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Allianz in Berlin: Vertrauen bilden und Themen bewegen

Der Theologe Uwe Heimowski wird neuer Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) am Sitz des Deutschen Bundestags und der Bundesregierung. Im pro-Interview verrät er, welche Ziele er erreichen möchte.
Von PRO
Uwe Heimowski wird sich künftig als Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) in Berlin für christliche Anliegen einsetzen

Foto: pro/Norbert Schäfer

Uwe Heimowski wird sich künftig als Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) in Berlin für christliche Anliegen einsetzen

pro: Herr Heimowski, Sie übernehmen zum 1. Oktober das Amt des Politischen Beauftragten der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA). Welche Ziele haben Sie für Ihre Tätigkeit?

Uwe Heimowski: Am Anfang steht das Kennenlernen. Ich werde bei Vertretern der Kirchen, der verschiedenen Parteien und der Bundesregierung Antrittsbesuche machen. Inhaltlich sind natürlich die Flüchtlingsfrage oder Religionsfreiheit und Christenverfolgung brandaktuell, der Einsatz für Menschenrechte ist traditionell ein Thema der Allianz. Auch zu anderen gesellschaftspolitischen Themen werde ich das Gespräch suchen.

Die DEA ist nicht nur eine deutschlandweite Bewegung, sondern besteht unter anderem aus 1.100 örtlichen Allianzen. Welche Botschaft möchten Sie dorthin vermitteln?

Die Christen, die sich zur DEA zählen, möchte ich motivieren, für die Mandatsträger zu beten, das ist ja ein Kernanliegen der Allianz. Und zugleich möchte ich ermutigen, politische Verantwortung zu übernehmen. Sei es als Schulelternsprecher, als Flüchtlingshelfer, oder in einer politischen Partei oder einem Kommunalparlament. Ein weiteres Anliegen meiner Arbeit ist die bundesweite Vernetzung von politisch aktiven Christen, und natürlich die Mitwirkung im bestehenden Arbeitskreis Politik der Deutschen Evangelischen Allianz.

In der öffentlichen Debatte wird bemängelt, dass Lobbyagenturen und Lobbyisten hinter den Kulissen des Parlaments die Anliegen ihrer Kunden in die Politik tragen. Bemühungen um mehr Transparenz beim Lobbyismus rennen keine offenen Türen ein. Lange Zeit hat abgeordnetenwatch.de daran gearbeitet, dass die Namen der Lobbyisten mit Bundestagshausausweisen veröffentlicht wurden. Wie wichtig ist Transparenz bei der Arbeit der Evangelischen Allianz?

Nehmen wir das Beispiel mit den in letzter Zeit stark angefragten „Hausausweisen“ für das leichtere Betreten der Bundestagsgebäude. Es ist einerseits richtig zu sagen: „Wir wollen wissen, wer die Lobbyvertreter sind.“ Das ist wichtig und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite ist es doch legitim, seine Interessen zu vertreten, und dabei muss auch eine Art Vertrauensschutz gelten. Wenn zwei Menschen miteinander verhandeln und noch kein Ergebnis erzielt haben, sondern nur ihre Positionen ausgetauscht haben, dann muss das doch geschützt werden und nicht jedes Zwischenergebnis muss bekannt werden. Menschen in der Wirtschaft, in Kirchen, in Verbänden sind für die Gesellschaft aktiv. Die müssen sich mit den Politikern abstimmen können. Das ist deshalb nicht gleich korrupt oder negativ. In einem geschützten Raum muss über Ideen und Gesetze gesprochen werden können. Wenn ich das Gefühl habe, dass alles sofort veröffentlicht wird, dann ist Transparenz für meine Begriffe negativ. Wichtig ist hingegen, dass jede Form von Vorteilsnahme unterbunden wird.

Kommen wir zu einem konkreten politischen Thema. Das Kabinett hat einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der Prostituierte besser schützen soll. Die Evangelische Allianz tritt ein für den Lebensschutz, für die Würde des Menschen, für soziale Gerechtigkeit. In diesen Katalog passt das neue Gesetz. Müssen sich die Befürworter den Vorwurf gefallen lassen, dass durch den Entwurf letztlich moralische Vorstellung einer Minderheit Gesetzeskraft erlangen?

2002 ist ein liberales Prostitutionsgesetz beschlossen worden. Das hat eindeutig dazu geführt, dass Menschenhandel verschleiert wurde und die Gesundheitsvorsorge von Prostituierten zurückgegangen ist. Es war letztlich das Gegenteil eines Prostituiertenschutzgesetzes. Das, was jetzt vorgelegt wird, hilft schon weiter, ist aber noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss. Es gibt eine Kondompflicht, es gibt eine verbindliche Gesundheitsberatung für Prostituierte, man muss ein Gewerbe anmelden, das kann ein Schutz sein gegen Menschenhandel. Aber es gibt Experten vom Bundeskriminalamt, die sagen, dass 90 Prozent der Prostituierten nicht freiwillig anschaffen gehen. Da haben wir noch lange keinen genügenden Gesetzesschutz. Innerhalb vieler Gruppen, die sich der Evangelischen Allianz zugehörig fühlen, wird das skandinavische Modell befürwortet. Das besagt im Kern, dass man Prostitution verbieten müsste, weil Freier mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent bei einer Zwangsprostituierten landen. Und das bedeutet eine eklatante Verletzung elementarer Menschenrechte. Entsprechend sind die Freier zu bestrafen. Viele christliche Gruppen sind mit großem Einsatz darum bemüht, Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen zu helfen, und ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern. Diese Gruppen, darunter beispielsweise die Heilsarmee, die sich seit mehr als 150 Jahren für Prostituierte engagiert, haben natürlich das Recht, dass ihre Stimme in Berlin Gehör findet. Interessant ist, dass das nordische Modell, das zuerst in Schweden umgesetzt worden ist, von Feministinnen auf den Weg gebracht worden ist. In Deutschland hat sich unter anderen Alice Schwarzer für eine Verschärfung der Gesetzeslage eingesetzt. Also, der Vorwurf, dass Christen hier ihre Moralvorstellungen qua Gesetz zementieren wollen, ist unberechtigt. Hier werden Frauen missbraucht. Da können wir nicht wegsehen. Natürlich haben Christen moralische Vorstellungen, Moral ist ja auch notwendig in der Gesellschaft, aber zu meinen, dass Christen hier nur ihre spießige Minderheiten-Moral pflegen, ist völliger Unsinn. Wir haben viele gesellschaftliche Kräfte, die sich um den Schutz von Frauen bemühen, die in dieser Richtung unzweifelhaft das gleiche sagen.

Aus der DEA heraus hat sich ein Bereich, die Micha-Initiative, ausgegründet und einen eigenen Verein etabliert. Hat die soziale Komponente, auch das Erreichen der Milleniumsziele, damit für die DEA einen geringeren Stellenwert?

Nein. Es geschieht immer wieder, dass ursprünglich von der DEA ausgehende Impulse auch in eigenen Vereinen enden, weil wir uns in erster Linie als Impulsgeber für Inhalte verstehen, das ist uns wichtiger als Organisationsformen. So gibt es viele eigenständige selbständige Vereine, Verbände und Werke, die auf der Basis und in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Allianz tätig sind. Mit der Bildung eines eigenen Vereins übernehmen die Mitwirkenden in der Micha-Initiative mehr Eigenverantwortung. Von dort, aber auch von der Evangelischen Allianz, kommt der Wunsch, dass ich im Auftrag der DEA dort mitarbeite. Die Allianz weiß, wie wichtig Weltverantwortung ist. Darum hat sie ja die Micha-Initiative gegründet. Das fällt auch jetzt auf keinen Fall hinten herunter.

Wie wichtig ist die Präsenz der DEA in den Sozialen Medien?

Ich denke generell, dass wir unsere Anliegen auch in den Sozialen Medien kommunizieren müssen. Man muss die Kanäle nutzen, um seine Anliegen zu kommunizieren. Allerdings besteht immer die Gefahr, zu schnell zu posten, ohne vorher gründlich recherchiert zu haben. Das bekommt man nicht mehr eingefangen.

Soziale Medien werden vor allem von jungen Menschen benutzt. Wie wollen Sie Anliegen an die Älteren bringen?

Naja, ganz so ist es ja nicht, dass Ältere die Sozialen Medien nicht nutzen. Aber man darf die Wirkung von Printmedien nicht unterschätzen. Die Evangelische Allianz war immer auch publizistisch tätig – schon im 19. Jahrhundert. Da gab es die wöchentlich erscheinende Allianzzeitung, später den Allianzbrief, dann ein Allianzforum und seit 2004 gibt sie das quartalsmäßig erscheinende Magazin EiNS heraus, wenn man so will, unser Verlautbarungsorgan. Sie hat daneben auch viele Impulse gegeben, die zur Gründung eigenständiger Vereine wie der Evangelischen Nachrichtenagentur idea oder des Christlichen Medienverbundes KEP führten, Mitte der Neunzigerjahre auch zur Gründung der Christlichen Internetagentur.

Nach meiner Wahrnehmung gibt es nur einen Namen im Bereich des Evangelischen, der in der Öffentlichkeit wirklich Bedeutung hat – die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). „Evangelisch sein“ trägt in der Öffentlichkeit weitgehend deren Etikett. Kann die EKD überhaupt ein Interesse daran haben, dass es neben ihrem eigenen Bevollmächtigten noch eine zweite Stimme gibt?

Die Evangelische Allianz ist keine Organisation innerhalb der Evangelischen Kirche. Sie ist die erste zwischenkirchliche, also ökumenische Bewegung, 102 Jahre vor dem Weltrat der Kirchen gegründet. Natürlich sind die Evangelischen Landeskirchen, die Katholische Kirche und auch die Freikirchen Körperschaften des öffentlichen Rechts und haben dadurch eine andere rechtliche Stellung. Aber es gibt auch viele andere kirchliche Gemeinschaften. Und natürlich ist die Evangelische Allianz auch längst nicht die einzige Bewegung, die hier im politischen Berlin vertreten ist. Wir sind ja eine Basisbewegung und führen kein Mitgliederverzeichnis, rechnen aber damit, dass von den „Allianzleuten“ zirka 50 Prozent Mitglieder einer Evangelischen Landeskirche sind. Wir repräsentieren damit auch im kirchlichen Bereich stark vertretene Positionen. Ich hoffe, dass wir auch von der EKD immer mehr als hilfreiche Ergänzung wahrgenommen werden. So verstehe ich meine Aufgabe, und darum werde ich mich, wie es die DEA auch bisher getan hat, um ein gutes, konstruktives und vertrauensvolles Verhältnis zu den anderen kirchlichen Beauftragten bemühen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer. Hinweis der Redaktion: Uwe Heimowski ist Vorstandsmitglied des Christlichen Medienverbundes KEP, zu dem auch das Christliche Medienmagazin pro gehört. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/uwe-heimowski-wird-politik-beauftragter-der-evangelischen-allianz-95843/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/detailansicht/aktuell/arbeit-der-micha-initiative-geht-weiter-93498/
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