Das katholische Erzbistum New York hat sich mit rund 1.300 Menschen, die ihm sexuelle Übergriffe durch Geistliche und weitere kirchliche Mitarbeiter vorwerfen, auf einen Vergleich über insgesamt 800 Millionen US-Dollar geeinigt. Das berichtet „Vatican News“ am Montag. Nach Angaben einer beteiligten Anwaltskanzlei haben alle Anspruchsteller dem Vergleich zugestimmt. Rechtsverbindlich wird die Vereinbarung erst mit der Unterzeichnung, die für Anfang November vorgesehen ist.
Die Einigung soll die mehrere Jahre dauernden Rechtsstreitigkeiten beenden. Möglich wurden zahlreiche Klagen durch das 2019 verabschiedete Gesetz „Child Victims Act“. Es erleichterte Betroffenen von sexuellem Kindesmissbrauch, auch wegen lange zurückliegender Taten zivilrechtlich vorzugehen. Die Parteien hatten sich bereits im Mai auf einen Rahmen für den Vergleich verständigt.
Entschädigung und Veröffentlichung von Akten
Die Betroffenen können nach Angaben ihrer Anwälte eine Pauschalzahlung von 250.000 Dollar wählen oder ihren Anspruch einzeln prüfen lassen. Bei einer solchen Prüfung ist eine höhere Entschädigung möglich, aber nicht garantiert. Der Vergleich verpflichtet das Erzbistum, die Namen glaubhaft beschuldigter Täter öffentlich zugänglich zu machen und die Liste zu aktualisieren. Nach Abschluss der Verfahren sollen außerdem bislang zurückgehaltene Akten über beschuldigte Priester veröffentlicht werden.
Erzbischof Ronald Hicks erklärte in einer E-Mail an Priester seines Erzbistums, er hoffe auf ein gewisses Maß an Heilung und Versöhnung für die Betroffenen. Die Einigung solle es der Erzdiözese ermöglichen, sich wieder stärker auf Seelsorge, Bildung und soziale Arbeit zu konzentrieren. Opferanwalt Jeff Anderson betonte dagegen, die Entschädigung sei kein vollständiger Ausgleich für das erlittene Leid.
Erzbistum umfasst nur einen Teil der Stadt
Das Erzbistum New York zählt nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Katholiken. Es ist weder mit der Stadt noch mit dem Bundesstaat New York deckungsgleich. Zur Erzdiözese gehören die Stadtbezirke Manhattan, Bronx und Staten Island sowie die sieben nördlich gelegenen Landkreise Westchester, Rockland, Putnam, Orange, Dutchess, Ulster und Sullivan. Die Stadtbezirke Brooklyn und Queens gehören hingegen zum eigenen Bistum Brooklyn.
Der Vergleich über 800 Millionen Dollar wäre der zweithöchste bekannte Missbrauchsvergleich einer katholischen Erzdiözese in den USA. Nur das Erzbistum Los Angeles vereinbarte einem Medienbericht zufolge 2024 mit 880 Millionen Dollar eine höhere Summe.