44,5 Prozent.
Der AfD‑Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund (AfD) und die Bundessprecher Alice Weidel und Thilo Chrupalla stehen sich geradezu ekstatisch in Trioformation gegenüber. Euphorische Jubelgesten visualisieren, was die ersten Hochrechnungen der Landtagswahlen schwarz auf weiß zeigen. Einen der spektakulärsten Landtagswahlsiege, den eine Partei in der Geschichte der Bundesrepublik für sich entscheiden konnte.
Zahlreiche Medien sprachen im Vorfeld von einer Schicksalswahl. Das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Bevölkerung einer Partei rechts der CDU/CSU einen Regierungsauftrag gegeben. Es scheint somit Schicksalstag für ganz Deutschland zu sein. Doch was für die einen Sieg ist, ist für die anderen eine Niederlage.
Freilich zieht sich der Riss nicht nur zwischen die Parteien, sondern durch die ganze Gesellschaft. Auffällig dabei: Oftmals fehlt das gegenseitige Verständnis und die Wertschätzung gänzlich – auch unter Christen. Ganze Kirchengemeinden, Glaubensgeschwister und sogar Familien sind daran zum Teil erkrankt. Ein Glaube, der eint, und eine Politik, die spaltet. Die entscheidende Frage ist: Worauf legen wir den Fokus?
Doch Moment! Ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wirklich der „Schicksalstag“, von dem viele reden und schreiben?
Jesus ist unser Schickal
Der Evangelist und Autor Wilhelm Busch schrieb dazu, ohne sich dessen bewusst zu sein, ein wegweisendes Buch. Der Titel: „Jesus unser Schicksal“. Ein Buch, das wie kaum ein zweites verdeutlicht: Der einzige entscheidende Schicksalstag, der sich für die Menschheit ereignete, war vor etwa 2000 Jahren. An dem Tag, als sich der Himmel verfinsterte und der Vorhang im jüdischen Tempel in Jerusalem zerriss. Der Tag, als Jesus Christus am Kreuz auf Golgatha für die Sünden der Welt starb. Für alle die, die bereit waren, sind und sein werden, seine Vergebung anzunehmen.
Für einen Sven Schulze, eine Alice Weidel, einen Friedrich Merz und ja, sogar für einen Ulrich Siegmund oder Björn Höcke. Und ob es einem lieb ist oder nicht, er starb auch für die in unseren Gemeinden, die die Linkspartei wählen – oder eben die AfD.
Solange wir in unseren Kirchengemeinden die Liebe und Toleranz nicht hinbekommen, politisch Anderswählende zu akzeptieren und gegenseitig zu lieben, wieso sollten wir es von denen erwarten, die Jesus Christus nicht im Herzen haben? Vor dem Richterstuhl Gottes zählt am Ende nicht, welche Partei wir gewählt haben. Sondern ob wir die Rettung in Christus akzeptiert haben.
Wenn Politik Familien spaltet
Es mag herausfordernd sein, zum Haareraufen, es mag gar seelische Schmerzen verursachen. Doch genau diese Spannung auszuhalten, gehört dazu, wenn man sich für Jesus entscheidet.
Jesus Christus versprach nie einen Happy-Clappy-Rosengarten auf Erden. Er fordert seine Nachfolger bis heute heraus: Liebet eure Feinde, tut denen Gutes, die euch verfluchen. Jeder frage sich selbst: Wie gehe ich mit Familienmitgliedern oder Gemeindemitgliedern um, die die AfD oder die Linke wählen?
Am Ende entscheidet, was unser Fundament und unser Fokus sind. Solange wir vor allem auf unsere politischen Überzeugungen bauen, werden wir scheitern. Ist dieses Fundament allerdings Jesus Christus, werden wir standhaft sein. Und die Liebe wird nicht aufhören.
Solange die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt unser persönlicher Schicksalstag ist und nicht die Vergebungstat Jesu Christi, sollten wir Grundlegendes überdenken. Dann achten wir politische Identität höher als die Identität, die uns Christus anbietet. Und wir bleiben hoffnungslos gespalten.