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ARD-Scientology-Film: Es geht um Macht

Die ARD wagt sich im März an ein heißes Thema. Unter strenger Geheimhaltung hat der Sender einen Film über die Scientology-Sekte gedreht, der am 31. März um 20.15 Uhr gezeigt werden soll. "Bis nichts mehr bleibt" lautet der Titel des 90-minütigen Spielfilms, der eindeutig Position gegen die Organisation bezieht.
Von PRO

Foto: SWR/Christine Schroeder

Angelehnt ist der Filmstoff an die Berichte mehrerer Scientology-Aussteiger. Dazu gehört auch die Lebensgeschichte Heiner von Rönns, die als Vorbild für die Umsetzung des Stoffes dient. "Die fiktive Geschichte kommt der Realität erschreckend nahe", verdeutlicht die bekannte Scientology-Expertin Ursula Caberta. Bei den Sektenanhängern stößt die Verfilmung erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe.

Getarnte Dreharbeiten

Wie geheim das 2,5 Millionen Euro teure Projekt war, beweist die Tatsache, dass auf den Drehbüchern und selbst auf der Regieklappe der Titel "Der Tote im Sund" als Tarnname stand. Die beiden Schauspieler Felix Klare, bekannt als Tatort-Kommissar, und Silke Bodenbender spielen ein junges Elternpaar, das in die Scientology-Organisation eintritt. Als die Verstrickungen seiner Frau immer tiefer werden, steigt der Mann aus. Damit verliert er den Kontakt und den Kampf um das Sorgerecht seiner kleinen Tochter, die ebenfalls in der Scientology-Ideologie unterrichtet wird.

 
Bei der Pressevorführung des Films in der letzten Woche in Hamburg, zu der die Organisation nicht offiziell eingeladen war, verteilten Scientologen Flugblätter. Sie kritisierten, dass der Streifen "eine Stimmung der Intoleranz und Diskriminierung gegen eine Religionsgemeinschaft" schüren solle. "Wir haben es hier nicht mit Religion zu tun, sondern mit einer Organisation, die ganz andere Motive hat: Scientology geht es vor allem um Macht, Geschäft und Ausbau des Netzwerkes. Die Lehre von Scientology ist pure Science-Fiction, keine Religion, keine Kirche, keine Sekte", entgegnete ARD-Programmdirektor Volker Herres den Vorwürfen bei der Vorführung in Hamburg.

Gegen Klagen gewappnet

Ausschlaggebend für den Fernsehfilmchef des Südwestdeutschen Rundfunks, Carl Bergengruen, ein solches Projekt umzusetzen, war die Bambi-Verleihung an das Scientology-Mitglied Tom Cruise. Gegenüber "Spiegel Online" verteidigt er die Geheimhaltung des Films. Über verschiedene Wege soll Scientology versucht haben, Details über das Filmprojekt herauszufinden. Laut "Spiegel Online"-Informationen, soll das Team des SWR durch einen Vertreter von Scientology beschattet worden sein. Hinzu kamen "permanente anonyme Anrufe" und aufgebrochene Autos. Scientology dementiert auf Anfrage des Hamburger Magazins die Vorwürfe. "Wir mussten befürchten, dass die Organisation alles tun würde, um mit juristischen Mitteln die Ausstrahlung des Films zu verhindern", erklärte Bergengruen. Man sei gegen Klagen gewappnet und habe den Film ein Jahr lang juristisch geprüft, so Mit-Produzent Nico Hofmann.

Eine etwas andere Sicht der Dinge vertritt Jürg Stettler, Pressesprecher der Scientology Kirche Deutschland. Den Film habe man zwar noch nicht sehen dürfen – trotzdem spricht Stettler von einer "beispiellosen Diskriminierungskampagne der ARD". Einer der Vorwürfe lautet die Filmemacher hätten schlecht recherchiert. Die Behauptungen der Filmemacher seien nichts als Panikmache, um den Film zu promoten.

In zwei bis drei Wochen will die Organisation einen eigenen Scientology-Sender im Internet starten und damit pünktlich zur Filmausstrahlung, "ihre Version der Geschichte zu verbreiten", zitiert die Nachrichtenagentur "News4Press". Einen positiven Aspekt kann Stettler der Sache dennoch abgewinnen. Der Film sei im Grunde genommen ein willkommener Anlass, dass in der deutschen Öffentlichkeit wieder über Scientology geredet werde.

Prominente als Werbeträger

In den letzten Jahren verzeichnet Scientology eine Austrittswelle prominenter Mitglieder. Wie die "Frankfurter Rundschau" in ihrer Ausgabe vom 8. Februar berichtet, hat kürzlich der Hollywood-Schauspieler Larry Anderson der Organisation den Rücken gekehrt. 33 Jahre und 270.000 Dollar hatte er in seine Mitgliedschaft investiert um die totale Freiheit zu erlangen, sagte er gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Anderson wirkte unter anderem in der TV-Serie "Desperate Housewives" und als Nebendarsteller in Kinofilmen wie "Star Trek" mit.

Vor drei Jahren hatten mit Geheimdienstleiter Mike Rinder und Finanzchef Mark Rahtbun zwei hochkarätige Mitglieder die Sekte verlassen. Im vergangen Jahr folgten die Schauspieler Jason Beghe und Regisseur Paul Haggis. "Je mehr Prominente gehen, desto mehr kommen die anderen ins Grübeln. Eine effektive Betreuung der Aussteiger wird dann nicht mehr möglich sein", sagte die Scientology-Beauftragte der Stadt Hamburg Ursula Canberta.

Laut einer Analyse des Verfassungsschutzes hat die Organisation nichts an Gefährlichkeit eingebüßt. Viel spreche dafür, dass sie "sinnvollerweise auch und gerade mit geheimdienstlichen Mitteln beobachtet werden" müsse, urteilte das Verwaltungsgericht Köln. Der deutsche Verfassungsschutz warnte am Freitag zudem vor dem Scientology-Ableger "United for Human Rights", die sich laut Scientology für den Schutz von Menschenrechten einsetzt. Die im Internet aufwendig beworbene Aktion sei ein "dreistes Täuschungsmanöver", erklärte die Präsidentin des Landesamtes Baden-Württemberg, Beate Bube, dem Münchener Nachrichtenmagazin "Focus".

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