Rachel: Verstöße gegen Religionsfreiheit nehmen deutlich zu

In Berlin haben Politiker und Menschenrechtler die Jahrbücher für Religionsfreiheit vorgestellt. Der Beauftragte der Bundesregierung für das Thema, Thomas Rachel, zeigte sich besorgt und berichtete von einem Besuch in Jordanien.
Von Martin Schlorke
Thomas Rachel

Weltweit nehmen die Verstöße gegen die Religionsfreiheit deutlich zu. Das sagte der Beauftragte für Religions- und Weltanschauungsfreiheit der Bundesregierung, Thomas Rachel, am Mittwoch in Berlin. Anlass war die Vorstellung der Jahrbücher Religionsfreiheit. Der CDU-Politiker macht für diese Entwicklung eine „massive Zunahme“ an autoritären Staaten weltweit verantwortlich. Diese Staaten wollten Kontrolle ausüben – auch über Religion und deren Ausübung. Laut Rachel sei Religionsfreiheit ein Gradmesser. Denn dort, wo Religionsfreiheit nicht gegeben sei, würden auch andere Menschenrechte verletzt.

Wenige Stunden vor der Pressekonferenz war Rachel eigenen Angaben zufolge in Jordanien. Dort besuchte er die Angehörigen der Opfer des Anschlags vom 20. Oktober auf die christliche Gemeinde in Hammoud. Bei dem islamistischen Anschlag kamen neun Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Aus Sicht von Rachel sei es „ein Stück Gottesführung“ und kluges Agieren der Gläubigen gewesen, dass es nicht noch mehr Opfer gab. Zum Zeitpunkt des Anschlags hatten sich mehr als 250 Gläubige versammelt.

Als „skandalös“ bezeichnete Rachel die Situation für Christen im mittelamerikanischen Nicaragua. Kirchliche Akteure und Laien würden überwacht, verfolgt und unterdrückt. Zudem würden kirchliche Vertreter ausgewiesen und deren Einrichtungen geschlossen. Rachel sprach ebenfalls über die Situation von Christen in Pakistan und China. In dem kommunistischen Land beklagte Rachel eine Sinisierung der Religionen. Diese müssten sich der chinesischen Mehrheitsgesellschaft anpassen.

Religionsfreiheit doppelt bedroht

Am Mittwoch sprach ebenfalls die Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat, Gudrun Kugler. Aus ihrer Sicht müssten verfolgte Frauen mehr in den Blickpunkt gerückt werden. Denn Frauen seien in besonderem Maße von Diskriminierung und Verfolgung aufgrund ihres Glaubens betroffen. Zudem würde die Verfolgung bei Frauen anders aussehen. So seien Frauen besonders von sexueller Gewalt und Zwangsheirat betroffen. Vergewaltigung würde oftmals systematisch eingesetzt, um Traumata an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Der Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, sieht die Religionsfreiheit weltweit gleich doppelt bedroht, „durch diejenigen, die sie mit Füßen treten, und durch diejenigen, die sie aus der internationalen Politik verdrängen“. Neben zunehmender Verfolgung erkenne er auch einen schwindenden politischen Willen, diese zu verteidigen. Grund dafür seien etwa geopolitische Machtkämpfe oder energiepolitische Abhängigkeiten. Schirrmacher warnte: „Wer die Religionsfreiheit aus der internationalen Politik verdränge, schafft den Verfolgern neue Freiräume.“

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