Eine Teufels-Statue sorgt im baden-württembergischen Esslingen seit rund einer Woche für Aufruhr. Seit dem 4. Oktober steht der „Zwieblinger Teufel“ auf dem Esslinger Rathausplatz. Der Legende nach besuchte der Teufel einst den Wochenmarkt in Esslingen. Doch eine kluge Marktfrau erkannte ihn an seinem Pferdefuß und dem Schwefelgeruch und reichte ihm statt eines Apfels eine Zwiebel. Voll Zorn verspottete er daraufhin die Esslinger als „Zwiebel“ und verließ die Stadt, ohne jemals zurückzukehren. Bis heute werden die Esslinger deswegen auch Zwiebel oder Zwieblinger genannt.
Anlässlich des 1.250‑jährigen Stadtjubiläums hat die Sektkellerei Kessler der Stadt die Teufels-Statue geschenkt. Geschaffen hat die 2,5 Meter hohe und 500 Kilogramm schwere Skulptur der Künstler Tim Bengel.
Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, waren die Reaktionen am Tag der Enthüllung positiv. Rund 300 Esslinger waren dabei, als Bengel die Statue enthüllte. Bengel erklärte, dass er sich bewusst für die Figur des Teufels als Bösewicht und Unterlegenen entschieden hat. „Die Skulptur zeigt ihn in seinem Moment der Schwäche, überragt von einer Zwiebel und überlistet von den Esslingerinnen und Esslingern.“
Farbangriff
Doch scheinbar denkt nicht jeder so. Laut „Stuttgarter Nachrichten“ hätten sich Kirchenvertreter die Marktfrau als Heldin der Geschichte als Kunstwerk gewünscht. Auch in den sozialen Medien gibt es Kritik daran, den Teufel als Skulptur gewählt zu haben. Online verbreitete Aufrufe wurden zur Anzeige gebracht.
In der Nacht auf den 10. Oktober hatten schließlich Unbekannte die Bronzefigur mit schwarzer Farbe besprüht – unter anderem ein Christusmonogramm. Die Polizei hat bislang keine Tatverdächtigen ermitteln können.
Künstler nimmt Christen in Schutz
Gegenüber PRO erklärte die Stadt, dass es nicht die Absicht ist, mit der Skulptur den Teufel oder das Böse zu verherrlichen. Vielmehr solle so an den Einfallsreichtum der Esslinger erinnert werden. Zwar habe man Verständnis für Kritik an dem Kunstwerk, werde dieses aber nicht entfernen.
Genau das fordert derweil eine Online-Petition. Diese haben mittlerweile rund 5.300 Menschen unterzeichnet. Darin heißt es: „Ein christlich geprägtes Land, ein Weihnachtsmarkt-Stadtzentrum, Familien mit Kindern – die goldene Teufels-Figur sendet Signale, die viele Esslinger nicht mit ihrer Identität verbinden können.“
Bengel meldete sich nach Bekanntwerden der Sachbeschädigung auf Instagram und warnte davor, pauschal über Christen zu urteilen: „Nur weil jemand für seinen Vandalismus ein christliches Symbol benutzt, lässt sich daraus nichts über Christen im Allgemeinen ableiten. Im Gegenteil: Die Christen, die ich kenne, leben ihren Glauben als Religion der Nächstenliebe und der Rücksichtnahme.“