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AfD und Zentralrat der Muslime: Geplanter Eklat

Nach einer Stunde hat die AfD das Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland abgebrochen. Beide Seiten haben viel dafür getan, dass es soweit gekommen ist – und profitieren davon. Ein Kommentar von Nicolai Franz
Von Nicolai Franz
Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry brach das Treffen mit dem Zentralrat der Muslime vorzeitig ab (Archivbild)

Foto: pro/Anna Lutz

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry brach das Treffen mit dem Zentralrat der Muslime vorzeitig ab (Archivbild)
„Seit 17.30 Uhr sagen wir Aiman und Frauke zueinander“, verkündet die AfD-Vorsitzende Petry in der Lobby des Berliner Regent-Hotels in die Kameras. Neben ihr steht ein müder, aber glücklicher Aiman Mazyek. Er ist zufrieden mit dem Treffen zwischen dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und der Alternative für Deutschland (AfD): „Sicher gibt es in einzelnen Punkten noch unterschiedliche Auffassungen, aber im Grunde sind wir uns einig, dass wir in guter Nachbarschaft zum Wohle Deutschlands einiges beizutragen haben.“ Natürlich ist dies so nicht passiert. Nur die größten Optimisten dürften es für denkbar gehalten haben, dass das von großem Medieninteresse begleitete Gespräch zwischen AfD und ZMD mit der Feststellung von Gemeinsamkeiten geendet hätte. Stattdessen brach die AfD das Gespräch nach einer Stunde empört ab. Es begann damit, dass der Zentralrat den AfD-Vertretern eine handgewidmete Version des Grundgesetzes schenkte – natürlich eine bittersüße Provokation. Eine Diskussion auf Augenhöhe sei nicht möglich gewesen, sagte Petry vor Journalisten. Der ZMD habe nicht davon abrücken wollen, die AfD mit der NSDAP zu vergleichen. Außerdem habe der Zentralrat von den AfD-Vertretern gefordert, ihr Parteiprogramm zu ändern. Für Mazyek ist es in Teilen grundgesetzwidrig, wenn es zum Beispiel vorschreibe, wie „wir unsere heiligen Stätten, unsere Moscheen, zu bauen haben“. Der Populismus der AfD sei eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden.

Beide Seiten fühlen sich als Sieger

Die Fronten haben sich durch das Gespräch also sogar noch verhärtet. Wundern muss sich keiner darüber. Denn wer rhetorisch derart brachial auftritt, wie es AfD und auch ZMD getan haben, erwartet keinen ergebnisorientierten Dialog. Das Treffen und der angebliche Eklat waren ein peinliches Spiel. Nach übereinstimmenden Medienberichten hatten sich die AfD-Vertreter im Vorfeld auf einen Abbruch der Gespräche geeinigt, sollte der Zentralrat seinen Nazi-Vergleich nicht zurücknehmen. Nach dem Abbruch der Gespräche dürfen sich dennoch beide Seiten als Sieger fühlen: Der Zentralrat unter Führung seines medial geschickt agierenden Vorsitzenden Mazyek kann sich von seinen Anhängern als aufrechter Verteidiger demokratischer Werte feiern lassen, während die AfD ihren Anhängern verkünden kann, dass mit dem Zentralrat der Muslime offenbar kein sachlicher Dialog zu führen ist. Dass Petry und Mazyek Duz-Freunde werden, ist wohl eher nicht zu erwarten. Ob wenigstens irgendwann ein respektables „wir stimmen darin überein, nicht übereinzustimmen“ drin wäre? Der politischen Debattenkultur würde es gut tun. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/afd-bricht-gespraech-mit-muslim-rat-ab-96179/
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