Die Feministin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer beabsichtigt, ihr feministisches Magazin „Emma“ nach fast 50 Jahren einzustellen. Nach Angaben der Tagesschau soll die letzte Ausgabe am 8. Dezember erscheinen. Wirtschaftliche Gründe seien für die Entscheidung nicht ausschlaggebend, erklärte die 83-jährige Gründerin am Mittwoch. „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“ Die Redaktion habe über drei Generationen hinweg für Frauenrechte gekämpft und sei inzwischen ermattet.
Die erste Ausgabe von „Emma“ erschien am 26. Januar 1977. Schwarzer wollte Frauen eine eigene publizistische Stimme geben, weil sie die damalige Medienlandschaft als frauenfeindlich empfand. Die Zeitschrift entwickelte sich zu einem der bekanntesten feministischen Medien Deutschlands und griff früh Themen wie sexuellen Missbrauch von Kindern, Gewalt gegen Frauen, Genitalverstümmelung und die Benachteiligung von Frauen in Politik und Gesellschaft auf.
Gemeinsame Themen mit Christen
Obwohl sich Schwarzers Feminismus in grundlegenden Fragen von konservativen christlichen Überzeugungen unterscheidet, gibt es bei einzelnen gesellschaftlichen Themen Überschneidungen. Dazu zählt insbesondere die Kritik an Pornografie und Prostitution. „Emma“ wandte sich über Jahrzehnte gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Frauen. Christen kritisieren ebenso wie Schwarzer Pornografie und Prostitution – sie verweisen dabei jedoch auf die Menschenwürde und ein christliches Verständnis von Sexualität.
Auch beim Einsatz gegen sexuellen Missbrauch, Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen gibt es Berührungspunkte. Unterschiedlich sind allerdings häufig die Begründungen: Während Schwarzer vor allem Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen kritisiert, berufen sich Christen auf die von Gott gegebene Würde jedes Menschen.
Schwarzer kritisierte zudem wiederholt den Islam wegen patriarchalischer und frauenfeindlicher Praktiken. Viele Christen üben ebenfalls Kritik am Islam, dann jedoch vor allem wegen der Unterdrückung ihrer Glaubensgeschwister.
Evangelikale Christen waren aber auch selbst Gegenstand von Schwarzers Kritik. In einem „Welt“-Kommentar hatte sie Evangelikale mit Islamisten verglichen und angeführt, dass der fundamentale Unterschied zwischen den Geschlechtern und eine Unterwerfung unter Gottesgesetze deren gemeinsames Credo sei.
Deutliche Gegensätze zwischen „Emma“ und weitläufigen christlichen Positionen bestehen dagegen beim Thema Abtreibung. Schwarzer setzt sich mit ihrem Magazin seit Jahrzehnten für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und für ein Recht auf Abtreibung ein. Viele Christen betonen demgegenüber den Schutz des ungeborenen Lebens und lehnen Abtreibung grundsätzlich ab.
Das Redaktionsarchiv von „Emma“ soll Medienberichten zufolge im Sommer 2027 dem Deutschen Literaturarchiv Marbach übergeben werden und ab 2029 für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sein. Die letzte Ausgabe des Magazins blickt im Dezember auf die wichtigsten Themen aus fünf Jahrzehnten zurück.