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Abdel-Samad und Khorchide streiten über Islam

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und der muslimische Theologe Mouhanad Khorchide streiten über den Islam in unserer Gesellschaft. Der eine hält den Propheten für gewalttätig, der andere schreibt dem Islam Barmherzigkeit zu. Ihre Diskussion veröffentlichen sie in einem Buch.
Von PRO
Der Kritiker Hamed Abdel-Samad erkennt Gewalt im Islam
Der Kritiker Hamed Abdel-Samad erkennt Gewalt im Islam
Der aus Ägypten stammende Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und der Islamwissenschaftler palästinensischer Abstammung Mouhanad Khorchide, sind sich darin einig, dass der Islam einer Reform bedarf. Das ist aber bereits alles, was die beiden verbindet. Abdel-Samad hält den Islam für nicht reformierbar, während Khorchide die Barmherzigkeit ins Zentrum eines liberalen Islams stellt und ihn so reformieren will. Ihre Sichtweisen haben die beiden Autoren nun als Streitgespräch in einem Buch unter dem Titel „Zur Freiheit gehört, den Islam zu kritisieren“ im Herder-Verlag veröffentlicht. Darin gehen die Autoren unter anderem der Frage nach, ob der Islam ein Gewaltproblem hat – an dieser Frage entzündet sich der hitzige Streit. Bei der Buchvorstellung am Mittwoch in Berlin erklärte Khorchide, es gelte, zwischen den verschiedenen Sichtweisen über den Islam zu differenzieren. Im Buch schreibt Khorchide: „Eine bestimmte Lesart des Islam hat auf jeden Fall ein großes Gewaltproblem. Wir dürfen aber nicht pauschalisieren.“ Jedoch auch Aussagen, die den Islam „durchweg als friedlich oder durchweg gewaltfrei“ darstellten, gingen an der Realität vorbei.

Samad: Keiner kann Gewaltproblem leugnen

Von einer Differenzierung wollte Abdel-Samad bei der Buchvorstellung nichts wissen: „Das bringt am Ende wenig. Man versucht Menschen abzulenken, indem man sagt: ‚Den einen Islam gibt es nicht.‘“ Wer über den Islam reden wolle, müsse sich vielmehr die islamischen Eroberungen in der Geschichte ansehen. „Dann kann kein Mensch sagen, dass der Islam kein Gewaltproblem hat“, sagte Abdel-Samad. Verschiedene Passagen des Koran verherrlichten eindeutig Gewalt. Der Prophet habe allein in seinen letzten acht Lebensjahren mehr als 80 Kriege und Feldzüge geführt. „Dann kann kein Mensch ernsthaft behaupten, dass dieser Prophet ein friedlicher Prophet war oder barmherzig oder humanistisch.“ Der Islam habe kein Problem mit Gewalt, weil „der Islam mit Gewalt geboren“ worden sei, erklärte Abdel-Samad. Ohne Gewalt gäbe es den Islam nicht. Khorchide verwies darauf, dass die Wissenschaft bislang sehr wenig über Mohammed wisse. „Wir haben eine Materialproblem“, erklärte der muslimische Theologe. Es gebe kein authentisches Wissen über das Leben des Propheten. Zwischen dem Koran und der Biografie des Propheten müsse unterschieden werden, das Wissen über das Leben Mohammeds ist seiner Auffassung nach „spekulativ“. Man dürfe keine einzelnen Positionen aus dem Koran herauspicken und anhand der Textstellen erklären: Das ist der Islam. Es gelte, in jedem Text den dahinterliegenden Geist zu erkennen. „Der Geist der Barmherzigkeit ist durch und durch im Koran“, erklärte Khorchide.

Mit Muslimen nicht wie mit Kindern umgehen

Abdel-Samad sieht dagegen die Gewalt als „den Tenor“ des Koran. „Der Geist des Koran ist nicht für das Leben oder die Barmherzigkeit, sondern eindeutig für Ausgrenzung gegenüber Andersgläubigen und Ungläubigen.“ Nach Abdel-Samads Auffassung gelte es, die rund 1,6 Milliarden Muslime auf der Welt „nicht wie Kinder zu behandeln, zu bemuttern, und zu sagen: ‚Sie sind noch nicht so weit. Sie können die Kritik nicht vertragen.‘ Man muss die Probleme benennen“. Die muslimische Glaubensgemeinschaft sei „kein Weltkindergarten“. Er wolle mit Muslimen nicht umgehen wie mit Kindern. „Ich finde, es ist die höchste Form des Respekts und des Ernstnehmens, dass man seinem Gegenüber zutraut, dass sie nicht ausflippen, wenn sie Kritik hören, sondern das aufnehmen und darüber nachdenken“, erklärte der Islamkritiker. Bei allen Meinungsverschiedenheiten wünschte Abdel-Samad Khorchide Erfolg mit seinem „Konzept vom barmherzigen Islam“. Wenn er das schaffe, brauche Abdel-Samad keine islamkritischen Bücher mehr zu schreiben. Jedoch meint er, dass dieses Konzept nicht den authentischen Islam darstelle, den man aus der Geschichte und der Exegese kenne. Khorchides Idee eines aufgeklärten, zukunftsorientierten „Euroislam“ verlange, dass man sich von authentischen Teilen des Islam trennen müsse. Abdel-Samad appellierte an Khorchide, verstärkt mit seinen Ideen in die Offensive zu gehen. Beide, der Kritiker Abdel-Samad und der Reformer Khorchide haben mit Anfeindungen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft zu kämpfen und stehen nach eigenen Angaben derzeit unter Polizeischutz. (pro)

Hamed Abdel-Samad/Mouhanad Khorchide: „Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren“, Herder-Verlag, 128 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978-3-451-27146-5

https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/abdel-samad-kritisiert-umgang-der-kirchen-mit-dem-islam-93776/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/wie-viel-reform-braucht-der-islam-94926/
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/das-traurigste-interview-meines-lebens-93777/
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