Kommentar

Nationalmannschaft: Kritik am Spiel, aber nicht an der Hautfarbe

Nach dem WM-Aus und dem anschließenden Trainerwechsel diskutiert Deutschland erneut über die Nationalmannschaft. Diesmal wird um die Hautfarbe der Spieler gestritten. Geht’s noch?
Von Martin Schlorke
Nationalmannschaft

Vor nicht allzu langer Zeit haben sich (neben vielen anderen) auch AfD-Funktionäre und Akteure aus AfD-Vorfeldorganisationen über den Umgang mit Nationalspieler Felix Nmecha beschwert. Dieser hatte sich während der Weltmeisterschaft im Sommer mehrfach öffentlich zu seinem christlichen Glauben bekannt. Aus dem Mannschaftsbus stieg er mit einer Bibel in der Hand aus. Bei seinem Torjubel kniete er nieder und legte eine imaginäre Krone ab – ein Zeichen dafür, dass Christus der Herr in seinem Leben ist. Und schließlich betete er nach Abpfiff gemeinsam mit Jonathan Tah und einigen Gegenspielern aus Curaçao.

AfD-Politikerin Beatrix von Storch schrieb damals auf „X“, dass Christus nun in der Mitte der Nationalelf stehe oder, dass nun „deutsche Nationalspieler im Namen des Herrn“ spielen. Der neurechte Autor Benedikt Kaiser sah Nmecha als einen Kämpfer gegen die „linksliberale Hegemonie“.

Heute, wenige Wochen nach der Weltmeisterschaft, scheinen Nmecha und seine Teamkameraden wie Jonathan Tah nicht mehr die Rettung des christlichen Abendlandes zu sein, sondern vielmehr dessen Untergang. Denn seit einigen Tagen sind die sozialen Netzwerke voll mit vor Rassismus triefenden Posts.

Da ist etwa der AfD-Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk, der einen Post der rechten Influencerin Naomi Seibt teilt. Zu sehen: die Nationalmannschaft von 1990 und die aktuelle Auswahl. Dazu schreibt sie: „Großer Austausch“. Gemeint ist damit die rechtsextreme Verschwörungserzählung, wonach angeblich eine politische und jüdische Elite die Abschaffung weißer Deutscher plane. Demnach sei Migration das Mittel, um dieses angebliche Ziel zu erreichen.

Fall für den Verfassungsschutz

Wie der „Spiegel“ berichtet, verbreiteten auch Mitglieder der AfD-Jugendbewegung „Generation Deutschland“ (GD) solche Bilder. Der sächsische GD-Funktionär und Dresdner AfD-Stadtrat Fabian Keubel schreibt etwa: „20 Jahre totaler Niedergang. 20 Jahre radikaler Bevölkerungsaustausch“. Nur Remigration könne das wieder in Ordnung bringen.

Die brandenburgische AfD‑Landtagsabgeordnete Lena Kontré schreibt: „Wenn dich dieses Foto irritiert, bist du ein Fall für den Verfassungsschutz.“ Damit hat die Frau ironischerweise recht. Denn die Nationalspieler – unabhängig von ihrer Hautfarbe oder Religion – sind deutsche Staatsbürger. Ohne Wenn und Aber. Und wer deutschen Staatsbürgern aufgrund ihrer Hautfarbe in Abrede stellt, Teil dieses Landes zu sein, der greift unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung an.

Die AfD sieht sich permanent in der Opferrolle. Wechselweise wollten die Medien oder die politische Konkurrenz sie mithilfe des Verfassungsschutzes oder eines möglichen Parteiverbotsverfahrens mundtot machen. Doch die AfD und deren Funktionäre sind nicht die Opfer. Opfer sind diejenigen, die aufgrund ihrer Hautfarbe Rassismus und Ausgrenzungen erfahren. Über die Leistung der Nationalmannschaft lässt sich streiten. Über die Zugehörigkeit ihrer Spieler zu Deutschland nicht.

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