Dirigent Blomstedt mit 99 Jahren gestorben

Herbert Blomstedt ist tot. Der mehrfach ausgezeichnete Dirigent war neben seiner musikalischen Expertise auch für seinen religiösen Lebensstil als Siebenten-Tags-Adventist bekannt.
Von: epd/Swanhild Brenneke
Herbert Blomstedt im Jahr 2023

Der Dirigent Herbert Blomstedt ist tot. Er ist am 4. November im Alter von 99 Jahren im schwedischen Göteborg im Kreis seiner Familie gestorben, wie das Leipziger Gewandhaus mitteilte. Blomstedt war in Leipzig von 1998 bis 2005 Gewandhauskapellmeister und wurde später Ehrendirigent des Orchesters.

Mit ihm verliere das Gewandhaus „einen der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit, einen außergewöhnlichen Musiker und einen Menschen von seltener Bescheidenheit, Integrität und Güte“, hieß es. Über Jahrzehnte habe Blomstedt das musikalische Leben Leipzigs geprägt. Der Dirigent und Musiker sei dem Publikum und dem Gewandhausorchester „mit außergewöhnlicher Zuneigung und tiefem Respekt“ begegnet.

Zuvor war er unter anderem Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Noch im hohen Alter stand er am Pult weltweit führender Orchester. 2022 wurde ihm für sein herausragendes Wirken das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Bereits 2017 ehrte ihn die Stadt Leipzig mit ihrer Ehrenmedaille.

Keine Proben am Samstag

Blomstedt wurde 1927 in Springfield im US‑Bundesstaat Massachusetts geboren, als Sohn schwedischstämmiger Eltern. Sein Vater Adolf war Missionar bei den Siebenten-Tags-Adventisten. Seine musikalische Ausbildung absolvierte Herbert Blomstedt unter anderem in Schweden, am Königlichen Konservatorium in Stockholm, an der Universität Uppsala und in den USA an der Juilliard School of Music in New York City. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er auch unter Leonard Bernstein.

Im Laufe seines Lebens leitete er als Dirigent mehrere bedeutende Orchester und wurde bei einigen zum Ehrendirigenten ernannt, darunter beim Gewandhausorchester in Leipzig, bei den Wiener Philharmonikern, beim San Francisco Symphony, bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden und beim Schwedischen Radio-Sinfonieorchester Stockholm.

Blomstedt erhielt zudem zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Bach-Medaille der Stadt Leipzig oder den Opus Klassik für sein Lebenswerk.

Wie sein Vater war er ein bekennender Siebenten-Tags-Adventist. Er lehnte es ab, freitags bei Einbruch der Dunkelheit oder samstags zu proben oder aufzutreten, weil er sich streng an den Ruhetag seiner Glaubensgemeinschaft hielt. Die Siebenten-Tags-Adventisten feiern den Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend, als biblischen Ruhetag und Zeichen der Schöpfung. Außerdem lebte Blomstedt streng vegetarisch und begründete das mit seinem Glauben. „Genüsse stehen nicht sehr hoch auf meiner Wunschliste. Ich genieße fast alles, was ich tue, aber nicht des Genusses wegen. Der Genuss ist eine Begleiterscheinung zu dem, was ich mache“, sagte er einmal.

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