Bischof Wilmer: KI muss dem Menschen dienen

Künstliche Intelligenz bietet nach Ansicht der katholischen Kirche großen Chancen, birgt aber auch Risiken. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, fordert deshalb klare Grenzen für ihren Einsatz.
epd/Jonathan Frank
Bischof Heiner Wilmer

Die katholische Kirche sieht in Künstlicher Intelligenz (KI) ein hilfreiches Werkzeug für die Menschheit, weist aber auch auf Risiken der Nutzung hin. KI könne Krankheiten früher erkennen, Bildungszugänge erweitern, schwere Arbeit erleichtern und dazu beitragen, die großen Aufgaben der Gegenwart besser zu bewältigen, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, am Mittwoch in Fulda während der Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz.

Künstliche Intelligenz sei aber niemals neutral. „In ihr stecken Interessen, wirtschaftliche Macht, politische Entscheidungen und die Vorurteile derjenigen, die sie entwickeln, finanzieren und einsetzen“, sagte der Bischof von Münster. Deshalb genüge es nicht, technische Innovation zu feiern. „Entscheidend ist die Frage: Dient die Künstliche Intelligenz dem Menschen – oder wird der Mensch der KI angepasst?“

Wilmer forderte: „Menschen müssen Entscheidungen nachvollziehen, anfechten und korrigieren können.“ Es gehe nicht darum, wie die Maschinen intelligenter würden, „sondern wie wird der Mensch menschlicher“. Gerade als Christen gelte es, die Menschlichkeit ernst zu nehmen, denn „Gott wurde nicht Intelligenz. Gott wurde Körper. Gott wurde Fleisch.“

Am Mittwoch sprachen die 60 in Fulda versammelten Bischöfe über die ethischen Herausforderungen der KI. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (Großartige Menschheit).

Zum Zusammenspiel von KI und Kirche erklärte Wilmer: „Ich glaube schon, dass KI unsere Religion verändern wird.“ Es brauche eine „veränderte Religion, sodass unser Denken, Handeln und Hoffen, die Menschheit menschlicher Macht und Licht für die Welt ist.“

Lehrschreiben von Papst Leo

An Pfingstmontag hatte Papst Leo XIV. sein erstes umfassendes Lehrschreiben zum Thema Künstliche Intelligenz veröffentlicht. KI sei zwar ein wertvolles Hilfsmittel für die Menschheit, berge aber auch Gefahren für Missbrauch. In seiner Enzyklika definiert das katholische Kirchenoberhaupt Bedingungen für einen verantwortlichen Einsatz der generativen KI. Die Verantwortung müsse immer in der Hand von Menschen liegen.

Nach Wilmers Einschätzung mache der Papst hier „als moralische Weltautorität klar, dass die Menschheit an einem Scheideweg steht, wenn sie selbst den Menschen nicht mehr ernst nimmt“. Der Papst kritisierte beispielsweise, dass KI bislang international nicht reguliert werde und die Macht und das Wissen über Entwicklung, Forschung und Einsatz bei wenigen Tech-Unternehmen liege anstatt bei Staaten. Auch den Ressourcen-Einsatz, der für Entwicklung und Nutzung von KI nötig ist, hält der Papst für problematisch.

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