Wer sich jetzt fühlt, als hätte er ein Déjà-vu, dem sei versichert: Nein, Sie liegen richtig. Vor einer Woche schaltete die Redaktion der US-Talksendung des Moderators Jimmy Kimmel eine Folge online, in der der texanische und demokratische Bewerber für den US-Senat, James Talarico, auftrat. Das Video knackte auf Youtube zuletzt die Marke von elf Millionen Aufrufen. Wohl auch, weil es nur da zu sehen war.
Wie unter anderem der „Spiegel“ berichtet und Kimmel selbst in der Sendung erklärte, hatte die US-Medienaufsicht die Redaktion gezwungen, die Show aus dem Programm zu nehmen. Woraufhin Kimmel das Ganze einfach auf Youtube veröffentlichte. Der Leiter der Medienaufsicht ist der Trump-Verbündete Brendan Carr. Kritiker vermuten eine Einflussnahme des Präsidenten auf das Programm, nicht nur in diesem Fall.
Talarico scheint dabei eine besondere Aufmerksamkeit zuzukommen, denn der demokratische Politiker, der sich aktuell auch im Wahlkampf befindet, wurde schon einmal aus dem Programm gestrichen: Anfang des Jahres war er in der Sendung von Stephen Colbert. Auch diese wurde nach Druck nur online hochgeladen. Und auch diese wurde zum Hit.
Talarico will Pastor werden
Zuvor hatte die Medienaufsicht zudem eine Untersuchung gegen die ABC-Sendung „The View“ eingeleitet, nachdem Talarico dort zu Gast war. Es sollte geklärt werden, ob die Sendung gegen die Regeln zur Gleichbehandlung politischer Kandidaten bei Interviews verstoßen hat und ob es sich um eine Nachrichten- oder eine Unterhaltungsshow handelt.
Bei Jimmy Kimmel blickt Talarico, dessen Großvater nach eigenen Angaben ein Baptistenprediger war und der derzeit selbst Theologie studiert und Pastor werden will, auf die US-Politik unter Donald Trump: „Sie haben Angst davor, dass wir das Rennen in Texas machen werden“, erklärte Talarico gut gelaunt den Widerstand gegen seine Person vonseiten der Republikaner. Das ganze „System“ sei „korrupt“.
Und er sprach über seinen Glauben: „Die Art Religion, die sagt, du kannst Menschen behandeln, wie auch immer du willst, solange du eine persönliche Beziehung zu Jesus hast, ist ein Gräuel. Es ist Krebs im Leib Christi.“ Die Bibel sage klar: Niemand könne Gott lieben und zugleich andere Menschen hassen. Niemand könne Gott lieben und Migranten misshandeln, Arme unterdrücken oder Ausgestoßene schikanieren. „Wir haben so viel Zeit damit verbracht, Gott irgendwo da draußen zu suchen, dass uns Gott in den Menschen gleich neben uns entgeht.“
Dazu zitierte Talarico aus der Bergpredigt und rief dazu auf, sich im Namen Jesu um Benachteiligte zu kümmern. „Ich frage mich oft: Was würde Jesus tun, wenn er den US-Senat besuchte? Ich denke, er würde den Senatoren dort sagen: Fort von mir. Denn ich war hungrig, und ihr habt meine Nahrungsmittelbeihilfe gekürzt. Ich war krank, und ihr habt mir die Gesundheitsfürsorge gestrichen. Ich war ein Fremder und ihr habt meine Familie und mich deportiert. Und ich denke, dann würde er diese schicken Tische umwerfen.“
Derzeit liegt der Demokrat Talarico in Umfragen vor seinem republikanischen Gegner Ken Paxton. Die Senatoren werden bei den sogenannten Midterms am 3. November gewählt. Texas wird seit 1993 von Republikanern regiert.