Vor einer anstehenden Debatte im Deutschen Bundestag haben sich die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland für die Beibehaltung einer Entscheidungslösung bei der Organspende ausgesprochen. Eine Widerspruchsregelung mache alle Personen zu Spendern, die zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt haben, teilten die politischen Büros der Kirchen mit, und: „Für die Kirchen bleibt demgegenüber entscheidend, dass die individuelle Zustimmung tatsächlich vorliegt. Nur ein explizites Ja zur Organspende ist ein Ja.“
Am Donnerstag werden die Abgeordneten des Deutschen Bundestages über eine Neuregelung der Organspende beraten. In erster Lesung wird dabei ein Gesetzesentwurf zur Einführung der sogenannten Widerspruchslösung debattiert.
Spender könnte sein, wer nicht widerspricht
Eine Gruppe um Gitta Connemann (CDU), Sabine Dittmar (SPD) und Armin Grau (Grüne) schlägt vor, volljährige und einwilligungsfähige Menschen zu Spendern zu erklären, wenn sie zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt haben. Bei Minderjährigen sollen die Angehörigen entscheiden und bei nicht einwilligungsfähigen Menschen sollen keine Organe entnommen werden, wenn sie zu einem früheren Zeitpunkt, zu dem sie einwilligungsfähig waren, keine anderslautende Erklärung abgegeben haben.
Eine weitere Parlamentariergruppe hat einen Antrag eingebracht, in dem sie stattdessen für die bisherige Entscheidungslösung plädiert, ergänzt um bessere Aufklärung und ein zugänglicheres Organspende-Register. Jeder volljährige Bürger soll demnach seinen Willen für oder gegen die Organspende dokumentieren. Es soll auch möglich sein, die eigene Haltung als unentschieden anzugeben. Die Gruppe um Michael Brand (CDU) und Lars Castellucci (SPD) legt damit aber keinen eigenen abzustimmenden Gesetzesentwurf vor.
Diesen Ansatz unterstützen nun ausdrücklich auch die Kirchen. Sie befürworteten, eine Entscheidungslösung „im Sinne einer regelmäßigen behördlichen Entscheidungsabfrage zu konkretisieren“. Weiter heißt es, es sei fraglich, ob ein Wechsel zur Widerspruchsregelung für sich genommen verlässlich zu mehr Organspenden führe. Stattdessen müssten mehrere Maßnahmen zusammenkommen: „Persönliche Ansprache, einfache und barrierefreie Informations- und Dokumentationswege, unabhängige Beratung sowie verlässliche Strukturen in den Entnahmekrankenhäusern. Mehr tatsächlich getroffene und sichtbar gemachte Entscheidungen gehen zudem einher mit mehr Vertrauen in das Gesundheitssystem und stärken eine gute Organspendekultur in Deutschland.“