Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die TV-Doku „I Am What I Am – Stolz, eine Frau zu sein“ über die israelische Transgender-Aktivistin Efrat Tilma mit dem Robert-Geisendörfer-Preis ausgezeichnet. Der Film porträtiert Tilma als einen „Menschen mit Wunden, Humor und Lebensklugheit“. Aus Sicht der Jury lenke der Beitrag den Fokus darauf, dass jeder ein Leben führen kann, das ihm entspricht. Die Macher des Dokumentarfilms, Sagi Bornstein und Udi Nir, hätten Tilma aus großer Nähe porträtiert, „ohne sie zur Heldin oder zum Symbol zu machen“, erklärte die Jury.
Der Robert-Geisendörfer-Preis zeichnet herausragende Fernseh-, Hörfunk- und Online-Produktionen aus. Bei der gestrigen Preisverleihung in Mainz wurden acht Produktionen prämiert sowie ein Sonderpreis verliehen. Diesen erhielt die WDR-Journalistin Isabel Schayani für außergewöhnliche publizistische Leistungen. Schayani berichtet mit „großer Empathie, journalistischer Klarheit und analytischer Schärfe über Flucht, Migration und gesellschaftliche Konflikte, ohne zu emotionalisieren oder sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen“. Laut Jury werfe sie einen differenzierten Blick auf die Lebensrealität von Migranten und leiste damit einen herausragenden Beitrag zu Aufklärung und Verständigung.
In der Kategorie Hörfunk gewann das Dokumentarhörspiel „Auch wenn es dunkel ist“, das die Opfer des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 in den Blick nimmt. Aus Interviews mit Überlebenden und Angehörigen setze sich – ohne irgendwelche Kommentare und Deutungen – aus unterschiedlichen Perspektiven ein „Bild der Grausamkeiten“ zusammen, heißt es in der Begründung der Jury.
„Eindringliches Lehrstück für Gegenwart und Zukunft“
Auch das NDR-Hörspiel „Für immer seh ich dich wieder“ erhielt eine Auszeichnung. Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Tod eines ungeborenen Kindes. Den Machern gelinge es, „dass Zuhören zum radikalen Mitfühlen wird“. Der Beitrag gebe dem tabuisierten Thema gesellschaftlichen Raum und mache Mut, Tod und Trauer offen, tröstend und hoffnungsvoll zu begegnen.
Die gemeinsame Produktion von ZDF und ORF „Sturm kommt auf“ nimmt die Zuschauer mit in ein oberbayerisches Dorf, in dem sich der Nationalsozialismus ausbreitet. Der Film sei aus Sicht der Jury „ein eindringliches Lehrstück für Gegenwart und Zukunft“. Der Film zeige, wie politische und gesellschaftliche Strukturen zerstört werden – und erinnere daran, dass jeder Einzelne Verantwortung trägt, wenn der antidemokratische Sturm aufziehe.
In der Kategorie Online gingen Preise sowohl an den Dokupodcast „Irma. Das Kind aus Srebrenica“ als auch das „SWR Heimat“-Redaktionsteam. Der „Zeit“-Podcast verbinde vielstimmig die wahre Geschichte der Protagonisten mit Kriegsverbrecherprozessen, UN-Blauhelm-Interviews und der Spurensuche dreißig Jahre später, begründete die Jury.
„Musterbeispiel gelungener Geschichtsvermittlung“
Das „SWR Heimat“-Redaktionsteam mit Martika Baumert und Michèle Kraft erhielt den Preis für sein Tiktok-Format „OldieFans“, dem es „vorbildlich gelingt, Brücken zwischen Generationen zu bauen“. Der Kanal porträtiert verschiedene Menschen über 60 Jahren, macht sie gezielt für ein junges Publikum zugänglich und fördert den Dialog zwischen den Generationen, hieß es von Seiten der Jury.
Im Bereich „Kindermedien“ gingen die Preise an den dokumentarischen Trickfilm „Die Sendung mit der Maus – Felix Nussbaum“ und die Animations-Trickserie „Lenas Hof“. Der Beitrag über den jüdischen Künstler Felix Nussbaum erinnere an die Geschichte, die Teile der Gesellschaft gerne ausblenden möchten. Die Jury unter dem Vorsitz von Udo Hahn bezeichnete es als „Musterbeispiel gelungener Geschichtsvermittlung“.
In nur knapp sechs Minuten pro Folge von „Lenas Hof“ gelingt es nach Ansicht der Jury, den Machern, große Fragen zu erzählen. Die Serie zeige auf herzerwärmende Weise, wie leicht es im Grunde ist, Freundschaften zu pflegen, Gemeinschaft zu stärken, Verantwortung zu übernehmen und ganz im Sinne von Robert Geisendörfer „solidarisches Engagement ohne Eigennutz zu leben“, begründeten die Verleiher des Preises.
Der Geisendörfer-Preis wird seit 1983 jährlich im Gedenken an den Publizisten Robert Geisendörfer (1910 bis 1976) verliehen. Die Preise sind jeweils mit 5.000 Euro dotiert, der Sonderpreis ist nicht dotiert. An der Spitze der Jury steht die Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst.