Anselm Grün: Auch in glaubensfernen Bereichen zum Glauben stehen

Der Benediktiner-Mönch Anselm Grün kritisiert die Kirche, dass sie zu oft von oben herab gepredigt und moralisiert habe. Um zukunftsfähig zu sein, solle sie sich wieder auf ihre Kernaufgaben besinnen und vor allem den Menschen zuhören.
Von Johannes Blöcher-Weil
Anselms Grüns hat sich im Interview mit der Welt am Sonntag auch etliche Wünsche an die Kirche ausgesprochen

Die Kirche und deren Vertreter sollen die Ängste der Menschen wahrnehmen und ihnen zeigen, was Halt im Leben gibt. Das hat der Autor und Mönch Anselm Grün im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ gefordert. Er wünsche sich Menschen, die zu ihrem Glauben stehen und den Mut haben, sich „auch in glaubensfernen Bereichen dazu zu bekennen“.

Der Glaube könne auch Zuspruch sein in einer Welt, die immer mehr zur Selbstoptimierung neige: „In einer Gesellschaft, in der Glaube keine Selbstverständlichkeit mehr ist, braucht es Räume, Orte, Menschen, die die Frage nach Gott wachhalten.“ Dieser Sehnsucht gebe Kirche einen Raum.

Zu Wort kommt auch der evangelische Theologe Günter Hänsel, mit dem Grün befreundet ist und mit dem er bei verschiedenen publizistischen Projekten zusammenarbeitet. Hänsel ist es wichtig, dass die Kirche ein Gespür dafür hat, wonach sich Menschen sehnen, und „wie wir als Kirche den Glauben über die Generationen hinweg in einer sich veränderten Gesellschaft weitertragen können“.

Kirchliche Seelsorge ein verlässlicher Anker

Laut einer Umfrage schätzten 81 Prozent der Befragten kirchliche Seelsorge als „verlässlichen Anker in schwierigen Lebenssituationen“. Auch in seinem Alltag als Seelsorger erlebe er eine Offenheit von kirchenfernen Menschen. Viele wollten den Glauben aber nicht nur hören, sondern auch verstehen: „Der Glaube kann bei Zukunftsängsten Orientierung schenken.“

In der Flut an Nachrichten könne der Glaube für junge Menschen ein Wertefundament und ein wichtiger Halt sein, findet Grün. Es gehe darum, den Menschen zu verdeutlichen, „dass einen Gottes Segen im Alltag begleitet“.

Von der Katholischen Kirche wünsche er sich, dass diese festgefahrene Positionen aufweiche. Statt nur auf die Mitgliederzahlen zu schauen, sei es sinnvoll, „eine authentische lebendige Gemeinschaft zu sein, an der teilzuhaben das Leben bereichern kann“. Kirche sei zwar immer politisch, solle aber nicht ständig Ratschläge geben, Politiker bewerten oder in Predigten moralisieren.

Anselm Grün ist promovierter Theologe und Benediktiner-Mönch. In der Abtei Münsterschwarzach war er für die ökonomischen Belange zuständig. Er hat mehr als 300 Bücher zur Spiritualität und Lebenshilfe geschrieben. Außerdem schult er als Referent und Coach Führungskräfte. Gemeinsam mit dem protestantischen Pfarrer Günter Hänsel veröffentlicht er gemeinsame Beiträge, unter anderem auf evangelisch.de.

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