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“Abtreibung sollte Top-Thema für Menschenrechtler sein”

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Hartmut Steeb, hat in einem Interview mit dem katholischen Nachrichtenportal "kath.net" Stellung zu ethischen Fragen bezogen. Dabei bezeichnete er Abtreibungen als "Menschenrechtskatastrophe" und forderte mehr Anerkennung für Mütter.
Von PRO

Foto: DEA

Auf die Frage, ob Deutschland noch ein kinderfreundliches Land sei, antwortete Steeb, der Begriff "noch" sei in diesem Zusammenhang falsch, da Deutschland bereits seit mindestens 50 Jahren nicht mehr kinderfreundlich sei. "Selbst dort, wo man anscheinend familienpolitische Unterstützung gewähren will, um Kinder zu fördern, geht es bei genauem Hinsehen nicht um das Wohl der Kinder, sondern um die Frage, wie man trotz Kinder irgendwie sein Leben meistern kann", erklärte er. Kinder würden oftmals als Karriere-Killer und Hindernisse zur Selbstentfaltung angesehen. Diese Mentalität müsse sich zu Gunsten von mehr Anerkennung für Mütter ändern. Viele Mütter stellten ihr Leben in den Dienst ihrer Kinder und damit der Zukunft der Gesellschaft und seien bereit, deswegen auf so manches zu verzichten. "Darum sollte diese Tätigkeit endlich genau so viel staatliche Unterstützung wert sein wie die außerfamiliäre Betreuung", findet Steeb.

Zum Thema Abtreibung wies der Generalsekretär der DEA darauf hin, dass die Abtreibungszahlen "bei weitem" alle Unglücksfälle der Welt, Hungertote, Epidemie-Tote und Aids-Tote, überstiegen. "Es ist die Menschenrechtskatastrophe Nummer 1, dass Abtreibungen in diesem Ausmaß stattfinden (…) und noch öffentlich gefördert werden", sagte Steeb. "Ich kann nicht verstehen, dass die Bekämpfung der Abtreibung nicht das Top-Thema aller Menschenrechtler und Demokraten ist. Hier würde sich aller Einsatz lohnen!"

Der Mensch habe nicht das Recht, über den Zeitpunkt seines Sterbens zu bestimmen, sagte Steeb zum Thema Sterbehilfe. Einen Gestorbenen, der sich das Leben genommen habe, solle man deswegen nicht verurteilen – "anderen aber zum Sterben zu verhelfen ist erst recht nicht unsere Aufgabe". Im Hinblick auf die Debatte um Organspenden erklärte Steeb: "Natürlich darf jeder seine Organe und auch sein ganzes Leben spenden für andere Menschen in Not." Es gebe jedoch kein Recht eines kranken Menschen auf ein Spendeorgan, und jeder Druck auf Menschen zur Organspende sei aus seiner Sicht "verwerflich".

"Nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen"

"kath.net" fragte Steeb auch nach seiner Einschätzung über die Diskussion innerhalb verschiedener Evangelischer Landeskirchen zur Homosexualität. Er könne nicht verstehen, dass diese sich hier "dem Zeitgeist öffnen, obwohl noch vor wenigen Jahren die Evangelische Kirche in Deutschland klar festgestellt hat, dass die Bibel kein positives Wort zur gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft kennt". Es sei wünschenswert, dass "allein die Schrift" das kirchliche Denken bestimme.

Mit Blick auf die Ökumene betonte Steeb, wie wichtig Jesus die Einheit seiner Jünger gewesen sei. "Und es wird immer wichtiger im Hinblick auf eine immer mehr säkularisierte Gesellschaft, die aus meiner Sicht nach einem eindeutigen und gemeinsamen Zeugnis der Christen geradezu ruft." (pro)

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