Staat versuche, den Islamisten die Stirn zu bieten. Dadurch könne das Vertrauen religiöser Minderheiten in den Staat wiederhergestellt werden.

Auch Open Doors zeigte sich erfreut über den Freispruch: „Wir sind erleichtert zu hören, dass der pakistanische Oberste Gerichtshof die Anklage gegen Asia Bibi fallen lässt – eine Anklage, die bloß auf ihrem christlichen Glauben und falschen Anschuldigungen gegen sie beruhte“, sagte ein Pakistan-Experte von Open Doors. „Diese Entscheidung gibt uns Hoffnung, dass Pakistan weitere Schritte unternehmen wird, um die Religionsfreiheit und die Menschenrechte im Land zu stärken.“

Jahrelange Haft

Asia Bibi war 2010 wegen angeblicher Beleidigung des muslimischen Propheten Mohammed und des Islam in Pakistan angeklagt worden. Der 51-Jährigen drohte die Todesstrafe. 2009 hatten Mitarbeiter auf einem Bauernhof, auf dem auch Bibi arbeitete, die Vorwürfe vorgebracht. Bibi soll muslimischen Kolleginnen Wasser angeboten haben; diese hätten erwidert, eine Christin solle nicht aus demselben Becher wie Muslime trinken und das Christentum beleidigt. Bibi habe dem entgegnet: „Ich glaube an Jesus Christus, der am Kreuz für die Sünden der Menschheit gestorben ist. Was hat euer Prophet Mohammed je getan, um die Menschheit zu retten?“ Daraufhin hätten die Frauen sie bei einem örtlichen Imam der Blasphemie beschuldigt. Ihre Aussagen hatten sich laut Bibis Anwälten jedoch im Nachgang als widersprüchlich herausgestellt.

Ein Mob war kurz darauf in Bibis Haus eingedrungen und hatte sie vor den Augen ihrer Kinder verprügelt. Die Polizei rettete sie zwar, nahm sie dann jedoch wegen der Blasphemievorwürfe fest. Die Familie war die einzige katholische in dem Dorf.

Erst vor zwei Wochen hatte Eisham Ashiq, die 18-jährige Tochter der Pakistanerin, öffentlich gesagt, sie glaube weiterhin an die Freilassung ihrer Mutter. „Ich vertraue Gott, dass er sie befreien wird“, sagte Eisham.

Von: Jörn Schumacher/Swanhild Zacharias

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