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Akgün: „Islam und Liberalität passen zusammen“

Die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und Publizistin Lale Akgün hat im Welt-Interview für ein liberales Gemeindeleben von Muslimen geworben. Sie selbst hat sie die „Muslimische Gemeinde im Rheinland“ gegründet, um damit eine liberale Alternative zu konservativen Verbänden zu schaffen.
Von PRO

Foto: Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 / Wikipedia

Für Akgün passen der Islam und Liberalität zusammen. Im Interview mit der Zeitung Die Welt sagt sie: „Gelebter Glaube und westlicher Alltag vertragen sich bestens. […] Ich möchte auf Gott vertrauen, mal im Koran lesen und in den schweren Stunden, die zu jedem Leben gehören, im Gebet Kraft finden.“ Deshalb sei sie aber noch lange nicht bereit, sich „von orthodoxen Gelehrten jedes Detail meines Lebens vorschreiben zu lassen.“ Als Beispiel zieht sie heran, dass sie nach deren Ansicht kein Hanuta essen dürfte, weil bei der Herstellung Aromen eingesetzt würden, die geringste Spuren von Alkohol enthielten.

Unsinn: Andersgläubige brennen in der Hölle

Die Diskussion unter Muslimen über Alkoholgehalt in Hanuta bewertet Akgün als „Unsinn“. „Dem kann ich nicht beipflichten – genau so wenig wie dem Unsinn, dass die meisten Andersgläubigen in der Hölle brennen werden.“ Auch kritisiert sie eine Vorschrift des Fastenmonats Ramadan. Akgün möchte sich nicht sagen lassen, dass es ihre „von Gott auferlegte Pflicht [sei], im Sommer 20 Stunden lang, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, bei über 30 Grad, unter allen Umständen zu fasten. Dann könnte ich nämlich nicht mehr arbeiten.“

Für liberale Muslime sei „halal“, also nach dem islamischen Recht zulässig, „ein ethisches Gesamtkonzept“, sagt Akgün. „Dazu gehört ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln ebenso wie die Frage, ob das Geld, mit dem Lebensmittel gekauft werden, ehrlich verdient und versteuert wurde.“

Verfassungstreue unter Vorbehalt?

Steinigung, Todesstrafen für Ehebrecher oder Apostaten, Frauenbenachteiligung beim Erb- und Zeugenrecht lehne der Zentralrat der Muslime ab. Akgün mahnt an: „Aber er begründet dies mit dem Hinweis, Muslime seien gehalten, die jeweilige ‚lokale Rechtsordnung‘ zu respektieren. Kommt das von Herzen? Für mich klingt das höchst gewunden, nach Verfassungstreue unter Vorbehalt, weil es in Deutschland halt opportun ist.“

Scharf kritisiert sie den Zentralrat der Muslime: „Der Zentralrat bekommt das meiste Geld von stockkonservativen Förderern in den Golfstaaten, der Islamrat ist von der antisemitisch-islamistischen Milli-Görüs-Bewegung in der Türkei geprägt, und die Ditib (Anm. d. Red.: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ist zum verlängerten Arm des reaktionären türkischen Ministerpräsidenten Erdogan degeneriert.“ Ditib sei personell und finanziell vom türkischen Religionsministerium und damit von Erdogan abhängig.

Sie befürchtet, dass „Deutschland sich in zehn bis 15 Jahren tief gespalten haben wird entlang der Frage ‚Muslim oder nicht‘. Wer Muslim und was Islam ist, das werden allein die konservativen Verbände definieren.“ Akgün fügt hinzu: „In 15 Jahren soll bloß kein deutscher Politiker sagen, er habe davon nichts gewusst. Doch, sie alle hätten es wissen können, sie alle hätten dagegen etwas unternehmen können.“ Nach Akgüns Ansicht müsse „die Pluralität des Islam in Deutschland gesehen und gelebt werden. […] Wir verdeutlichen, dass die Politik sich in die falsche Richtung bewegt mit ihrer ausschließlichen Konzentration auf den orthodoxen Islam. Damit schadet sie Deutschland.“

„Islamischer Humanismus ist ein Gewinn“

Ein islamischer Humanismus sei für die Publizistin kein Verlust. „Für mich steht die Beziehung zwischen Gott und Mensch im Mittelpunkt. Das ist sehr islamisch. Außerdem ist es absurd, uns vorzuwerfen, wir wollten die Grundlagen des Glaubens an Gott, den Propheten und den Koran abschaffen. All das gilt auch für uns.“

Akgün sagt im Welt-Interview, dass strenggläubigen Muslime sie als Abgefallene gebrandmarkt hätten und „militante Atheisten haben mich schon als Taliban beschimpft, weil ich dazu stehe, dass der Islam eine freundliche Religion sein kann“. (pro)

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