Tiktok gefährdet nach vorläufiger Einschätzung der EU-Kommission durch sein Empfehlungssystem die psychische Gesundheit seiner Nutzer. Das Unternehmen, das zum chinesischen Bytedance-Konzern gehört, müsse Änderungen am Algorithmus seines „For You“-Feeds vornehmen, ansonsten drohe eine Strafe, teilte die Behörde am Freitag in Brüssel mit.
Tiktok verstoße wegen des sogenannten Rabbit-Hole-Effekts (Kaninchenbau-Effekt) seines Empfehlungssystems gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA), erklärte die EU‑Kommission. Mit dem Effekt ist gemeint, dass Nutzer immer tiefer in ein Thema hineingezogen werden und sich darin verlieren, wie Alice im Wunderland im Kaninchenbau in dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker.
Kontinuierlicher Strom ähnlicher Inhalte
Der Tiktok-Feed „For You“ zeige den Nutzern einen kontinuierlichen Strom personalisierter Videos, auch wenn diese mit psychischen Problemen und dem Körperbild zusammenhängen, erklärte die Brüsseler Behörde. Je mehr ein Nutzer mit einer bestimmten Art von Inhalten interagiere, desto mehr empfehle der Algorithmus ähnliche Inhalte. Negative Effekte auf die psychische Gesundheit seien insbesondere bei schutzbedürftigen Erwachsenen und Minderjährigen zu befürchten.
Nach Angaben der EU-Kommission hatte Tiktok bereits bestimmte Maßnahmen ergriffen, um das Risiko zu mindern. Diese seien jedoch nicht wirksam. Tiktok hat nun die Möglichkeit, auf die vorläufigen Feststellungen der Kommission zu antworten. Wird die Auffassung der Kommission bestätigt, droht dem Unternehmen eine Geldbuße in Höhe von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Gesamtjahresumsatzes.
Die Untersuchung der EU-Kommission zur Einhaltung des DSA durch Tiktok befasste auch bereits mit dem Schutz Minderjähriger sowie mit dem potenziell süchtig machenden Design der App. Außerdem veröffentlichte die Kommission im Oktober 2025 vorläufige Feststellungen zum Zugang zu öffentlichen Daten für Forschende. Eine Prüfung zur Werbetransparenz wurde durch verbindliche Zusagen von Tiktok im Dezember 2025 abgeschlossen.