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ARD-Film über Cybermobbing: Schon drin oder was?

Die ARD hat sich erstmals in einem 90-minütigen Film an das Thema Cybermobbing und dessen Auswirkungen herangewagt. Wie grausam es für Schüler sein kann, fortwährend im und über das Internet fertiggemacht zu werden, zeigt die Produktion "Homevideo" des Norddeutschen Rundfunks in aller Schärfe. Die ARD strahlt den Film am Mittwoch, den 19. Oktober, um 20.15 Uhr aus.
Von PRO

Foto: NDR /pro

Die Hauptfigur ist der 15-jährige Jakob. Dass er alles, was ihn gerade
bewegt, mit seiner Videokamera festhält, wird ihm schon bald zum
Verhängnis. Die Probleme fangen für ihn an, als ein selbstgedrehtes
Video, das Jakob bei der Selbstbefriedigung zeigt, in die Hände seiner
Mitschüler fällt. Dass der schüchterne Jakob auch in der Schule
bescheidene Leistungen abliefert, macht die Sache für ihn nicht besser.
Auch von seinen Eltern kann er keinen Rückhalt erwarten: Vater Claas, gespielt von Wotan Wilke Möhring, und Mutter Irina haben große private Probleme, weshalb sich Jakob auch zu Hause niemandem anvertrauen kann. Die Eltern sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt und wissen (zu) wenig von ihrem Sohn. Einziger Lichtblick für Jakob in diesem Geflecht ist Hannah, die 13-jährige Schwester seines guten Freundes Erik, in die er sich verliebt.



Die Tiefschläge hören nicht auf



Doch die Tiefschläge für Jakob hören nicht auf: Seine Mutter zieht von zu Hause aus. Sein Vater, ein Polizist, bietet ihm zwar berufliche Hilfe an, doch dessen teils verklärte Sicht der Dinge macht die Lage für Jakob nicht wirklich erträglicher. Um die Chipkarte seiner Videokamera wieder zu erhalten, bricht Jakob sogar bei seinem besten Freund Erik ein.



Der Junge vertraut sich nach langem Überlegen doch seinem Vater an, der die Chip-Karte von von Eriks Bekanntem Henry zurückholt. Während Jakob sie zerstört und für ihn wieder "heile Welt" zu sein scheint, ist das Video bereits im virtuellen Gedächtnis des Internets gespeichert: Henry hat in der Zwischenzeit das "Herrschaftswissen des Videos" erkannt. Zunächst erpresst er Jakob damit, dann stellt er es ins "Netz".



Ein Spießrutenlauf



Jakob am nächsten Tag völlig unbedarft in die Schule kommt, ahnt er nicht, was sich bereits hinter seinem Rücken digital abgespielt hat. Er erlebt einen Spießrutenlauf. Die als Schülerstreich gedachte Aktion eskaliert. Es kommt zur gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Henry und Jakob. Überall wird Letzterer ausgelacht und gemobbt. In Chatrooms erhält Jakob dutzende Hassbotschaften, in der Schule wird er öffentlich an den Pranger gestellt.

Auch Hannah, mit der Jakob tags zuvor noch die Unbekümmertheit genießen konnte, wird geächtet. "Was soll ich denn jetzt machen. Ich bin doch für alle die Schlampe", sagt sie. "Die haben das doch alle auf ihren Handys. Ich kann mich gleich umbringen", macht sich Jakob die Konsequenzen bewusst. Die anschließende Diskussion der Eltern- und Lehrerschaft verdeutlicht, dass das Internet Parallelwelt und rechtsfreier Raum ist, über den die Schulen keinerlei Kontrolle haben. Auch der Schulleiter ist bei der Bestrafung der Täter machtlos, "weil es nicht in die Zuständigkeit der Schule fällt, zu schauen, was im Internet passiert".



Für den Fernsehpreis nominiert


Weil Jakob auch von Seiten der Mitschüler keinerlei Mitleid erwarten kann, nehmen ihn seine Eltern als Schutz von der Schule. "Claas, ich mache mir Sorgen um den Jungen, der ist wie abgeschaltet. Ich komme nicht mehr an den ran", sagt Mutter Irina. Dem Vater ist klar: "Die sticheln solange rum bis du eine klare Ansage machst. Versteh mich nicht falsch: Henry hat ein Problem, nicht du." Diese klare Ansage macht Jakob am Ende des Films, als die Geschichte noch einmal eine ungeahnte Wendung nimmt.

Der Film wurde am Sonntag mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Auch der Schauspieler Jonas Nay (Jakob) erhielt einen Preis. Das Buch zur NDR-Koproduktion hat Jan Braren geschrieben, Regie führte Kilian Riedhof. Produzenten waren Benjamin Benedict und NDR-Fernsehfilmchef Christian Granderath. (pro)

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