Kirche besteht auch noch, wenn sich keiner mehr an die AfD erinnert

Der Influencer „Marcant“ befindet sich gerade auf einer Tour durch Ostdeutschland. Dabei hat er nicht nur Pfarrer Justus Geilhufe getroffen, sondern auch gefragt, wie sehr die Kirche einer „Regenbogenideologie“ anhängt.
Von Johannes Blöcher-Weil
Pfarrer Justus Geilhufe (rechts) steht dem Influencer Marcant zur Zukunft der Kirche Rede und Antwort

Eine mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt würde die Existenz der Kirche gefährden. Das glaubt Pfarrer Justus Geilhufe. Im Interview mit dem Influencer „Marcant“ betont der Theologe, dass sie trotzdem Wege finden wird, um zu überleben. Er sei zuversichtlich, dass es die Kirche auch in 500 Jahren noch gebe, wenn sich keiner mehr an die AfD erinnern werde.

Aus seiner Sicht reibe die AfD sich stark an der Kirche, weil diese auch immer ein „Stachel im Fleisch der Machthaber“ gewesen sei und ihre Positionen klar vertrete. Geilhufe geht davon aus, dass die aktuelle Debatte mit der AfD die Gemeinden noch einmal neu beleben werde, „in der Frage, was uns trägt“. Gleichwohl frage er sich, warum und wofür diese Debatte notwendig sei.

Die Kirche werde sehr schnell mit einer „Regenbogenideologie“ in Verbindung gebracht, wenn sie sich in bestimmten Fragen nicht abgrenze. Kirche müsse verdeutlichen, dass es ihr um die Menschen gehe und in ihr Platz für alle Generationen sei. Geilhufe wird deutlich: „Ich möchte mir nicht sagen lassen, dass sie die Speerspitze der Genderideologie ist.“

„Wenn ich den Glauben nicht hätte, wüsste ich nicht, wie ich leben würde“

Die Kirche vor Ort sei mehr als die Ansammlung von Menschen und Heimat im übergeordneten Sinn. Sie bringe Menschen zusammen und stifte Gemeinschaft. Von daher sehe er es kritisch, wenn Orte der Gemeinschaft wegfallen und in den Pfarrhäusern und Gemeindesälen das Licht ausgehen würde. Er sei froh, dass er den Glauben als Fundament für sein Leben habe: „Wenn ich das nicht hätte, wüsste ich nicht, wie ich leben würde.“

Marcant, dessen Kanal 635.000 Abonnenten hat, kommt in dem 45-minütigen Video im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch mit anderen Menschen ins Gespräch. Ein Lehrer fürchtet bei einem AfD-Erfolg vor allem das Ende der Inklusion, die Abschaffung bestimmter Schulformen und die Ausgrenzung von Personengruppen. Ein Vertreter des Bistums betont, dass Jesus keine Unterschiede zwischen den Menschen gemacht habe und sich die Kirche deshalb weiter für Menschenwürde und Solidarität einsetzen werde.

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