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Ägypten: Toleriert Regierung den Terror?

"Rechtlich waren und sind Christen in islamischen Gesellschaften nachgeordnet, benachteiligt, Bürger zweiter Klasse." Darauf hat die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Mittwoch hingewiesen.
Von PRO

Foto: Privat

In ihrem Gastbeitrag stellte die Islamwissenschaftlerin die Frage: Wollten die Ägypter den Anschlag auf die Kopten nicht verhindern? Koptische Christen in Deutschland sind der Ansicht, dass der Terror gegenüber Christen in Ägypten von der Regierung toleriert wird.

Schirrmacher, die als Professorin für Islamische Studien an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Leuven (Belgien) lehrt, legte in dem Artikel anhand der Geschichte Mohammeds dar, wie es zum Überlegenheitsgefühl der islamischen Theologie allen anderen Religionen gegenüber gekommen ist. Dieses Überlegenheitsgefühl führe dazu, dass Juden und Christen in dem Ruf stehen, einer minderwertigen Religion anzugehören. Christen wären in islamischen Gesellschaften "höhere Posten in der Armee und dem Staatsdienst, an der Universität und bei den Sicherheitskräften grundsätzlich verwehrt". Dadurch, dass in Ägypten die Religionszugehörigkeit im Pass vermerkt sei, komme es im Alltag zu vielen Diskriminierungserfahrungen.

Polizei reduzierte Sicherheitskräfte

Das Empfinden der Rechtlosigkeit bei den christlichen Kopten in Ägypten werde nicht nur durch singuläre Ereignisse genährt, sondern vor allem durch mancherlei Diskriminierungen im Alltag, gegen die es keine Berufungsmöglichkeiten gebe. Die grundsätzliche Haltung der Überlegenheit und die staatlich-rechtliche Bevorzugung der muslimischen Mehrheit schüfen ein Klima, in dem gegen Übergriffe nicht immer mit aller zur Verfügung stehenden staatlichen Härte vorgegangen werde, schreibt Schirrmacher, die auch wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Evangelischen Allianz ist. "Strafverfahren werden teilweise halbherzig betrieben oder verlaufen im Sande." Anlässlich der Anschläge von Alexandria sei nun bekannt geworden, dass in der Nacht vor dem Attentat und trotz der großen Zahl von rund zweitausend Gottesdienstbesuchern die Polizei ihre Sicherheitskräfte auf fünf Personen reduziert und nichts unternommen habe, als ein Skoda gut sichtbar direkt gegenüber dem Kirchengebäude parkte, von dem aus die Bombe gezündet wurde.

Schirrmacher vertritt die Ansicht, dass sich "der politische Islam, der Islamismus und Extremismus" die koranischen Grundlagen für die Nachrangigkeit von Christen und Juden und deren gesellschaftlich-rechtliche Benachteiligungen in den vergangenen vierzig Jahren massiv zunutze gemacht habe. Es sei deshalb Zeit, nicht nur die Anschläge selbst zu verurteilen, sondern auch "die ideologischen Grundlagen islamistischer Wortführer und Scharia-Befürworter aufzudecken, um den Wurzeln für solche Taten zu Leibe zu rücken".

"Die Ursache ist die Verfassung"

Unterstützung erhält Schirrmacher dabei von den Mitgliedern des koptischen Klosters im mittelhessischen Waldsolms-Kröffelbach. Ausschreitungen würden passieren, "wenn Hassprediger den Menschen den Koran näherbringen", seien sich die Kopten einig, schrieb die "Wetzlarer Neue Zeitung" (WNZ) am Mittwoch.  Der Abt, Mönchserzpriester Abuna Michael El Baramousy, sehe den Anschlag in der Neujahrsnacht nicht als grausame Einzeltat, sondern als vorläufigen Höhepunkt in einer Reihe blutiger Verbrechen. Immer wieder würden Christen in Ägypten Opfer von Gewalttaten. "Terror gegenüber Christen wird in Ägypten von der Regierung toleriert", zitiert die WNZ ein Gemeindeglied. Die ägyptischen Behörden würden Christen deutlich schlechter behandeln als Moslems, denn: "Die Ursache ist die Verfassung. Ägypten ist ein islamisches Land."

Das St.-Antonius-Kloster in Kröffelbach mit seinen zehn Priestern, Diakonen und Novizen gelte als spirituelles Zentrum der Kopten, weil dort Gläubige in mehrjährigem Theologiestudium ausgebildet würden, schreibt die WNZ. Die Studierenden kämen hauptsächlich aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Zurzeit habe das Kloster etwa 40 Studierende. (pro)

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