Antisemitische Gewalt eskaliert weiter

Seit 30 Jahren sind nicht mehr so viele Juden weltweit ermordet worden wie 2025. Das stellt ein Antisemitismus-Report der Uni Tel Aviv fest, warnt vor einer Normalisierung und kritisiert die eigene Regierung.
Von Anna Lutz
Das Gebet, wie hier an der Klagemauer in Jerusalem, ist für gläubige Juden an den hohen jüdischen Feiertagen besonders wichtig

Im Jahr 2025 sind 20 Juden weltweit in vier Attentaten ermordet worden. 15 von ihnen fielen den Tätern des Anschlags am australischen Bondi Beach zum Opfer. Insgesamt ist die Zahl damit auf einem Höchststand, verglichen mit den letzten drei Jahrzehnten. Das teilte die Universität Tel Aviv am 12. April mit, die seit 2001 jährlich einen Antisemitismus-Report herausgibt. Dabei werden Länder berücksichtigt, in denen Juden in der Diaspora leben und als Minderheit gelten. Israel selbst also nicht.

In vielen Ländern sei die Zahl der Juden, die körperlich angegriffen wurden, ebenfalls gestiegen. Vor allem im Vergleich zur Zeit vor den Attentaten der Hamas am 7. Oktober und dem Beginn des Krieges in Gaza im Jahr 2023. 

15 Tote am Bondi Beach

Besonders die Lage in Australien schätzt der Report als „alarmierend“ ein. Neben dem Bondi-Beach-Massaker zu Channukka sei die Zahl antisemitischer Vorfälle dort von 1.727 im Jahr 2024 auf 1.750 2025 gestiegen. 2022 lag sie bei 472. Die Zahlen schließen auch etwa Vandalismus mit ein.

In Kanada gab es 6.800 Vorfälle, knapp 600 mehr als im Vorjahr und drei Mal so viele wie 2022. Auch in Großbritannien stiegen die Zahlen weiter an. Frankreich, das Land mit dem drittgrößten jüdischen Bevölkerungsanteil nach Israel und den USA, zeigte einen leichten Rückgang und doch ein hohes Niveau an Vorfällen: 1.570 waren es 2024 und 1.320 im vorigen Jahr 2025. Wobei auch dort die Zahle der physischen Gewalttaten wuchs – von 106 auf 126.

In Deutschland gab es 5.729 antisemitische Übergriffe, ein Jahr zuvor waren es 6.560 und im Jahr 2022 2.811. Auch hier wuchs aber die Zahl physischer Gewalttaten – von 144 auf 148.

Täter sind Rassisten oder Antizionisten

Anhand einer nach eigenen Angaben einzigartigen Analyse gibt der Report außerdem Aufschluss über die Täter. Dazu haben die Experten juristische Dokumente und Zeitzeugenreporte ausgewertet und mit Profilern der Behörden und Anwälten in vier Ländern mit hohem jüdischem Bevölkerungsanteil gesprochen. Demnach sind viele der Täter nicht organisiert, sondern sogenannte „einsame Wölfe“. Sie kommen aus vor allem zwei ideologischen Richtungen: Weiße mit christlichem Hintergrund, die der Idee der „White Supremacy“ folgen, Rassisten also. Oder antizionistische Muslime. In Alter oder ethnischem Hintergrund seien sie hingegen sehr unterschiedlich.

Der Report warnt nicht nur vor einer fortschreitenden Normalisierung antisemitischer Gewalt. Er übt auch Kritik an der israelischen Regierung. Ihr sei es nicht gelungen, effektiv gegen Antisemitismus weltweit vorzugehen. Stattdessen hätten hochrangige Politiker den Begriff Antisemitismus genutzt, um immer breitere Phänomene zu beschreiben. Der Report spricht von „zynischen und übereilten Erklärungen“. Das habe dem Kampf gegen Judenhass auf der ganzen Welt geschadet.

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