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Alle gegen Kelle

Gleich dreimal stand die Journalistin Birgit Kelle in den vergangenen Wochen im Zentrum medialer Auseinandersetzungen. Kritiker werfen der konservativen Autorin vor, rechts zu sein.
Von PRO
Birgit Kelle setzt sich für klassische Familien ein

Foto: Kerstin Pukall

Birgit Kelle setzt sich für klassische Familien ein
Birgit Kelle ist in den Medien derzeit überaus präsent. Die konservative Publizistin ist bekannt dafür, klassische Geschlechterrollen zu verteidigen. Sie setzt sich für das Betreuungsgeld ein, kämpft gegen eine genderkonforme Sprache und sorgt mit ihrem Buch „Gender-Gaga“, einer spitzen Satire, für hohe Verkaufszahlen. Mit ihrer zunehmenden Prominenz sehen aber auch ihre Gegner in ihr ein zunehmend beliebtes Ziel. Ein häufiger Vorwurf lautet, Kelle sei in Wahrheit eine Rechte, mit der man sich besser nicht einlasse.

„Antifeministisch und rechtspopulistisch“

Kürzlich löschte der WDR eine Ausgabe der Talkshow Hart aber fair, in der unter anderem Kelle – gewohnt wenig zurückhaltend – als Gast gegen Gender Mainstreaming wetterte. Der Deutsche Frauenrat kritisierte die Sendung als einseitig, polemisch, und außerdem sei die Gästeliste nicht geeignet gewesen, eine faire Diskussion zu führen. Was der Frauenrat wirklich über die Publizistin denkt, findet der Leser in einer Notiz unter der Stellungnahme des Frauenrats. Die „antifeministische, rechtspopulistische Autorin Birgit Kelle“ heißt sie da. Grund für die Notiz war der Aufruf des Frauenrats, gegen einen geplanten Auftritt Kelles in einer Düsseldorfer Schule zu protestieren. Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) hatte sie zu einer Lesung geladen. Vor allem Interessenvertreter von Homosexuellen forderten, dass die Stadt die Veranstaltung absagt. Sogleich machten sich die Unterstützer Kelles bereit, unter dem Motto „Kein Auftrittsverbot für Birgit Kelle“ in einer Petition ihre Solidarität zu erklären. Knapp 16.000 Unterschriften sammelten sich unter der Petition. Zu einer Absage wäre es aber ohnehin nicht gekommen, bestätigte ein Sprecher der Stadt gegenüber pro. Es sei völlig normal, dass solche Gebäude für Parteiveranstaltungen vermietet würden. Ein Sieg für die konservative Publizistin.

Einstweilige Verfügung gegen Spiegel

Bereits vor wenigen Wochen hatte Kelle einen Sieg gegen das Nachrichtenmagazin Der Spiegel errungen. In dem Artikel „Angriff von rechts“ über die AfD erweckte der Spiegel fälschlicherweise den Eindruck, eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zähle Kelle zu denen, die „Verschwörungstheorien verbreiten“, die „Angst vor Überfremdung schüren“ oder gar „im Kreuzzug gegen Homosexuelle gar die Nähe zum Regime Putins“ suchten. Kelle erwirkte gegen den Spiegel eine einstweilige Verfügung, wie das Landgericht Düsseldorf bestätigte. Das Blatt darf die Aussage demnach nicht mehr wiederholen, die digitalen Versionen des Artikels sind bereits entsprechend gekürzt. Auch auf mehrfache Anfrage von pro äußerte sich der Spiegel zunächst nicht dazu, ob er die einstweilige Verfügung akzeptieren oder es auf eine Verhandlung ankommen lassen wolle.

„Mehrheit lebt das Modell Vater-Mutter-Kind“

Birgit Kelle – eine Rechte? Sie selbst weist die Vorwürfe gegenüber pro von sich: „War man früher mit konservativen Positionen noch Teil einer gesellschaftlichen Mitte, wird man heute mit den identischen Positionen an einen wie auch immer gearteten, rechten Rand geschoben.“ Vor allem in sozialen Netzwerken tobe „teilweise ein hasserfüllter Mob, bereit, jeden sofort zum Abschuss frei zu geben, dessen Meinung nicht opportun erscheint“. Das gelte besonders für den Bereich Familie: „Während die Mehrheit der Bevölkerung das Modell Vater-Mutter-Kinder lebt, werden diejenigen, die dieses Lebensmodell aktiv verteidigen, als reaktionär, altmodisch, erzkonservativ, christlich-fundamentalistisch oder gar als faschistisch und rechts tituliert.“

„Würde auch in der taz veröffentlichen“

Kelle sieht nach eigener Aussage auch kein Problem darin, der als rechts geltenden Wochenzeitung Junge Freiheit Interviews zu geben und dort eigene Artikel zu veröffentlichen: SPD-Politiker wie Egon Bahr, Peter Glotz oder der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hätten der Jungen Freiheit ebenfalls Interviews gegeben. Der Journalist Peter Scholl-Latour habe sogar regelmäßig für das Blatt geschrieben. „Wenn die keine Berührungsängste hatten, wieso sollte ich?“, sagte Kelle gegenüber pro. Es komme darauf an, was sie sage, nicht, wo sie es sagt: „Ich würde meine Texte auch in der taz veröffentlichen, wenn sie so viel Meinungsvielfalt ertragen könnte.“ (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/wdr-loescht-gender-talkshow-93123/
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https://www.pro-medienmagazin.de/nachrichten/detailansicht/aktuell/toleranz-in-gemeinde-und-gesellschaft-79617/
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