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Aktivisten provozieren mit „Abtreiben macht frei“

Im Schaufenster einer Kölner Buchhandlung hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Abtreiben macht frei“. Den Fall um die Formulierung von Abtreibungsgegnern prüft nun die Polizei und Staatsanwaltschaft.
Von PRO
Nachbildung eines Embryos in der 10. Schwangerschaftswoche (Symbolbild)

Foto: pro

Nachbildung eines Embryos in der 10. Schwangerschaftswoche (Symbolbild)

In Köln sorgt derzeit ein Plakat von Abtreibungsgegnern für Aufruhr. In der Marienbuchhandlung in der Pipinstraße hängt in einem Schaufenster ein Bild mit der Aufschrift: „Kindermord.org – Abtreiben macht frei“. Die Formulierung stammt von Abtreibungsgegnern und ist eine Anspielung auf das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Über dessen Eingang stand der Satz „Arbeit macht frei“.

Die Gruppe „Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus“ prangert die Verwendung des Schriftzugs „Abtreiben macht frei“ auf Facebook an. Sie spricht von einer Relativierung des Holocausts.

Die Internetseite Kindermord.org ist auf dem Plakat angegeben. Hinter ihr stehen Abtreibungsgegner der „Mahn- und Gedenkstätte für die im Mutterleib ermordeten Kinder Deutschlands“, wie sie sich auf der Seite nennen.

Derzeit prüft die Kölner Staatsanwaltschaft und die Polizei, inwieweit eine Straftat vorliegt. Die Polizei hatte den Hinweis auf das Plakat auch über den Kurznachrichtendienst Twitter erhalten. Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn erklärte laut Kölner Stadt-Anzeiger einen möglichen Straftatbestand: „Infrage käme zum Beispiel der Straftatbestand der Volksverhetzung in Form einer Verharmlosung des Holocaust.“

Tweet der Polizei Nordrhein-Westfalen als Antwort auf einen Hinweis auf das Plakat, der via Twitter kam Foto: @polizei_nrw_k, Twitter
Tweet der Polizei Nordrhein-Westfalen als Antwort auf einen Hinweis auf das Plakat, der via Twitter kam

Im Hintergrund des Plakates ist der Wiesbadener Südfriedhof zu sehen. Auf dem besagten Friedhof bestattet ein Verein namens Sternengarten gemeinsam mit den trauernden Eltern totgeborene Kinder. In diesem Zuge setzt er auch die Überreste abgetriebener Embryonen bei.

Dass dieser Schriftzug von Abtreibungsgegnern eingesetzt wird, passiert nicht zum ersten Mal. Anfang Juli erhielten Bundestagsabgeordnete eine Einladung für eine „Trauerfeier für im Mutterleib ermordete Kinder“. Wie unter anderem die Frankfurter Rundschau berichtete, war der Absender damals der Vorsitzende der katholisch geprägten Deutschen Zentrumspartei, Gerhard Woitzik. Die Partei setzt sich unter anderem für den Lebensschutz ein. Das Schreiben enthielt auch eine Fotomontage, die den Eingang des Wiesbadener Südfriedhofs zeigt – versehen er mit der Aufschrift „Abtreiben macht frei“.

Die bayerische Grünen-Bundestagsabgeordnete Margarete Bause erstattete daraufhin Anzeige wegen „Volksverhetzung und allen anderen in Betracht kommenden Delikten“. Und auch die Zentrumspartei selbst nahm Abstand zu dem Vergleich: „Das ist eine Geschmacklosigkeit, die wir nicht billigen, von der wir auch keine Kenntnis hatten“, sagte Generalsekretär Christian Otte gegenüber der Rundschau. Zwar stehe seine Partei für den Lebensschutz. „Aber hier sind Grenzen überschritten.“

Von: Martina Blatt

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